Bücher, eBooks, iBooks …

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 22:23 am 22.01.2012

Es war schon mal erstaunlich, wie gleichlautend die etablierten Zeitschriften-Portale das Apple-Event letzten Donnerstag angekündigt hatten, als “Apple will/kann/wird das Schulbuch/den Schulbuchmarkt revolutionieren/neu erfinden” (zeit.de, stern.de, spiegel.de usw.). Nun hat Apple also drei neue Produkte vorgestellt: iBooks 2, iBooks Author und iTunes U, d.h. die Version 2 der iPad-App iBook mit lernspezifischen Erweiterungen, eine (kostenlose) Entwicklungsumgebung zur Erstellung digitaler Bücher und iTunes U als App mit dem Zugriff auf (kostenlose) Kurse vieler Bildungseinrichtungen. Hat sich mit Apples Produktvorstellungen tatsächlich etwas verändert?

Apps oder iBooks? Ich hatte schon zwei schöne eBooks auf dem iPad, nämlich Die Elemente von T. Gray und Our Choice von Al Gore, nur dass es sich dabei eigentlich nicht um eBooks handelt, sondern um Apps, also Programme, die mit entsprechenden Entwicklungstools erstellt wurden. Für iBooks 2 gibt es gratis Life on Earth von E.O. Wilson, um damit die Funktionalitäten zu demonstrieren, die mit den neuen eBook möglich werden, wie Bildergalerien, interaktive Diagramme, Notizen (übertragbar in Lernkarten). Die eBooks sind damit den o.g. Apps mindestens ebenbürtig, eher noch flexibler in der Nutzung.

Mit iBooks Author hat Apple zudem ein Entwicklungswerkzeug vorgestellt, das nach meinem ersten Eindruck den Autoren das Erstellen von eBooks deutlich erleichtert; es erinnert stark an das Layout-Programm Pages (ausführlich testen konnte ich iBooks Autor noch nicht; bin froh, es überhaupt auf meinem alten Rechner mit OS X 10.6.8 dank einer hilfreichen Anleitung zum Laufen gebracht zu haben). Das wird vermutlich ein echter Fortschritt gegenüber den bisherigen Werkzeugen sein - unsere eigenen Gehversuche u.a. mit Calibre, Sigel und InDesign waren doch eher mühsam. Soweit, so gut.

Interaktivität: eBooks sind immer noch Bücher. Ihre Interaktivität beschränkt sich nach wie vor auf die ersten drei Stufen der Interaktivität (nach Schulmeister, 2005), also Objekte betrachten und rezipieren, multiple Darstellungen betrachten und rezipieren sowie die Repräsentationsform variieren. Den Inhalt der Komponente beeinflussen, Objekte bzw. den Inhalt der Repräsentation konstruieren und Prozesse generieren sowie konstruktive und manipulierende Handlungen mit situationsabhängigen Rückmeldungen sind damit nicht möglich, was sich auf die realisierbaren Lehrformen auswirkt. Die iBooks unterstützen damit im Wesentlichen expositorische und erarbeitende Lernaktivitäten. Explorative und expressive (artikulative) Aktivitäten (nach Mellar et al., 1994). sind damit nicht möglich.

Fazit: Sicherlich sind iBooks eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber klassischen Lehrbüchern, aber dennoch perpetuieren sie klassische Vermittlungsformen und nutzen noch nicht das Potenzial handelnder Erfahrungen in realitätsnahen Lernumgebungen. Es bleibt also spannend, wie Lehrmittelverlage auf Apples Angebot reagieren, aber auch wie Lehrkräfte dessen neue Möglichkeiten nutzen. Ich warte aber mindestens so gespannt auf die ersten Ergebnisse des Projekts Technology Enhanced Textbook, bei dem die von mir genannten Mängel der iBooks im Fokus von Neuentwicklungen stehen.

Begriffswirrwarr: Top Tools for Learning

Abgelegt unter: Allgemein, Fachliches — JoWe um 19:28 am 20.01.2012

Der Themenschwerpunkt bei e-teaching.org lautet derzeit Tools, Tools, Tools … Wir verstehen dort darunter digitale Werkzeuge, mit denen sich E-Teaching/E-Learning planen, umsetzen und praktizieren lässt. Interessant in diesem Kontext auch: Seit einigen Jahren veröffentlicht Jane Hart, die das Portal C4LPT betreibt (ein Portal als resource site for the use of new technologies for working and learning), eine Liste der Top 100 Tools for Learning, aktuell die Liste für 2011. Die Liste entsteht jeweils aus den Top 10 einer Befragung von learning professionals worldwide (2011 mit n = 531) über die C4LPT-Website. Die Befragten sollten natürlich wissen, was von Jane Hart unter “learning tool” verstanden wird, also:

What is a “learning tool”? This could be a tool you use to create or deliver learning content/solutions for others, or a tool you use for your own personal learning.

Eigentlich wie bei e-teaching.org. Hier die aktuellen Top 30:

<kursiv: Platzierung | 2010 | 2009 | 2008 | 2007, F = free, P = paid for, D = download, O = online>

  1. Twitter - micro-sharing site   |  1 |  1 | 11 | 43=    F O
  2. YouTube - video-sharing tool | 2 |  3 | 18 | 22=   F O
  3. Google Docs – collaboration suite (incl Google Forms) |  3 | 5 | 7 | 14    F O
  4. Skype - instant messaging/VoIP tool  |  6 |  11= | 4 | 3=    F/P D
  5. WordPress - blogging tool  | 8 | 6 | 5 | 6=6=    F O/D
  6. Dropbox - file synching software   | 13 | 71= | – | -   F/P O/D
  7. Prezi - presentation software  | 12 | 28 |  - |  -   F O
  8. Moodle - course management system  |  10 | 14= | 9 | 12=    F/D
  9. Slideshare - presentation sharing site  | 5 | 7 | 20 | 31   F O
  10. (Edu)Glogster - interactive poster tool  | 25 | 55= | – | -  F O
  11. Wikipedia - collaborative encyclopaedia  | 16 | 17 | 13 | 26=  F O
  12. Blogger/Blogspot - blogging tool  | 14 | 14= | 10 | 9  F O
  13. diigo - social annotation tool  | 15 | 22= | 35= | 72=  F O
  14. Facebook - social network   | 9 | 31= |  24 | 17=  F O
  15. Google Search - search engine  | 11 | 8 | 6 | 3  F O
  16. Google Reader - RSS reader   | 7 | 4 | 3 | 7=  F O
  17. Evernote - note-taking tool  | 23 | 27 | – | 16=  F D
  18. Jing - screen capture tool   | 17 | 20 | 26= | -  F D
  19. PowerPoint - presentation software  |  21 | 13 | 8 | 5  P D
  20. Gmail - web-based email service   | 31 | 21 | 14 | 7=  F O
  21. LinkedIn - prof social network  | 30 | 38= | 30= | 31=   F O
  22. Edmodo - edu social networking site  | 46 | 88 | – | -   F O
  23. Wikispaces - wiki tool  | 17 | 29 | 19 | 15   F/P O
  24. Delicious - social bookmarking tool  |  4 | 2 | 1 | 2  F O
  25. Voicethread - collaborative slideshows  | 19 | 19 | 23 | –   F/P O
  26. Google+ - social network  - F O   Highest placed new tool
  27. Animoto - videos from images  | 28 | 31= |  - |  -  F O
  28. Camtasia- screencasting tool   |  27 | 26 | 26= | 50=  P D
  29. Audacity  - sound editor/recorder  | 24 | 9= | 12 | 11  F D
  30. TED Talks - inspirational videos   F O  New

Wenn ich mir die Liste(n) so ansehe, komme ich inzwischen doch sehr ins Grübeln, ob ich wirklich alle genannten Tools als Lernwerkzeuge ansehen soll. Klar, mit etlichen arbeite ich selber auch und kann sie Lernenden für ihre eigene Arbeit durchaus empfehlen. Aber sind es deshalb schon Lernwerkzeuge? Ist Skype ein Lerntool, ist Dropbox ein Lerntool? Spezifisch für den Bildungsbereich entwickelt (von den obigen 30) wurden eigentlich nur Moodle, Glogster EDU und Edmodo.

Mit didaktischer Phantasie kann natürlich fast jedes Werkzeug sinnvoll in Lehr-/Lernkontexten genutzt werden. Aber eine Eingrenzung auf lehr-/lernspezifische Funktionalitäten macht Sinn und erleichtert den Praktikern den Einstieg. Dafür sind dann das Portal Learners´ Garden (MediaLab/AG Nordmeier, Didaktik der Physik an der FU Berlin) oder die Tool-Datenbank (des Learning Lab am Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement der Universität Duisburg-Essen) zu empfehlen.

Gastbeitrag Prof. Hisgen … Chancen & Risiken (Glosse 33)

Abgelegt unter: Glosse — JoWe um 18:38 am 11.01.2012

Auf dem weihnachtlichen Gabentisch hat Prof. Hisgen (hier bekannt durch seinen Briefwechsel mit Kollegin K. Latsch) ein Statistik-Buch gefunden, dass er sofort gründlich durchgearbeitet hat: Was wir tun, wenn der Aufzug nicht kommt. Die Welt in überwiegend lustigen Grafiken. Nun reifen bei ihm Pläne, selber mit Grafiken an die Öffentlichkeit zu gehen:

Werte Kollegin Latsch,

wie Sie bei unserer langjährigen Zusammenarbeit ja mitbekommen haben, bin ich ein Fan der deskriptiven Statistik, hilft sie doch, insbesondere mit einsichtigen Grafiken, aus drögen Zahlen überraschende Einsichten zu gewinnen. Der neue Band von Berlin & Grünlich (2012) hat das Zeug, in dieser Hinsicht ein Standardwerk zu werden. Da sollten Sie unbedingt mal reinschauen.

Wie Sie sich nun wahrscheinlich schon gedacht haben, bin ich dabei, auch in unserem Themenfeld mit solchen Grafiken unbekannte Sachverhalte zu illustrieren. Ich füge ein Beispiel bei, das für sich sprechen sollte. Es geht um die Chancen & Risiken, die von unterschiedlichen Akteuren mit den digitalen Medien in der Bildung verbunden werden:

Weitere Grafiken sind in Arbeit - und wenn Sie daran interessiert sind, kann ich Sie Ihnen gerne bei Gelegenheit zukommen lassen.

beschäftigte Grüße, Ihr Prof. Hisgen