Nach Rückblicken auf die GMW10 in Zürich von Gabi, Kerstin, Mandy, Thomas, Ralph und Sandra auch von mir ein paar (krankheitsbedingt) verspätete Anmerkungen. Wobei ich mich auf drei Aspekte konzentrieren möchte.
Pre-Conference: Sozusagen ein EduCamp vorgeschaltet vor die eigentliche Tagung. Ob dadurch Personen angezogen wurden, die ansonsten gar nicht zur GMW gekommen wären, kann ich schwer beurteilen. Jedenfalls waren sehr viele GMWler schon am Montag vertreten. Wir konnten aus 20 Sessions auswählen. Ich selbst hatte sehr spontan das Thema “Forschung und Lehre 2.0″ eingebracht, angeregt von Philip Stalders Vorschlag “Forschendes Lernen”, woraus dann sinnvollerweise eine Doppelsession wurde. Die Diskussion dort war durchaus anregend und selbst die Zeit einer Doppelsession reichte nicht, jedenfalls nicht, sie zu einem Fazit zu führen (allein das Problem fachliche/überfachliche Kompetenzen müsste dringend weiter geführt werden). Ich selbst hatte das Gefühl, ich hätte deutlich besser vorbereitet in die Session gehen sollen; ich gebe zu, der Charakter des Camps verleitete mich zur Unverbindlichkeit. Das abschließende Bildungssofa wirkte auf mich ein bisschen wie eine GMW-Hüpfburg. Die spontanen Beiträge konnten den Tag nicht thematisch fassen und abrunden. Ein Interview mit Sandra und Thomas, den Organisatoren dieses Tages, über ihre Absichten, die konkreten Erfahrungen und mögliche Empfehlungen findet sich bei e-teaching.org.
Keynotes: Was erwarte ich von Keynotes? Sie sollten thematische Marken für eine Konferenz setzen, also das Tagungsthema kompetent aus anregender Perspektive beleuchten, durchaus auch provokante Thesen einbringen; oder den Blick bewusst über Fächergrenzen richten und neue Sichten anregen; oder das Tagungsthema bewusst ausweiten. Die E-Learning Strategie der Uni Straßburg war zu ersterem wenig geeignet; das Portrait der Disney Research Zürich diente wohl dem zweiten Aspekt, litt aber am fehlenden Bemühen, Brücken zum Tagunsgthema zu schlagen. So bleibt als Highlight mal wieder Rolf Schulmeister mit seiner (detailverliebten) Analyse zur Invasion der beruflichen Bildung in die Universitäten; aber gerade hier wäre Zeit für eine vertiefende Diskussion dringend notwendig gewesen.
Tagungsprogramm: Vieles was ich hören konnte, war spannend und anregend, manches dabei aber schlecht präsentiert (wie kann man heute immer noch textlastige Folien vorlesen?). Mir persönlich war das Programm zu dicht und straff durchgeplant. Ich hatte Mühe, meine Nebengespräche unterzubringen, übrigens auch schon bei der Pre-Conference! Also Lob für die Organisatoren für die inhaltliche Ausgestaltung, aber Bitte nach Dresden, in Zukunft das Programm wieder ein wenig zeitlich zu entzerren.
Ach ja, bei Tagungsdidaktik hab ich Bauchschmerzen; da komme ich mir als Tagungs-teilnehmer zu sehr an die Hand genommen vor. Eigentlich wissen doch alle, die zur Tagung fahren, dass ein Gutteil der Tagungsqualität davon abhängt, wie aktiv wir uns selbst einbringen. Die Organisatoren können natürlich förderliche Rahmenbedingungen schaffen und geeignete Formate können auch die Beteiligung direkt herausfordern; aber garantieren tun sie das nicht. Weil ich die Züricher Tagung als für mich ertragreich erlebt habe, geht deshalb mein Dank sowohl an die Organisatorinnen für den ermöglichenden Rahmen, als auch an die Teilnehmenden, die diesen Rahmen erfolgreich genutzt haben!