Dieser Tage bekam ich (als ALT-Mitglied) eine kleine Broschüre zugeschickt: Digital technologies and their role in achieving our ambitions for education. Dabei handelt es sich um die Druck-fassung der Antrittsvorlesung von Diana Laurillard am Institute of Education, University of London. Es ist wohl eher ungewöhnlich, dass eine Vorlesung so und dann noch in hoher Auflage verteilt wird, liegt aber daran, dass es ihr gelungen ist, bildungspolitische und bildungstechnologische Aspekte mit lerntheoretischer Fundierung zu verknüpfen und dies in praxisrelevante Folgerungen münden zu lassen.
Diana Laurillard hat auch eine ungewöhnliche berufliche Karriere mit Stationen in Forschung und Bildungsverwaltung durchlaufen. Vor mehr als drei Jahrzehnten begann sie in Entwicklungs-projekten zur Nutzung von computerbasierten Werkzeugen im naturwissenschaftlichen Unterricht. Da ich einen ähnlichen Schwerpunkt hatte, haben wir uns darüber kennen gelernt (genauer im Projekt Computers in the Undergraduate Science Curriculum) und sind seitdem freundschaftlich verbunden geblieben. Ab 1981 war sie an der Open University, zunächst als Lecturer, dann Professorin für Educational Technology und schließlich Pro Vice Chancellor. Zwischen 2002 und 2005 war sie Leiterin der E-Learning-Strategiegruppe im Department for Education and Schools, dem britischen Bildungsministerium. In dieser Position entwickelte sie eine kohärente E-Learning-Strategie für alle Erziehungs- und Ausbildungssektoren die unter dem Titel Harnessing Technology: Transforming Learning and Children’s Services im März 2005 veröffentlicht wurde. Nach diesem Versuch, ihre Ideen auch in die politische Praxis umzusetzen, ist sie nun seit August 2005 Professorin für Lernen mit digitalen Technologien am Knowledge Lab der Londoner Universität.
Die Kernpunkte der Vorlesung sind nun auch zu finden in der Folienpräsentation (mitsamt Textnotizen, Teile davon stellte sie auch in ihrer Keynote auf der GMW-Tagung 2007 in Hamburg vor). Außerdem gibt es anlässlich dieser Vorlesung ein Interview mit Kevin Donovan, in dem insbesondere die Ausgangspunkte ihrer Überlegungen deutlich werden. So ist eine ihrer zentralen Aussagen What it takes to learn does not change (vgl. ihre Folie 16), wobei sie sich auf den Sichtwechsel des Shift from Teaching to Learning bezieht. Dabei können wir Technologien nutzen um Lernen zu unterstützen, aber das ändert die kognitive Leistung, die erbracht werden muss, nicht sonderlich. Ihr eigenes Modell (das sie in dem weltweit bekannten Buch Rethinking University Teaching, 1993, Routledge, 2. Auflage 2002) entwickelt hat, beschreibt einen dialogorientierten Rahmen für den effektiven Einsatz von Lerntechnologien, den sie auf unterschiedliche Technologien anwenden kann (vgl. dazu ihre Folien 45 und 48). Wenn wir über Lerntechnologien nachdenken finde ich deshalb folgende Überlegung von ihr anspornend:
Now we can ask ‘So what can the technology do for us?’ – rather than the more typical question ‘What can we use the technology for?’ … It’s very important to put education in the driving seat of future technology development. Too often, we have to make use of technologies developed for other activities – usually leisure or commercial. Here I want to turn that around, and begin with the requirements of education, and challenge technology to meet them.