SoftwareMuseum: Lisa Office System

Abgelegt unter: SoftwareMuseum — JoWe um 17:39 am 25.08.2010

Mein heutiger Beitrag zur Kategorie SoftwareMuseum entstand ohne Anlass eines runden Jubiläums, sondern einfach, weil ich den Apple Lisa, genauer das zugrunde liegende Softwaresystem, das Lisa Office System (das ist das Betriebssystem inklusive einiger Applikationen wie LisaWrite, LisaCalc, LisaDraw, LisaGraph) jetzt auf meinem Mac laufen lassen kann. Leider habe ich keinen Original-Lisa von Apple in meinem kleinen Hardware-Museum. Obwohl dieser erste Computer mit einer grafischen Oberfläche von Apple bereits 1983 auf den Markt kam, damals zu einem Listenpreis von 9995 $, erzielt er heute noch hohe Liebhaberpreise (von deutlich über 1.000 €). Das ist mir der Spass denn doch nicht wert, zumal es inzwischen den Emulator LisaEM für Mac OS X gibt, in dem wesentliche Eigenschaften des Systems nachgebildet werden. Der Lisa war kommerziell kein Erfolg beschieden, er wurde nur knapp 60.000 mal verkauft und bereits 1985 wieder vom Markt genommen. 1989 wurden fast 3.000 Restexemplare wenig umweltfreundlich auf einer Mülldeponie entsorgt.

Die Entstehungsgeschichte des Lisa, die Bezüge zu den Entwicklungen von Xerox mit dem Alto System und die Apple-interne Konkurrenz zum erfolgreicheren Macintosh muss ich hier nicht wiederholen; sie kann vielfach nachgelesen werden. Interessant vor allem das entsprechende Kapitel im Buch Apple streng vertraulich (S. 63-78) von Owen Linzmayer oder im Buch Revolution in the Valley von Andy Hertzfeld, dort (S. 89-97) vor allem hinsichtlich der softwaretechnischen Eigenentwicklungen von Bill Atkinson (wie z.B. Menüleiste, Pulldown-Menü, Copy & Paste oder der berühmte Papierkorb), die mit vielen Bildbeispielen illustriert sind. Aufschlussreich sind das offizielle Apple Einführungs-Video oder auch die Videos von Alfred Di Blasi, der in einem Fernsehinterview 1984 die damals völlig neuartige Bedienweise demonstriert und 25 Jahre später nochmal den pfiffigen Hardware-Aufbau erläutert.

Wer sich für Details interessiert, sollte die Demo von Frank Ludolph und Rod Perkins (Mitentwicklern des LOS) ansehen, die auf der CHI 98 (das war dann auch schon 15 Jahre nach dem Erscheinen der Lisa!) gegeben wurde:

Insofern finde ich es außerordentlich verdienstvoll, dass Ray Arachelian den Emulator LisaEM entwickelt hat, der uns diesen Markstein der Computergeschichte wieder zugänglich macht. Zumal er den ganzen Computer emuliert, mitsamt Gehäuse, Einschaltknopf und Diskettenlaufwerk, was sich beim Einschalten entsprechend akustisch und visuell bemerkbar macht. In einem Interview bei Low End Mac schildert er die Entstehungsgeschichte des Emulators, der selbst ein technisches Kabinettstückchen darstellt.

Der Einfluss der Lisa auf nachfolgende Computer- und GUI-Generationen ist sehr hoch einzuschätzen - insbesondere natürlich auf den Macintosh, aber auch auf Windows - selbst wenn einige fortschrittliche Konzepte (wie das Multitasking, die reine Dokumentenorientierung) zunächst wieder in der Versenkung verschwanden.

Ein Screencast kann davon nur einen unvollständigen Eindruck vermitteln. Wer aber einen Rechner mit Mac OS X besitzt (ok, läuft auch auf anderen Plattformen ;-(  precompiled auch auf Win32 oder Ubuntu Linux), kann den Emulator selber installieren und damit rumspielen. Benötigt wird der Emulator (die Original-ROMs glücklicherweise nicht), das LOS, also das Lisa Office System, sowie die Anwendungsprogramme. Dann die Installationshinweise des Handbuchs penibel befolgen, und der Spass kann beginnen …

2 Kommentare »

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26. August 2010 @ 17:33

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21. Januar 2013 @ 13:07

[…] (und auf ebay kosten funtionstüchtige Exemplare schon mal ca. 20.000 €!). Immerhin läuft das Lisa Office System mit einem Emulator LisaEM auf meinem Mac […]

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