wie weiter?
Wieder mal war Bildung Thema bei Anne Will; immerhin ein weiteres Indiz für die Resonanz des Bildungsstreiks in der öffentlichen Wahrnehmung. Allerdings machen die Reaktionen derjenigen, die selber Entscheidungsträger sind oder ihnen nahestehen, wenig Hoffnung auf ein deutliches Umsteuern in der Bildungspolitik.
Letzte Woche konnten die Streikenden sich gar nicht retten vor ungewollten Vereinnahmungen. Absurder Höhepunkt die Statements von Müller-Böling in einem ZDF-Interview, in dem er die Proteste der Studierenden begrüßt, sich sogar mehr davon wünscht, um dann ungerührt all die Dinge zu verteidigen, gegen die der Protest sich richtet. Oder wenn HRK-Präsidentin Wintermantel Mängel bei der Umsetzung des Bologna-Reformprozesses an den deutschen Hochschulen einräumt, aber im gleichen Atemzug den dagegen protestierenden Studierenden zu wenig konkrete Forderungen, mangelnde Umgangsformen und zu große Ungeduld vorwirft (Bericht darüber z.B. hier). Dabei kann die Ungeduld der Versuchkaninchen dieser Reformeritis gar nicht groß genug sein!
Dazu passt dann eben die Runde bei Anne Will, in der Frau Schavan bei gutem Willen als einzige Fachfrau bezeichnet werden könnte - neben sonstigen “Zufallsgästen” - und sie folgerichtig nahezu unwidersprochen alle Ungereimtheiten ihrer Politik absondern darf.
Stellt sich die Frage, wie wir (als Bildungswissenschaftler, aber auch als direkt Betroffene) uns in diese Prozesse einklinken können. Mit ein Grund für die Misere (an den Hochschulen) ist sicher, dass sich viele Hochschulangehörige aus dem bisherigen Reformprozess vornehm heraus gehalten haben und nun vor vollendeten Tatsachen stehen. Der mangelnde Stellenwert der Lehre äußert sich ganz konkret in dieser Abstinenz! Nur wenn das sich ändert, d.h. mit entsprechendem (zeitlichen und transparenten) Engagement der Hochschullehrenden wenigstens die Reform der Reform betrieben wird, kann mit verbessertem Einfluss auf diese Prozesse gerechnet werden.
Gabi z.B. hat ihre Überlegungen zu einem idealen Studiengang zusammen gestellt. Entsprechende konstruktive Beiträge zu weiteren Problemfeldern sind erwünscht. Natürlich bleibt dann die Frage, wie diese in die bildungspolitische Diskusssion eingebracht werden könnten. Eigentlich dürfte es keine Tagung zu Bildungsthemen mehr geben ohne die konstruktive Diskussion themenrelevanter Aspekte und die Zusammenfassung der Ergebnisse in Resolutionen an die Verantwortlichen.