quo vadis #kbom ?

Abgelegt unter: Fachliches — JoWe um 22:18 am 27.03.2011

Im Vorfeld des Kongresses Keine Bildung ohne Medien! in Berlin hatte ich mich hinsichtlich seiner Erfolgschancen ja eher skeptisch geäussert. Trotzdem wurde ich von Kerstin Mayrberger ermuntert, mich an der AG Schule mit einem Statement zu beteiligen, was ich denn auch getan habe. Von anfänglich zehn Minuten (eigentlich schon zu kurz) musste ich mich vor Ort dann mit sieben Minuten beschränken, was definitv zu wenig war, um eine Initiative vorzustellen und zu begründen, die sich von den anderen Präsentationen und Forderungen deutlich unterschied mit meinem Plädoyer für eine 1:1-Ausstattung an Grundschulen: Digitale Medien für Alle von Anfang an. Ich habe es deshalb drüben auf meiner Website in der Langfassung abgelegt.

Unterstützung gab es dafür ebenso wenig wie inhaltliche Nachfragen, aber abwehrende Kommentare mit der Warnung vor der Ausstattung zuerst und dem Verweis auf das Schicksal der Sprachlabore und dass es in der AG ja um Bildung gehe. Ich hoffe, mein Text macht deutlich, dass ich tatsächlich ein ganzheitliches Konzept vorschlage, dass Medienintegration als Schulentwicklungsprozess interpretiert. Insofern fand ich dann die drei zentralen Forderungen der AG enttäuschend:

  1. Kein Jugendlicher darf Schule ohne grundlegende Medienbildung verlassen. Das verlangt die verbindliche Verankerung in Prüfungen und Lehr- und Rahmenplänen in allen Fächern.
  2. Keine Lehrperson darf ihre Ausbildung ohne Kompetenz zur Medienbildung abschließen; zugleich muss die Entwicklung der Kompetenz zur Medienbildung ein verbindlicher Bestandteil der Fort- und Weiterbildung sein. Das erfordert die Formulierung von akkreditierungsrelevanten Bildungsstandards durch die KMK und die Aufnahme in das System der Aus-, Fort- und Weiterbildungen.
  3. Jede Schule muss ein fächer- und jahrgangsübergreifendes Medienbildungskonzept als Teil des Schulprogramms entwickeln und umsetzen. Das bedeutet die Verankerung im länderspezifischen Qualitätsrahmen als eigene Dimension.

Dominik Petko hatte in der AG Schule zurecht darauf hingewiesen, dass die Forderungen “adressatengerecht”, also mit sehr konkreten Aussagen, formuliert werden müssen, wenn sie politisch wirksam werden sollen. Wer würde diesen Forderungen nicht zustimmen; aber welche konkreten Aktionen sollen daraus folgen? Insofern stimme ich mit der Einschätzung einer Gruppe überein, die am zweiten Kongresstag sich spontan zusammen fand, eigene Forderungen entwickelte und nun versucht mit den Kongressorganisatoren mit einem offenen Brief ins Gespräch zu kommen. Besonders mit diesem Punkt fühle ich mich mit meiner Einschätzung bestätigt:

Die politische Zielrichtung des Kongresses hat einen Schritt zu schnell gemacht. Es gibt bisher keine Einigkeit, wie die Medienpädagogik agieren soll. So wurde der Kongress zum Diskussionsort auf Kosten der politischen Schlagkraft. Es entstand der Eindruck einer Zustandsbeschreibung, in den Referaten wurden zu wenig neue Ideen wahrgenommen, gesellschaftliche Impulse waren kaum bzw. nicht zu spüren.

7 Kommentare »

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28. März 2011 @ 00:45

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Kommentar von Lisa Rosa

28. März 2011 @ 09:57

Danke für den Beitrag, ich teile diese Einschätzung voll. Ich hatte mir die Anwesenheit auf dem Kongress erspart, nachdem auch aufgefordert worden war, mich schon im Vorfeld zu beteiligen. Ich war wohl die einzige, die schon in der Vorbereitung mal im Wiki auf den von Kammerl und Mayrberger vorbereiteten Text “geschaut” und dann auch kommentiert habe. Ein Teil davon scheint irgendwie eingearbeitet worden zu sein, aber ich hatte beim Kommentieren schon den Eindruck, dass man eigentlich ganz anders herangehen müsste, und darum “Optimierungsversuche” der Vorlage nicht der richtige Modus waren. Schon da fand ich es außerdem einfach wunderlich, dass ich mehrere Türöffner brauchte, um überhaupt bis zu besagtem Text vorzustoßen. Ich habe den Eindruck, dass der Mainstream der universitären Medienpädagogik verschiedene Entwicklungen verschlafen hat.

Kommentar von JoWe

28. März 2011 @ 10:48

Mainstream triffts vermutlich, denn Niesyto sprach am 2. Tag vom “Kern der Medienpädagogen”, die den Kongress vorbereitet und getragen hätten. Ich glaube fast, die waren selber von der Resonanz überrascht und dass da nun plötzlich Leute dabei waren, die die vorbereiteten Papieren und “Forderungen” nicht direkt übernehmen wollten und sich eher “am Leben draussen” orientierten - das ja auch sonst am “Leben drinnen” beim Kongress vorbei ging. Die medientechnische Abstinenz, WLAN-Probleme (ok, das ist lokal Problem der TU gewesen), fehlende Ausdrucke der Ergebnisse am 2. Tag, Verschwinden der elektronischen Versionen auf der 3. Ebene der Website usw. empfinde ich fast schon kabarettreif.

Doppelt schade, weil 1) wann ergibt sich wieder die Chance soviel Unterstützer zu mobilisieren und 2) der Gefahr, dass “Kern” (mit Anspruch der “Deutungshoheit” über Medienpädagogik?) und “Schale” (die lieber über eine Neupositionierung der Medienpädagogik nachdenkt) eher auseinanderdriften als zusammen finden.

Gruß, Joachim

Kommentar von Ulf Blanke

29. März 2011 @ 19:50

Ich teile deine Vorschläge voll und ganz!

Kommentar von JoWe

31. März 2011 @ 09:15

@Ulf auf dein iPad-Projekt (wie auf inzwischen doch etlichen weiteren solcher Projekte) bin ich neideisch ;-) Habe hier vor Ort leider noch keine Fiinanzierungsmöglichkeit für sowas gefunden, arbeite aber dran …

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28. Juli 2011 @ 14:45

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20. November 2011 @ 21:48

[…] des Berliner Kongresses zusammen und bündelt sie in zentralen Forderungen. Ich hatte den Kongress skeptisch begleitet und sehe nun nicht, dass darin die Anregungen einer kritischen Teilnehmergruppe […]

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