Antennagate

Abgelegt unter: Allgemein, Glosse — JoWe um 18:03 am 24.07.2010

Mit dem aktuellen Antennenproblem des iPhone 4 sorgt Apple für einige Aufregung. Kein Wunder, dass es auch etliche witzige Kommentare - sogar Videos - provoziert hat. Mit am besten hat mir der Bezug zu Apples legendärer Werbe-Kampagne “Think Different.” (1997) gefallen …

(Bildnachweis: links Wikipedia, rechts Originalquellen über macwelt.de nicht nachvollziehbar)

Mail von Prof. Hisgen … (26)

Abgelegt unter: Glosse — JoWe um 10:14 am 11.06.2010

Gerade ist der 26. Newsletter von e-teaching.org erschienen. Wie seit der ersten Ausgabe Tradition, findet sich auf der letzten Seite die Glosse, der Briefwechsel von Prof. Hisgen mit seiner Kollegin Prof. K. Latsch, wobei es immer um wichtige und unwichtige Dinge aus Bildung, E-Learning und dem Leben geht. Da die beiden auch während der mehrmonatigen Pausen zwischen den Newslettern korrespondieren, werde ich ab sofort diese Mails hier dokumentieren (und im Archiv ein paar ältere in Erinnerung bringen), beginnend mit der aktuellen …

Statt ganz aus der Welt der sozialen Netzwerke auszusteigen – wie aktuell in der Community heiß diskutiert – konzentriert sich Prof. Hisgen lieber auf den neusten E-Learning-Trend und fasst sich ganz kurz …

Werte Kollegin K. Latsch,

da sage noch einer, die Hochschulen (also wir Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen) würden Social Media nicht zeitnah für die Lehre aufgreifen.
Ich möchte daran erinnern, dass unsere Kollegen von der Mediendidaktik - jedenfalls die angelsächsischen Educational Technologists, die ich kennenlernen durfte - da immer sehr schnell waren. Kaum gab es Wikis, erschienen sogleich Artikel zu “Wikis in Education”, was sich genauso wiederholte mit “Blogs in Education” und bei Twitter mit “Microblogging in Education”.

Ich vermute, da erleben wir in Kürze die Fortsetzung beim nächsten Web 2.0-Hype, dem Nanoblogging. Nachdem es sich gezeigt hat, dass sich Nachrichten von maximal 45 Zeichen Länge besonders einfach und sicher in Echtzeit übermitteln lassen (Wave lässt grüßen), hat ein pfiffiges Studentenduo vom deutschen MIT (dem Karlsruher KIT) den Nanoblogging-Dienst erfunden und angeboten: Dafür hat sich eingebürgert, alle Vokale in einer Nachricht wegzulassen und so trotz des Zeichenlimits komplexe Aussagen zu transportieren. Ich wette in Kürze gibt es die ersten Berichte über “Nnblggng n dctn”!

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Mail von Prof. Hisgen … (23)

Abgelegt unter: Glosse — JoWe um 10:02 am 01.06.2009

Do-it-yourself, und zwar möglichst abseits vom Mainstream, das kommt Prof. Hisgen sehr entgegen. Voller Euphorie berichtet er seiner Kollegin K. Latsch, dass er sich einer neuen Bewegung angeschlossen hat – mit unübersehbarer Konsequenz!

Werte Kollegin Latsch,

wissen Sie, dass ich mich derzeit wieder deutlich jünger fühle? Ich bin jetzt nämlich EduPunk! Kennen Sie nicht? Keine Bange, nicht dass jetzt lauter Punks in Ihren Seminaren säßen, nein, wir sind die Edu-Punks. Wir pfeifen nämlich auf Rechenzentren und E-Learning-Zentren, auf Moodle und auf Blackboard sowieso. Wir pfeifen auf die Hochschuldidaktik und ihre Kuschelmethoden, wir machen unsere eigene Hobbydidaktik, wir machen EduPunk (… und für uns gibt es sogar eine Definition in Wikipedia!).

Ein kleiner Rückschlag war für mich der Online-Round-Table zum Thema “Edupunk – befreit das Bildungssystem”. Der eine Referent sprach über ein uniweites System, das gleich alle EduPunk-Aktivitäten vereinnahmt (ey, Punk ist kein Mainstream), der andere Referent fiel aus, weil er nicht hinter der Firewall seiner Uni raus kam – wo bleibt denn da das Anarchische?

Damit meine Kollegen und meine Studis merken was läuft, werde ich ab morgen mit roten Haaren und Irokesenschnitt erscheinen. Dann gehts aber ab in Raum H 408!

Stay disorderly!

Ihr PunkProf Hisgen

PS: Schon erledigt. Meine Tochter hat mir die Haare gefärbt und geschnitten. Ergebnis anbei.

Mail an Prof. Hisgen … (22)

Abgelegt unter: Glosse — JoWe um 10:34 am 11.02.2009

Frau Prof. K. Latsch ist im Stress. Eigentlich sind ja noch Semesterferien und eine Woche Skiurlaub wäre nicht schlecht gewesen – stattdessen ist sie nun mit der Abwrackprämie beschäftigt …

Werter Kollege Hisgen,

nun schaffe ich es gerade noch, eine E-Mail an Sie dazwischen zu schieben. Ich gehe derzeit in Arbeit unter, denn man hat mich zur Konjunktur-Beauftragen unserer Hochschule ernannt. Ich bearbeite gerade stapelweise Anträge und Anfragen zur Abwrackprämie. Hochschullehrende, deren Skripte über neun Jahre lang unverändert waren, können ab sofort für die Erstellung einer neuen Version 2.500 Euro beantragen. Finanziert wird das Ganze aus den Studiengebühren. Die Hochschulleitung will damit eine Stabilisierung des Skriptenabsatzes erreichen.

Aber es hagelt natürlich erst mal Kritik von allen Seiten. Dass die Prämie als geldwerte Einnahme eingestuft werde, sei “völlig untragbar”. Die Kollegen kritisieren, dass die Prämie von 2.500 Euro wie andere Leistungen auch als Einkommen gilt und auf das Grundgehalt verbeamteter Professoren angerechnet wird.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter nennen die Skriptprämie verlogen. Neue Skripte seien nicht zwingend aktueller. Zum einen enthalten Neuskripte teilweise sogar mehr veraltete Informationen als Altskripte, zum anderen lernen die Professoren selber mehr bei ihrer Herstellung als später die Studierenden beim Durcharbeiten. Dass die Studierenden protestieren sind wir ja eh gewohnt. Sie lehnen Zahlungen für gedruckte Skripten ab und fordern stattdessen ein Investitionsprogramm für Blogs und Wikis. Nötig sei eine Neustrukturierung der Skriptproduktion, um schneller auf den Klimawandel in den Hörsälen reagieren zu können, Sie wissen ja, von der Dozentenzentrierung zur Studierendenzentrierung.

Trotzdem, Sie glauben gar nicht, wie viele Anträge bei mir landen. Viele Kollegen möchten auch wissen, was sie mit ihren sieben Jahre alten Skripten machen können. Die muss ich momentan leider vertrösten. Und dann die vielen Studenten, die sich mit ihren Klausurvorbereitungen verspekuliert haben und nun in eines der Auffangprogramme hinein möchten. Fehlgeschlagene Klausuren oder faule Noten werden derzeit bei uns in so genannte Bad Credits ausgelagert. Das alles macht so viel Arbeit, wir könnten glatt drei neue Leute einstellen und so den Arbeitsmarkt entlasten.

Oh je, es klopft schon wieder. Bis demnächst,

Ihre K. Latsch

Mail von Prof. Hisgen … (20)

Abgelegt unter: Glosse — JoWe um 10:28 am 05.09.2008

Herr Hisgen und Frau Latsch erleben immer wieder Denkwürdiges in ihrem Wissenschaftsalltag. Auch in unserer Glosse ist der Einsatz von Web 2.0 im Studium ein heisses Eisen. Hier wundert sich Herr Hisgen über die Unwilligkeit der Studierenden, die
verordnete Freiwilligkeit zu genießen.

Werte Kollegin Latsch,

in meiner letzten Lehrveranstaltung ist mir deutlich geworden, dass Hochschule und Kindergarten vieles gemeinsam haben. Nein, ich meine damit nicht, dass inzwischen für beide Gebühren zu entrichten sind (statt beide kostenfrei anzubieten), sondern die Reaktionen der uns Anvertrauten auf unserer Angebote.

Ich finde nämlich Web 2.0 / Education 2.0 eine tolle Sache, bedeutet es doch den Übergang vom formellen zum informellen Lernen. Ich habe absolut nichts gegen autonome, sich selbst organisierende Lernende, im Gegenteil. Also hatte ich dieses Semester ausgewählte Themen zur Diskussion gestellt und den Studierenden überlassen, wie sie bei der Bearbeitung vorgehen wollen und wie sie ihre Ergebnisse präsentieren. Das hat dann nicht die Resonanz gefunden, die ich mir gewünscht hatte. Die Studis haben die gebotenen Freiheiten leider nicht sehr geschätzt; sie haben klare Anweisungen vermisst und wollten genau wissen, wie viel Druckseiten sie für einen benoteten Schein abliefern müssen.

Das hat mich dann irgendwie an den Kinderladen erinnert, den meine Frau und ich als Alt-68er mitgegründet hatten. Da fragten die Kleinen „Müssen wir heute wieder spielen, was wir wollen?“

Ihr antiautoritärer
Prof. Hisgen