Ganz oder gar nicht …
Unter diesem Titel ist vor kurzem mein Beitrag in der Festschrift für Renate Schulz-Zander Bildung und Schule auf dem Weg in die Wissensgesellschaft erschienen (Hrsg. Birgit Eickelmann, Waxmann Verlag, 2010). Ein Vorabdruck ist auf meiner Website abrufbar.
In dem Beitrag plädiere ich für die Einführung persönlicher Rechner in der Grundschule (mit Bezug auf das OLPC-Projekt). Dazu skizziere ich ein durchgängiges Nutzungskonzept digitaler Medien in der Grundschule: Mit dem Schuleintritt sollen alle Kinder persönliche Rechner erhalten und diese als Arbeitsmittel kennen lernen, d.h. Computer und Internet von Beginn an als völlig selbstverständliche Bestandteile ihrer Lernumgebung immer dann zur Verfügung haben und nutzen, wenn die Notwendigkeit, sich zu informieren, zu lernen, zu arbeiten es erfordert. Dabei vertrete ich den Standpunkt ganz oder gar nicht, das heißt, ich halte nichts von der punktuellen Nutzung des Rechners in ausgewählten Unterrichtssituationen (und dann eben oft auch noch in speziellen Räumen), wodurch sie einen Ausnahmestatus und Event-charakter bekommt, den sie im wirklichen Leben eben gerade nicht mehr hat.
Als ich auf dem Hamburger EduCamp dazu eine Session Digitale Medien für Alle von Anfang an moderierte, waren die Reaktionen eher zurückhaltend. Nach dem Motto, es tut sich doch schon viel, Vorrang muß die Ausbildung der LehrerInnen haben, bis hin es wäre doch schon viel gewonnen, wenn die SchülerInnen ihre eigenen Rechner mitbringen dürften.
Da meine ich allerdings, dass nach über 30 Jahren Förderung, Entwicklung und Erprobung an den Schulen die Zeit gekommen wäre, statt punktueller Aktionen ein konzertiertes Vorgehen für die flächendeckende 1:1-Ausstattung mit portablen Rechnern zu organisieren (Alan Kays Dynabook lässt grüßen; Abb. aus A Personal Computer for Children of all Ages). Eigentlich bedürfte es als Fortsetzung von Schulen ans Netz (dessen Ziel es ja war … allen Schulen in Deutschland die Infrastruktur für den Zugang zur digitalen Medienwelt bereit zu stellen) eines erneuten Zusammenwirkens von Wirtschaft, Politik und Schulträgern, um die Voraussetzungen zu schaffen, dass unsere Kinder den Weg in die oft beschworene Wissensgesellschaft bewältigen können.
Ach ja, geschrieben hatte ich den Artikel vor ziemlich genau einem Jahr (die Printmühlen mahlen halt langsam …). Inzwischen gibt es mit dem iPad und vergleichbaren Tablets bereits eine neue Geräteklasse, deren Funktionalität, Usability und Kosten sie für die von mir geforderte 1:1-Ausstattung prädestinieren (was etliche Schulpraktiker wohl auch so sehen).