MOOCs als Campus Innovation?
Vor einigen Tagen habe ich meine Tagungsabstinenz unterbrochen. Der Einladung zur 10. Campus Innovation, gleichzeitig dem 10. Geburtstag des MMKH bin ich gerne gefolgt, kenne ich doch die Veranstaltung und ihre Organisatoren seit den Anfängen. Es ist durchaus ein Zeichen der Konsolidierung, dass inzwischen einige E-Learning-Einrichtungen auf diese “Lebensspanne” zurück blicken können (2013 wird sich auch e-teaching.org einreihen können). Ich habe bei der Tagung den Track eLearning besucht, mit den Themenschwer-punkten Zukunftstrends im eLearning, Lebenslanges Lernen und Weiterbildung sowie Rechtliche Aspekte. Es waren (fast) durchgängig für mich interessante Beiträge; sogar die rechtlichen Aspekte, durch für Nicht-Juristen verständliche Vorträge. Im Einzelnen brauche ich darauf nicht eingehen, denn die Folien und Aufzeichnungen sind inzwischen auf der CI-Website bereit gestellt.
Hier möchte ich kurz die Diskussion aufgreifen nach unserem eigenen Beitrag MOOCs – kurzfristiger Trend oder nachhaltiges Lehr-/Lernszenario? Das Beispiel OPCO 2012, den Claudia Bremer und ich stellvertretend für das opco12-Team vorstellen konnten:
Der opco12 (wie auch der opco11) wird von uns als cMOOC (vgl. Folien 7, 9, 12) verortet. Ich persönlich sehe dabei das c (connectivist) nicht als theoretische Verortung, denn der Konnektivismus ist für mich keine Lerntheorie (wie es G. Siemens zumindest an einigen Stellen postuliert), wohl aber ein Modell der partizipativen Organisation des Lernens, also wie in einer (temporären) Community mit- und voneinander gelernt werden kann. Auch wenn S. Downes auf meinen Vorschlag nicht reagiert hat, finde ich deshalb COOL (Cooperative Open Online Learning) eigentlich als das passendere Akronym bzw. Charakterisierung solcher Angebote. Denn diese Kurse (mit den typischen Aktivitätsmustern Orientieren, Ordnen, Beitragen und Teilen) richten sich an TN mit hoher intrinsischer Motivation, Selbstlern-kompetenzen und - aufgrund der reinen Online-Form - auch Medienkompetenz, speziell der Nutzung Sozialer Medien.
Die cMOOCs sind m.E. eine eigenständige Veranstaltungsform (mit ihrem diskursivem Anspruch vielleicht noch am ehesten an der Veranstaltungsform Seminar orientiert), die ihre Eignung in unterschiedlichen Anwendungskontexten erst noch erweisen muss, denn allzu viele (gar übertragbare) Erfahrungen liegen einfach noch nicht vor. Zu neu und experimentell sind die bisherigen Beispiele sowohl für Lehrende wie Lernende. Zumindest im Hochschulbereich bin ich durchaus skeptisch, ob sie verstärkt für die Weiterbildung genutzt werden, ist doch die Weiterbildung nicht unbedingt eine bisher mit Elan angegangene Aufgabe der Hochschulen und wenn, dann eher als Geschäftsmodell betrieben.
Wie fast immer wenn opco11 und opco12 vorgestellt werden, kam die Anmerkung, dass das “Flair” des opco11 beim opco12 einer gewissen “Normalität” gewichen sei, diesmal in der Diskussion von Jasmin Hamadeh angesprochen. Auch Claudia geht in ihrer Nachlese auf diesen Punkt eingangs ein. Wenn man allerdings das C in MOOC nicht als Community interpretiert, halte ich das nicht für verwunderlich. Es sollte eben nicht (nur) ein Angebot der gleichen Organisatoren für die gleichen Adressaten sein, sondern ein inhaltliches Angebot an alle Interessierten in einer etwas modifizierten organisatorischen Form. Meine Anregungen zum opco12 zielten durchaus auf ein eher strukturiertes Angebot (2-Wochen-Rhythmus, Zusammenfassungen) bei gleichzeitig offenen Beteiligungsmöglichkeiten. Auch die Blogbeiträge werte ich dabei nicht als “Blogging for Badges”. Ich bin natürlich gespannt, ob die weitere Auswertung unserer Erhebungsdaten hilft, auch in diesem Punkt Genaueres über unseren eigenen Kurs zu lernen.
Es war Rolf Schulmeister, der abschließend als Keynoter (warum nennen sie das bei der Campus Innovation nicht gleich passend Schulmeister-Lecture?) die MOOCs nochmal thematisierte. Als undercover student hat er sich einige MOOCs vorgenommen, genauer einige xMOOCs (vgl. Folie 9). Seiner Kritik, dass diese Angebote nicht den selbst postulierten Ansprüchen gerecht werden, kann ich nur zustimmen. So bemängelt er mangelnde Betreuung, fehlende didaktische Konzepte und der Bildungszugang in Dritteweltländern wird durch sie (bisher) auch nicht verbessert. Aber auch diese Kurse sind bisher erste experimentelle, und damit verbesserungsfähige Angebote. Einen großen Vorteil sehe ich jedenfalls in der Offenheit der Kurse, die es Rolf erlaubte, so genau hinzusehen. Bei Lehrenden in Liveveranstaltungen wäre es eher verpönt, sich (ungefragt) dem Urteil des Hochschul-didaktikers auszusetzen.
So wäre doch eine Liste der MOOCs denkbar mit “Kundenrezensionen”, wie wir es von Amazon u.a. kennen. Das würde es Interessenten deutlich erleichtern, die Eignung für die eigenen Ziele, gemessen an den eigenen Vorkenntnissen, Zeitbudget usw. zu beurteilen. Oder gibt es sowas sogar schon irgendwo?