#opco12: MOOC? COOL!
Nun ist der OpenCourse 2012 nach 14 Wochen auch schon wieder vorüber. Letzten Freitag fand er für ca. 50 Interessierte den Abschluss mit einer Tagung in der angenehmen Atmosphäre des Gästehauses der Universität Frankfurt. Neben einer Einordnung des opco12 in die “MOOC-Bewegung” (Folien dazu von mir und Claudia) und ersten Zahlen aus den Umfragen und Logdaten (Folien von Simone, Markus & David) gab es Vorträge von Johannes Moskaliuk (Folien) und Volkmar Langer (Folien), die die Veränderungen klassischer Lehrformate durch offene Kurse problematisierten.
Derzeit laufen natürlich noch weitere Auswertungen; eine abschließende Bewertung des Kurses ist daher sicher noch zu früh. Ich möchte deshalb hier nur drei subjektive Aspekte ansprechen:
In meinem einleitenden Tagungsbeitrag habe ich die Klassifikation der MOOCs von Rodriguez aufgegriffen, der das AI-Format (also MOOCs nach dem Muster des berühmten Kurses Introduction to Artificial Intelligence von Thrun & Norvig; inzwischen 11 entsprechende Kurse bei udacity) von c-MOOCs unterscheidet (also konnektivistische MOOCs nach dem Vorbild des Kurses CCK08 von Downes & Siemens). John S.F. Mak (via V. Langer) hat das noch weiter differenziert in instruktivistischer Ansatz (vgl. AI-Kurs), kognitivistischer Ansatz (Beispiel eduMOOC), konstruktivistischer Ansatz (Beispiel mobiMOOC), sozial-konstruktivistischer Ansatz (wer kennt dazu ein typisches Beispiel?) und konnektivistischer Ansatz (Beispiel Change11). Darauf habe ich verzichtet und neben c-MOOCs und AI-Format nur noch Blended MOOCs unterschieden (vgl. Moskaliuks ocwl11).
Auch wenn es Stephen Downes (zurecht) gegen den Strich geht, massive OOCs werden mittlerweile eher mit dem AI-Format assoziiert. Für mich ist die TN-Zahl auch nicht das entscheidende Merkmal; insofern überlege ich ernsthaft Downes & Siemens vorzuschlagen, das Akronym MOOC den Machern der Kurse im AI-Format zu überlassen und ein neues Akronym zu verwenden:
COOL Cooperative Open Online Learning
Vermutlich werden sie es dann eher als Connectivist Open Online Learning interpretieren. Für mich benennt aber das C = Cooperative eher das entscheidende Merkmal dieser Kursform, nämlich die (zeitlich beschränkte) Zusammenarbeit der TN mit dem Ziel, von- und miteinander zu lernen. Das hat m.E. auch den OpenCourse 2012 charakterisiert.
Zur Einschätzung von Claudia, der opco12 habe eine “andere Atmosphäre”, weniger Teilnehmeraktivität und weniger neue Formate gehabt, also “die Rucksacktouristen sind diesmal nicht mehr dabei, die sind schon woanders”: Da stellt sich natürlich die Frage (wie sie von Astrid Christofori per Tweet auch prompt gestellt wurde),
wo diese denn geblieben sind. Wenn wir das C in MOOC als Kurs interpretieren und nicht als Community, dann ist es sowieso wenig verwunderlich (und eigentlich erfreulich), dass wir einen weitgehend neuen TN-Kreis angesprochen haben, ist doch das diesjährige Thema der Trends nicht sooo weit entfernt vom letztjährigen Thema Zukunft des Lernens.
Wenn ich recht erinnere, wurde beim opco11 auch viel über das Kursformat selber diskutiert/gebloggt. Das war dieses Jahr nicht mehr der Fall und die Beiträge konzentrierten sich eher auf die Inhalte der Themenblöcke. Ich unterstelle einmal, dass dies nicht nur den Badges (Blogging for Badges) geschuldet ist, sondern auch dem Interesse an den Themen. Bei den Wünschen an zukünftige opcos kam auch der Vorschlag, andere Inhaltsbereiche in MOOCs zu behandeln, um wegzukommen von den selbstreferentiellen e-Learning-Themen, die die bisherigen c-MOOCs dominierten. Ich fände es ja spannend mal eine thematisch fokussierte virtuelle Ringvorlesung als Studium Generale anzubieten. Das wäre dann eben kein e-Learning-Thema mehr und könnte eine große Adressatenschaft ansprechen.
Ich selber habe nun erstmal vor, meine Programmierkenntnisse zu vertiefen und werde wohl bei der Codecademy einsteigen. Ich bin gespannt …
