Evolutionsbiologie im Video

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 16:44 am 20.08.2010

Das Darwin-Jahr ist zwar vorbei, aber immer noch geistern populäre Irrtümer zum Thema Evolution durch Presse, Bücher und das Internet. Umso verdienstvoller, dass sich der AK Evolutionsbiologie im VBIO daran gemacht hat, eine Serie wissenschaftlich fundierter  Lehr-Videos zu konzipieren (Federführung Prof. Ulrich Kutschera): Das Thema “Evolution” ist auf YouTube praktisch vollständig von laienhaften Darstellungen fundamentalistischer Christen besetzt, die über inhaltsleere, aber professionell hergestellte Filme die Biowissenschaften als Ganzes diskreditieren. Die Videos sind speziell für den Biologie-Unterricht an Schulen konzipiert, können aber gut zum Auffrischen des eigenen Wissens angeschaut werden.

Im entsprechenden (zum Abonnement empfohlenen!) YouTube-Kanal gibt es bisher drei Videos; die Serie soll fortgesetzt werden. Infos dazu gibt es auf einer eigenen Website der Evolutionsbiologen.

Video 1: Was ist Evolution?

Video 2: Was ist Kreationismus?
Video 3: Was ist Intelligentes Design?

Antennagate

Abgelegt unter: Allgemein, Glosse — JoWe um 18:03 am 24.07.2010

Mit dem aktuellen Antennenproblem des iPhone 4 sorgt Apple für einige Aufregung. Kein Wunder, dass es auch etliche witzige Kommentare - sogar Videos - provoziert hat. Mit am besten hat mir der Bezug zu Apples legendärer Werbe-Kampagne “Think Different.” (1997) gefallen …

(Bildnachweis: links Wikipedia, rechts Originalquellen über macwelt.de nicht nachvollziehbar)

von Pixar lernen

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 11:39 am 30.06.2010

Als bekennender Fan von Animationsfilmen freue ich mich schon auf den neuen Film von Pixar, der jetzt auch bei uns anläuft: Toy Story 3. Pixar bringt in schöner Regelmäßigkeit, nämlich fast jedes Jahr, einen Computer-Animationsfilm heraus, beginnend 1995 mit Toy Story. Sogar im Feuilleton meiner Tageszeitung wird die mit vielen Oscars gewürdigte Gesamtleistung von Pixar hervorgehoben.

Der Autor weist auf einen Umstand hin, der auch für unseren Themenbereich E-Learning/E-Teaching zentral sein sollte, nämlich, dass die Computertechnik nie zum Selbstzweck werden sollte. Zwar setzt Pixar - häufig als Pionier und Innovator - neueste High-End-Technik ein, so seit dem Film Up auch 3D-Technik; aber im Mittelpunkt stehen originelle Geschichten und Charaktere. Genau das können wir von Pixar lernen:

Es spricht nichts dagegen (auch neueste) digitale Werkzeuge und Techniken in der Lehre einzusetzen, wenn diese sich erfolgreich für die eigentlichen Ziele des Lehrangebots instrumentalisieren lassen - aber eben auch nur dann. So können kleine Perlen - Referenz-beispiele - entstehen, wie sie u.a. im Online-Podium bei e-teaching.org vorgestellt wurden, wo es darum ging, die klassische Form der Vorlesung mit Hilfe digitaler Medien methodisch umzugestalten.

Steuer gegen Armut

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 09:35 am 31.05.2010

wie heisst es in dem Video: Es ist wahnsinnig kompliziert. Schon, aber im Ansatz ist die Steuer gegen Armut (genauer die Finanztransaktionssteuer) richtig und notwendig und das Video macht das auf unaufdringliche Art deutlich …

Was will die Generation Internet wirklich?

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 12:31 am 26.04.2010

Das ist die Leitfrage des Stuttgarter Medienkongress, der Lösungen für den Umgang mit der Zielgruppe 14-29 Jahre liefern soll, nämlich den Medienmix für die Digital Natives. Abgesehen davon, dass der Kampf gegen gedankenlosen Gebrauch der Begriffe Generation Internet oder Digital Natives offensichtlich einer gegen Windmühlen ist, ist das Irritierende, dass die Vertreter dieser Zielgruppe selber bei dem Kongress wohl kaum vertreten sein werden. Für die ist schon die Tagungsgebühr von 125,00 € eine Zugangsbarriere und auch im Programm sind sie nicht direkt vertreten. Das wird bestritten von Top-Referenten aus der Medienbranche (unter der Schirmherrschaft von Medienminister Rau - genau: bis vor kurzem Kultusminister in Baden-Württemberg). Die sollen Antworten liefern auf die entscheidene Frage, was die Generation Internet wirklich will.

Besetzung und Programm stehen für mich in Gegensatz zu anderen Foren, über die ich mich bisher diesem Themenkomplex genähert habe, wie etwa die EduCamps. Aber das liegt sicher mit daran, dass  es hier ja auch um neue Geschäftsmodelle und zukunftsstarke Strategien der Medienbranche gehen soll, nämlich um Veränderungen der Nutzungsgewohnheiten in Bezug auf den Medienkonsum und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Märkte. Womit also der Kongress eine neue Plattform für die Medienschaffenden bieten und Stuttgart dabei als Standort starker Medienunternehmen ins Bewusstsein gebracht werden soll. Na, mal sehen, ob ich den Kongress auch von Außen etwas begleiten kann; es gibt RSS-Feed, Twitter und eine XING-Gruppe.

A/V-Boom?

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 12:22 am 09.04.2010

Nach einigen Tagen Urlaub steht das Aufarbeiten der aufgelaufenen Informationen an. Tweets nachlesen geht schon mal gar nicht; es sind einfach zu viele. Bei RSS-Feeds wirds auch mühsam. Was mir aufgefallen ist (auch wenn ich dazu keine Strichliste angelegt habe): Es gibt immer mehr Audio- und Videobeiträge, auf die per Tweet verwiesen wird oder die direkt in den Blogs angeboten werden. Ich habe damit ein Problem.

Nach jahrelanger Praxis kann ich schriftliche Dokumente relativ schnell überfliegen, auf Relevanz für mich überprüfen, Argumentationsstränge nachvollziehen und bei Bedarf Passagen exzerpieren oder speichern. Bei den Audio- und Video-Beiträgen kann ich das nicht. Da bin ich gezwungen, alles von vorne bis hinten anzuhören/anzusehen; wenns wirklich wichtige Passagen sind womöglich mitschreiben. Für mich widerspricht das dem schnellen Medium. Gut, bei YouTube kann ich im Prinzip durchscrollen, dann aber nur am Bild orientiert. Bei den Webaudios gibt es i.d.R. keinen schnellen Vorlauf mit Ton - obwohl ich mich erinnere, dass auf der DeLFI 2006 eine Studie vorgestellt wurde, dass bei bis zu dreifacher Ablaufgeschwindigkeit der Sinngehalt noch erfassbar sei.

Aber letztlich ist es eben eine Form der linearen Rezeption in Echtzeit (die ich meistens nicht habe bzw. aufwenden kann und will). Da hilft es dann auch wenig, wenn z.B. der geschätzte Herr Larbig bei seinem neuesten Audiobeitrag anmerkt, dass auf jeden Fall die letzten 2:30 (von insgesamt 17) Minuten wirklich angehört werden sollten.

Sammelsurium von der didacta 2010

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 13:31 am 18.03.2010

Wegen einiger konkreter Kooperationsgespräche war ich zu Kurzbesuch auf der Didacta 2010 in Köln. Zur Messe als solches deshalb nur ein paar Impressionen (Ergänzendes bei e-teaching.org, bei Gabi und Tamara). Es ist nach wie vor primär eine LehrerInnenmesse; die  erfahrenen Jäger und Sammler sind zu erkennen an ihren großen Transportbehältern (Rollkoffern oder XXL-Tragetaschen, mit denen Prospekte, Einkäufe (mit Messerabatt) und Give Aways kiloweise fortgeschafft werden.

Selber eigentlich fixiert auf medientechnische Neuheiten, fielen mir (vielleicht gerade deshalb?) etliche ganz klassische Medienangebote ins Auge, wie der Knochenkarle oder (inzwischen auch hochtechnisierte) Ausbildungsplätze für die betriebliche Ausbildung.

E-Learning war auf der Messe keineswegs dominant, sondern eher randständig.Immerhin gab es eine (überschaubare) Sonderfläche eLearning dem eine Ausgabe des eLearning Journals gewidmet war und ein Forum eLearning, das allerdings bei meinen Stippvisiten (und wohl auch sonst) schlecht besucht war.

Auffällig allerdings die Allgegenwart der interaktiven Whiteboards - sowohl durch die  Anbieter, aber auch als Präsentationsmedium bei klassischen Anbietern. Ob Touchscreens (wie wir sie von Smartphones inzwischen kennen), gezeigt von Focus,  schon die nächste Generation der Whiteboards darstellen, weiß ich nicht, immerhin ersparen sie den Beamer und bieten brillante Bilder. Am Stand unseres Ex-Kollegen Christian Kohls (nun bei Smart Technologies) brummte es jedenfalls. Dort fand sich auch der erste Multitouch-Tisch für Schulen. Ein schönes Spielzeug. Legamaster verkündete jedenfalls gleich das Ende der Kreidezeit … aber da scheint sich wirklich etwas durchzusetzen.

Nachtrag: Aus meinen Mitbringseln gefischt habe ich von Schulen ans Netz den Themendienst 01/2010: Informationsflut oder -vielfalt? Die Schirrmacher-Debatte. Darin werden Schirrmachers zentrale Thesen (aus seinem Buch Payback) herausgegriffen und auf Stichhaltigkeit überprüft. Schön, dass so zeitnah eine qualifizierte und verständliche Darstellung vorgelegt wird. Lesenswert!

meine Edubloggersphäre

Abgelegt unter: Allgemein, Visualisierung — JoWe um 18:33 am 16.03.2010

In seinem Artikel zur Kommentarkultur hat Rolf Schulmeister auch die Verlinkungen der von ihm untersuchten Edublogger laut ihrer Bloggroll visualisiert. Mit einem Tool wie pajek lassen sich umfangreichere Darstellungen halb automatisch erstellen; etliche Handarbeit ist allerdings notwendig (Dank an Iassen und Nina, die mir die notwendigen Handgriffe gezeigt haben). Keine Ahnung ob es mit anderen Tools evtl. leichter geht.Jedenfalls habe ich mal, ausgehend von meiner eigenen Blogroll (gelb), meine verlinkten Kollegen (rot) und deren Blogroll (türkis) zusammen gestellt. Auch diese Grafik zeigt, dass die von Rolf Schulmeister ausgewählten Edulogger gut untereinander vernetzt sind, dass es aber einige darunter gibt, die die Verbindung “nach außen” herstellen (wie Spannagel, Kerres, Robes oder Neuhaus), also zu Personen ohne direkte Verbindung zum “Kern”. Nun wiederum deren Blogrolls abzufragen und einzubauen, fehlte mir die Zeit. Vielleicht gäbe es dann durchaus wieder Rückverlinkungen, vor allem aber wohl einen neuen äußeren Kranz.

Um an Schulmeister anzuknüpfen wäre es sicher interessanter, in ähnlicher Weise die Kommentatoren zu visualisieren; oder auch die Follower/Followees bei Twitter. Das ist mir allerdings einfach ein bisschen zu zeitaufwändig. Vermutlich gibt es auch Tools, um so etwas automatisch zu extrahieren. Wenn sich jemand damit auskennt, hätte ich Lust daran weiter zu werkeln … also ruhig melden!

EduCamp 2010 Hamburg

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 17:08 am 09.02.2010

Das war es also schon, mein erstes EduCamp. Allein schon, wie schnell die Zeit verging, die Dichte der Sessions und der Gespräche dazwischen sind für mich ein  gutes Zeichen. Auch wenn nicht alle der jeweils 200 angemeldeten Personen erschienen, gab es eine Fülle (eigentlich Überfülle) an Sessions, die nur mit Mühe in dem engen Zeitplan und den zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten unterzubringen waren.

Die Vorstellungsrunde zu Anfang, erfreulich diszipliniert mit Beschränkung auf Namensnennung, Herkunft und drei Tags, machte schon die Bandbreite an fachlichen und beruflichen Hintergründen deutlich, die die Teilnehmerinnen mitbrachten. Obwohl die Tags nicht immer leicht zu entschlüsseln waren (manche sachlich, manche bewusst ironisierend?) … deshalb hier meine eigenen nochmals mit Kurzerklärung:

  • Mediendidaktik (weil ich mich nicht als Medienpädagoge verstehe)
  • Bastler (weil ich gerne Dinge konkret ausprobiere und Spass an den dabei entstehenden Produkten habe)
  • Silver Surfer oder Edupunk? (ironisierend, weil ich solche Zuordnungen eigentlich daneben finde)

Schön auch, dass ich etlichen meiner bisher nur virtuellen Kontakte erstmals die Hand schütteln konnte. Zweimal während des EduCamps war ich selber aktiv, was ich aber noch nicht aufgearbeitet habe; deswegen dazu hoffentlich später mehr. Insgesamt hatte ich das Gefühl von Session zu Session zu hetzen (weil alle doch die volle Zeit ausnutzten), weshalb ich mir bewusste Auszeiten genommen habe, um die f2f-Kontakte zu pflegen - da habe ich bei normalen Konferenzen schon mehr geplante Freiräume erlebt. Um den Vergleich mit den mir bekannten traditionellen Konferenzformaten auszuweiten: Ich fand die Organisation ziemlich perfekt. Mit viel Improvisationsgeschick wurden die Räume auch den rasch wechselnden Bedürfnissen angepasst; von Lernräumen, in die Technik organisch integriert ist, waren wir allerdings noch weit entfernt (was wirklich kein Vorwurf an die Veranstalter ist, aber zeigt, dass selbst an einer Hochschule sowas normalerweise noch nicht zu haben ist).

Während sonst Tagungsbände die Hauptquelle der Information für weitere Interessierte sind, gibt es vom EduCamp die Unterlagen, die überwiegend im Wiki zugänglich sind und inzwischen eine Fülle von Blogeinträgen, die die Erfahrungen reflektieren. Was ich noch vermisse, sind mehr konkrete Unterlagen (so wie z.B. die Folien zur Heuschreckenbasierten Bildungsrevolution) oder gar Zusammenfassungen von Diskussionsergebnissen. Aber vielleicht kommt das ja noch; ich fühle mich da durchaus selber in der Pflicht.

Ein echter Aufreger vor, während und nach dem EduCamp war die Podiumsdiskussion (Aufzeichnung ansehen!), nämlich ob es denn überhaupt eine geeignete Form im Rahmen des EduCamps sei. Meine Perspektive ist zunächst ein wenig anders und ich nehme mal die klassischen Podien als Maßstab; abschreckendes Beispiel wäre das der letzten GMW-Tagung in Berlin. Dagegen fand ich dann die gewählte Form mit der Fishbowl durchaus gelungen - die Eingangsstatements waren erfreulich knapp und über den wechselnd besetzten “leeren Stuhl” kamen etliche Diskutanten aus dem Publikum zu Wort. Vor allem aber gab es im Vorfeld von Rolf  Schulmeister, Lisa Rosa und Benjamin Jörissen bereits Statements zum Thema. Gebe zu, die waren für mich erhellender als die Statements vor Ort.

Natürlich konnte bei dieser Diskussion kaum von eindeutigen gemeinsamen Begriffen ausgegangen oder darüber Einigkeit herbei geführt werden (insbesondere Bildung, Bildungsraum, Lernen). Ich möchte die Diskussionsdetails hier gar nicht nachzeichnen; die bisherigen Kommentare geben da schon ein ganz gutes Bild. Aber es ging ja nicht nur um Begriffe, sondern um Grundhaltungen. Da wird deutlich differenziert zwischen den Experten und den EduCampern (das sind nach Jean-Pol Martin wohl nur die “Leute, die leben in dieser Welt”). Diskussion auf “Augenhöhe” stelle ich mir anders vor. Gerade der Austausch trotz unterschiedlicher Sicht-, Arbeits- und Lebensweisen sollte doch ermöglicht werden. Ich möchte mich weder bei “uns / bottom-up” oder “die / top-down” verorten lassen.

Sowieso seltsam, warum dieser eine Tagungsbestandteil so in den Vordergrund rückt. Ansonsten sind nämlich die meisten Kommentare zum EduCamp ziemlich positiv, und zwar nicht nur was die Organisation, sondern auch - was ja nun das Wichtigste ist - was den inhaltlichen Ertrag betrifft. Auch ich bin mit vielen Anregungen zurück gekommen und habe eigentlich vor, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Also mein Dank ans Orga-Team und gleiches Engagement den Nachfolgern!

herzlichen Dank für das Gespräch!

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 16:10 am 13.01.2010

Angefangen hat Anja Assion (ist schon zwei Monate her) mit einem Interview mit einer “Digital Native” und dann haben sich ein paar gedacht, das kann man per Selbstgespräch eigentlich fortführen, so Felix, DonDahlmann, Sven, Tim, Christian und vor kurzem auch Helge. Die Fragen haben sich dabei z.T. leicht geändert, und so dachte ich, als Silver Surfer mach ich das jetzt einfach auch mal …

Joachim, zur Generation der Digital Natives kannst du dich schwerlich zählen. Sagt dir der Begriff trotzdem etwas?

Generationszuordnungen finde ich prinzipiell problematisch. Ich bin ja auch kein Alt-68er, nur weil ich damals studiert habe. Ich fand Prensky’s Begriff von Anfang an daneben, vor allem seine Behauptung, dass intensive Erfahrungen mit digitalen Medien zu unterschiedlichen Hirnstrukturen führen sollen. Rolf Schulmeister hat das (inzwischen in der 3. Version) alles sauber zerpflückt und deutlich gemacht, dass dadurch nur Diversität zugekleistert wird und wir damit einer Mehrheit von Schülern und Studierenden nicht gerecht werden.

Du bist 63 Jahre alt und hast natürlich auch einen eigenen Computer. Seit wann besitzt du ihn und musst nicht mehr den Familien-PC benutzen?

Also bei uns war mein privater Rechner immer auch der Familien-PC. Den ersten habe ich 1980 gekauft. Das war der KISS, ein CP/M-Rechner, Vorläufer des Alphatronic PC von Triumph-Adler; dafür gab es eine bereits erstaunlich leistungsfähige Textverarbeitung. So alle zwei bis drei Jahre verkaufte ich den Rechner und ersetzte ihn durch ein neueres Modell, bis ich 1994 meinen ersten privaten Mac hatte, der dann Grundstock für mein kleines Museum mit inzwischen 12 Apple-Rechnern bildete.  So habe ich alle Phasen und Varianten der PC- und Internet-Entwicklung hautnah miterlebt. Entsprechend viele unterschiedliche Betriebssystem (Versionen) - manche parallel im Betrieb - erschwerten den Alltag. So viele nutzlos gewordene Technikkenntnisse und Fertigkeiten! Jede Tastatur war ja anders ausgelegt, aber das hielt uns flexibel. Das Programmieren - noch heute ein Hobby von mir - hatte ich übrigens auf Großrechnern (der Telefunken TR 440) und Minicomputern (der legendären PDP-11) gelernt. So viele Programme, die nirgends mehr zum Laufen zu bringen sind …

Wo bewegst du dich denn im Internet? Hast du eine eigene Homepage bzw. einen Blog?

Seltsame Frage. Im ultimativen Hypermedium, wie es das Web darstellt, bewege ich mich ja nicht in abgegrenzten Räumen. Klar gibt es interessenbedingt erste Anlaufstellen, aber ich freue mich nach wie vor, wenn es mich über etliche Verlinkungen wieder mal zu überraschend spannenden neuen Informationsquellen verschlägt.

Eine eigene Homepage hatte ich anfangs über das Institut, an dem ich arbeite; seit einigen Jahren auch eine private.  Als ich Anfang der 90er meine erste Webseite mit Passbildchen dekorierte kam der Kollegenkommentar “wie kann man sich nur so exhibitionieren …”. Was die damaligen KollegInnen wohl heute zu Blog und Twitter-Tweets von mir sagen würden? Aber wer sich wie ich beruflich mit E-Teaching und E-Learning beschäftigt, muss mit den Tools und Arbeitsweisen einfach auch persönliche Erfahrungen sammeln und sich in entsprechenden Communities bewegen. Ich wundere mich eher, wie wenige meiner KollegInnen das auch machen.

Und wie schaut bei dir ein normaler Tag – in Bezug auf das Internet – aus?

Am Arbeitsplatz ist der Rechner den ganzen Tag an. Morgens werden erstmal die E-Mails gecheckt, die RSS-Feeds (ein Segen!) überflogen und auch in Twitter rein geschaut. Ansonsten versuche ich das auf zwei, drei Mal am Tag zu beschränken, denn zugegebenermaßen hat das einen gewissen Ablenkungscharakter. Während konzentriertem Lesen und Schreiben ist der Rechner deshalb immer im Ruhezustand.

Welche Rolle spielt das Internet bei der Arbeit?

Ohne läuft nix, denn wie gesagt ich befasse mich damit ja auch beruflich.

Beaufsichtigst du deine Kinder, wenn sie im Internet sind? Und hast du deine Kinder über „richtiges Verhalten” im Internet geredet?

Meine sind volljährig und verhalten sich - soweit ich das beurteilen kann - ziemlich vernünftig im Internet. Liegt sicher mit daran, dass auch sie beruflich bzw. studienbedingt intensiv damit zu tun haben. Sie sind in einem Haushalt aufgewachsen, in dem der Zugang zu Rechnern und Internet von Anfang an selbstverständlich war. Wir haben das nicht speziell gefördert und Medienkompetenz nicht zum Erziehungsziel erklärt, wohl aber so etwas wie “Lebenskompetenz”.

Was verstehst du persönlich - unabhängig von der Meinung deiner Kollegen, Freunde oder anderen - unter „richtigem Verhalten” im Netz?

Warum sollte ich mich im Netz anders verhalten als im “richtigen” Leben? Ich vermute, diejenigen, die in der relativen Anonymität des Netzes ignorieren, dass am anderen Ende der Leitung zu respektierende Menschen sitzen, sind meist auch real Dumpfbacken.

Sollte man deiner Meinung nach alles, was im Internet verfügbar ist, auch frei nutzen dürfen? Oder kannst du auch die Urheber verstehen, die das nicht möchten?

Natürlich kann ich den Wunsch verstehen, nicht alles frei verfügbar zu machen. Wer von seinen Werken leben will und muss, soll das können. Ich kaufe also CDs und DVDs, die ich besitzen möchte. Das Argument “für den Schrott bezahle ich doch nix”, ihn dann aber zu saugen, entlarvt sich selbst.

Allerdings bin ich Anhänger von Open Access und Open Content. Dass Steuergelder mehrfach eingesetzt werden müssen, bis Forschungsergebnisse allgemein verfügbar sind, darf nicht sein. Neue Geschäftsmodelle (z.B. die Hybridpublikationen des Waxmann-Verlags, die online kostenlos verfügbar sind aber auch in gebundener Form erworben werden können) und auch neue Review-Formen, die Online-Publikationen befördern, unterstütze ich sehr. Da ich nicht mehr meine Publikationsliste aus Karrieregründen pflegen muss, stelle ich persönlich alles, was ich noch so schreibe, auf meiner Webseite zur Verfügung und wähle die mir geeignet erscheinende Creative Commons-Lizenz.

Wahrscheinlich hast du auch schon Leute übers Internet kennengelernt. Wie kam es zu den Kontakten und habt ihr euch auch in der „realen Welt” schon einmal getroffen?

Übers Bloggen, Twittern, Foren und Communities kommt es natürlich zu vielen Kontakten, die anders nicht ohne weiteres entstanden wären. Der Umgangston im Netz ist dabei locker. Bei realen Treffen sind dann manche - wenn sie sich nicht über mich vorinformiert haben - überrascht einem grauhaarigen älteren Herrn gegenüber zu stehen. Ich finde das lustig, sie meistens auch …

Ein bekannter Wissenschaftler hat einmal gesagt: „Das Internet vergisst nie.” Was meinst du, hat er damit gemeint?

Das was er gesagt hat. Aber er hat unrecht. Meine frühen Seiten sind in der WayBackMachine des Internet Archivs nicht mehr auffindbar. Als Nostalgiker finde ich das schade.

Joachim, danke für die Zeit, die du dir genommen hast!

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