quo vadis #kbom ?
Im Vorfeld des Kongresses Keine Bildung ohne Medien! in Berlin hatte ich mich hinsichtlich seiner Erfolgschancen ja eher skeptisch geäussert. Trotzdem wurde ich von Kerstin Mayrberger ermuntert, mich an der AG Schule mit einem Statement zu beteiligen, was ich denn auch getan habe. Von anfänglich zehn Minuten (eigentlich schon zu kurz) musste ich mich vor Ort dann mit sieben Minuten beschränken, was definitv zu wenig war, um eine Initiative vorzustellen und zu begründen, die sich von den anderen Präsentationen und Forderungen deutlich unterschied mit meinem Plädoyer für eine 1:1-Ausstattung an Grundschulen: Digitale Medien für Alle von Anfang an. Ich habe es deshalb drüben auf meiner Website in der Langfassung abgelegt.
Unterstützung gab es dafür ebenso wenig wie inhaltliche Nachfragen, aber abwehrende Kommentare mit der Warnung vor der Ausstattung zuerst und dem Verweis auf das Schicksal der Sprachlabore und dass es in der AG ja um Bildung gehe. Ich hoffe, mein Text macht deutlich, dass ich tatsächlich ein ganzheitliches Konzept vorschlage, dass Medienintegration als Schulentwicklungsprozess interpretiert. Insofern fand ich dann die drei zentralen Forderungen der AG enttäuschend:
- Kein Jugendlicher darf Schule ohne grundlegende Medienbildung verlassen. Das verlangt die verbindliche Verankerung in Prüfungen und Lehr- und Rahmenplänen in allen Fächern.
- Keine Lehrperson darf ihre Ausbildung ohne Kompetenz zur Medienbildung abschließen; zugleich muss die Entwicklung der Kompetenz zur Medienbildung ein verbindlicher Bestandteil der Fort- und Weiterbildung sein. Das erfordert die Formulierung von akkreditierungsrelevanten Bildungsstandards durch die KMK und die Aufnahme in das System der Aus-, Fort- und Weiterbildungen.
- Jede Schule muss ein fächer- und jahrgangsübergreifendes Medienbildungskonzept als Teil des Schulprogramms entwickeln und umsetzen. Das bedeutet die Verankerung im länderspezifischen Qualitätsrahmen als eigene Dimension.
Dominik Petko hatte in der AG Schule zurecht darauf hingewiesen, dass die Forderungen “adressatengerecht”, also mit sehr konkreten Aussagen, formuliert werden müssen, wenn sie politisch wirksam werden sollen. Wer würde diesen Forderungen nicht zustimmen; aber welche konkreten Aktionen sollen daraus folgen? Insofern stimme ich mit der Einschätzung einer Gruppe überein, die am zweiten Kongresstag sich spontan zusammen fand, eigene Forderungen entwickelte und nun versucht mit den Kongressorganisatoren mit einem offenen Brief ins Gespräch zu kommen. Besonders mit diesem Punkt fühle ich mich mit meiner Einschätzung bestätigt:
Die politische Zielrichtung des Kongresses hat einen Schritt zu schnell gemacht. Es gibt bisher keine Einigkeit, wie die Medienpädagogik agieren soll. So wurde der Kongress zum Diskussionsort auf Kosten der politischen Schlagkraft. Es entstand der Eindruck einer Zustandsbeschreibung, in den Referaten wurden zu wenig neue Ideen wahrgenommen, gesellschaftliche Impulse waren kaum bzw. nicht zu spüren.