Bildung oder Ökonomie?

Abgelegt unter: Allgemein, Fachliches — JoWe um 16:27 am 06.11.2007

Meine Sympathie mit dem OLPC-Projekt (One Laptop Per Child) habe ich ja bereits bekundet. Und etwas neidisch schaue ich nun zu unseren österreichischen Nachbarn, die ein Pilotprojekt mit dem 100 $-Laptop aufgesetzt haben. Während ich noch versuche, mich in diese Initiative einzudenken, häufen sich die Nachrichten, dass gerade nun, wo die Produktion des XO-Laptops tatsächlich anläuft, heftiger Gegenwind von mächtigen Gegenspielern angefacht wird.

Offensichtlich hat die Industrie gemerkt, dass mit einfachen und kostengünstigen Rechnern in der Hand von Kindern sich ein vormals belächelter Markt eröffnet und vor allem neue zukünftige Märkte entstehen werden. Wohl deshalb haben Intel mit dem Classmate-PC und Asus mit dem Eee-PC - die preislich nur wenig über dem XO-Laptop liegen – Alternativen entwickelt. Nun wäre es an sich kein Beinbruch, wenn eine gute Idee Mitstreiter oder Nachahmer findet, wenn dabei nicht die Gefahr bestünde, das dahinter stehende Konzept zu verwässern. Es sei daran erinnert: Auf dem XO-Laptop laufen vom Betriebssystem bis zur Anwendungssoftware nur OpenSource-Entwicklungen. Eine zentrale Komponente ist Squeak, eine Smalltalk-Implementation, die zwar auch auf allen anderen gängigen Plattformen läuft. Aber der entscheidende Unterschied ist, dass alle Anwendungen auf dem XO-Laptop bei Bedarf im Quellcode (also in Squeak) einsehbar sind und theoretisch von den Schülern deshalb sowohl Programme als auch Inhalte untersucht und verändert werden können. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Microsoft eine Windows-Variante auf den Konkurrenzrechnern bereitstellen wird, die quelloffen ist! Für Entwickler und Anwender wird es außerdem unübersichtlich - wie im kommerziellen Rechnermarkt - wenn Neu- und Weiterentwicklungen von Anwendungen für mehrere Plattformen verfügbar gemacht werden sollen.

Ich halte es also für zweifelhaft, ob in diesem Falle Konkurrenz belebend wirkt, sondern vermute eher, dass das ambitionierte OLPC-Projekt unter falschen Konkurrenzdruck gesetzt wird. Wer einfach „billige Rechner“ sucht, mag ja bei den Alternativen fündig werden. Aber nur das OLPC-Projekt hat ein Gesamtkonzept vorzuweisen, bei dem die pädagogischen Ziele mindestens genauso ambitioniert und wichtig sind, wie die Hard- und Softwarekomponenten.

2 Kommentare »

Kommentar von Gregor

13. Dezember 2007 @ 19:34

>Ich halte es also für zweifelhaft, ob in diesem Falle Konkurrenz belebend wirkt, sondern vermute eher, dass das ambitionierte OLPC-Projekt unter falschen Konkurrenzdruck gesetzt wird.

Nicholas Negroponte hat in diesem Zusammenhang mal gesagt:

> If I were the world food program and I were in a remote village serving food to the children at school and McDonalds sets up something into that village, McDonalds might view the world food program as a competitor but the world food program does not view mcdonalds as a competitor. And that’s the situation I’m in. And if McDonalds can serve the whole village then the world food program would actually retreat. And I don’t have any needs to sell laptops, I just want to make sure that the children get them. The problem is, and let me use some of the specific machines on the market, they don’t even come close.

Quelle: http://www.npr.org/blogs/talk/2007/11/188_laptop.html

Kommentar von admin

14. Dezember 2007 @ 09:55

naja, da kann ich Negroponte nicht ganz folgen. Es geht ja gerade nicht nur um die Laptops sondern was drauf ist und was damit gemacht wird. Classmate und EeePc sind eben sowas wie fast food, ziehen Kunden an, hält sie damit aber vom gesunden Essen ab … Qualität setzt sich nicht automatisch durch.

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