Begriffswirrwarr: Stresstest

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 23:03 am 20.12.2010

Ein Bestandteil von Heiner Geißlers Schlichterspruch zum Stuttgarter Bahnhof S21 live ist ein sogenannter Stresstest, mit dem die Leistungsfähigkeit des neuen Bahnhofs unter starker Belastung untersucht weren soll. Nun kann man sich eigentlich nur wundern, dass ein solcher Test von der Bahn nicht während der Planung bereits durchgeführt wurde. Aber DB Kefer musste genau das nach der brillanten Analyse von Tübingens OB Boris Palmer einräumen, was dann eben zu der Forderung des Stresstests führte.

Leider haben Ministerin Gönner und ihr Chef Mappus keine Ahnung, was das methodisch eigentlich bedeutet. Sie sind sich jetzt schon sicher, dass der Test keinen Änderungsbedarf ergeben wird. Damit wandeln sie einen ironischen Spruch ab, den der Systemforscher Hartmut Bossel einst für Simulationen (der Stresstest ist ja nichts anderes als eine Simulation) prägte: Man dreht solange an den Knöpfen, bis einem was einfällt. Ihre Version lautet dann wohl: Man dreht solange an den Knöpfen, bis acht Gleise reichen.

Zu fordern ist also, ganz im Sinne der Transparenz, den die Schlichtung schaffen sollte, dass die S21-Gegner das Verfahren inhaltlich begleiten können. Denn nur, wenn alle Modell-annahmen, die gewählten Laufparameter, das benutzte Simulationstool und die Simulationsergebnisse im Detail bekannt und nachvollziehbar sind, können deren Interpretationen (z.B. durch Gönner und Mappus) realistisch beurteilt werden. Ein Baustopp bis zur Klärung der damit verbundenen Sachfragen wäre eigentlich zwingend. Aber das ist politisch nicht gewollt und so bleibt der Schlichterspruch für die Gegner eine Provokation (vgl. dazu die Analyse durch Vonnahme und Tremml).

2 Kommentare »

Trackback von Blogwarte.de

21. Dezember 2010 @ 12:11

Begriffswirrwarr: Stresstest…

Die Schlichtung legte offen: es fehlt ein Stresstest. Er muss jetzt nachgeholt werden. Da nun solange an den Knöpfen gedreht wird, bis die geplanten acht Gleise reichen, ist der Baustopp hinfällig….

Pingback von konzeptblog » S21: Pseudotransparenz

22. Juli 2011 @ 11:41

[…] jubeln die S21-Befürworter und fordern, dass die Gegner endlich klein beigeben. Schließlich wurde ja nun alles […]

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