falsche Überschrift

Abgelegt unter: Fachliches, Lesestoff — JoWe um 10:28 am 25.11.2008

Unter dem Titel Studieren im Web 2.0 haben Bernd Kleimann et al. eine sehr interessante Studie vorgelegt (durchgeführt von HIS und MMKH), in der die Frage im Mittelpunkt steht

wie die deutschen Studierenden den Einsatz von E-Learning in der Hochshullehre einschätzen und welchen Einfluss die aktuelle Generation des Internet mit ihren Anwendungen (Web 2.0) auf die Entwicklung netzgestützter Lehr- und Lernformen an den Hochschulen hat.

Allerdings finde ich die Überschrift etwas irrreführend, denn die Studie zeigt eigentlich sehr deutlich, dass die Studierenden im Web 2.0 weniger studieren, denn kommunizieren. Sie nutzen in hohem Maße Netzwerke, die dann auch, um sich über Studienangelegenheiten auszutauschen (immerhin 34%). Die Nutzungshäufigkeit von Wikipedia und anderen Informationsplattformen halte ich nun allerdings nur bedingt für Studieren. Dazu zähle ich denn doch eher die Recherche und das Lesen von Originalliteratur (die ja im Netz auch zunehmend zugänglich wird bzw. an die wir unsere Studierenden gezielt führen sollten) und nicht das Arbeiten mit Enzyklopädien.

Die Antworten zum eigentlichen E-Learning sind eher ernüchternd. Die Angebote der Hochschulen haben sich seit 2004 nur sehr moderat erhöht und die Nutzung konzentriert sich auf lehrveranstaltungsbegleitende Materialien (93%), weniger auf interaktive Angebote (22%) oder (teil)virtuelle Veranstaltungsformen (< 5%). Was nun das eigentliche Web 2.0 betrifft, so werden Wikis geschätzt und auch genutzt (wobei aus den Zahlen die Kopplung an bestimmte Lehrveranstaltungen nicht hervorgeht). Andere Formen sind bisher sehr randständig (Blogs 6%, E-Portfolios 12%).

Wie gesagt, trotzdem spannende Zahlen, auch wenn ich nach dem Titel mit einer Erwartung drangegangen bin, die nicht erfüllt wurde. Bis im Web 2.0 wirklich studiert wird, bleibt noch einiges zu tun …

Vorlesung zum Nachlesen

Abgelegt unter: Fachliches, Lesestoff — JoWe um 20:26 am 21.11.2008

Dieser Tage bekam ich (als ALT-Mitglied) eine kleine Broschüre zugeschickt: Digital technologies and their role in achieving our ambitions for education. Dabei handelt es sich um die Druck-fassung der Antrittsvorlesung von Diana Laurillard am Institute of Education, University of London. Es ist wohl eher ungewöhnlich, dass eine Vorlesung so und dann noch in hoher Auflage verteilt wird, liegt aber daran, dass es ihr gelungen ist, bildungspolitische und bildungstechnologische Aspekte mit lerntheoretischer Fundierung zu verknüpfen und dies in praxisrelevante Folgerungen münden zu lassen.

Diana Laurillard hat auch eine ungewöhnliche berufliche Karriere mit Stationen in Forschung und Bildungsverwaltung durchlaufen. Vor mehr als drei Jahrzehnten begann sie in Entwicklungs-projekten zur Nutzung von computerbasierten Werkzeugen im naturwissenschaftlichen Unterricht. Da ich einen ähnlichen Schwerpunkt hatte, haben wir uns darüber kennen gelernt (genauer im Projekt Computers in the Undergraduate Science Curriculum) und sind seitdem freundschaftlich verbunden geblieben. Ab 1981 war sie an der Open University, zunächst als Lecturer, dann Professorin für Educational Technology und schließlich Pro Vice Chancellor. Zwischen 2002 und 2005 war sie Leiterin der E-Learning-Strategiegruppe im Department for Education and Schools, dem britischen Bildungsministerium. In dieser Position entwickelte sie eine kohärente E-Learning-Strategie für alle Erziehungs- und Ausbildungssektoren die unter dem Titel Harnessing Technology: Transforming Learning and Children’s Services im März 2005 veröffentlicht wurde. Nach diesem Versuch, ihre Ideen auch in die politische Praxis umzusetzen, ist sie nun seit August 2005 Professorin für Lernen mit digitalen Technologien am Knowledge Lab der Londoner Universität.

Die Kernpunkte der Vorlesung sind nun auch zu finden in der Folienpräsentation (mitsamt Textnotizen, Teile davon stellte sie auch in ihrer Keynote auf der GMW-Tagung 2007 in Hamburg vor). Außerdem gibt es anlässlich dieser Vorlesung ein Interview mit Kevin Donovan, in dem insbesondere die Ausgangspunkte ihrer Überlegungen deutlich werden. So ist eine ihrer zentralen Aussagen What it takes to learn does not change (vgl. ihre Folie 16), wobei sie sich auf den Sichtwechsel des Shift from Teaching to Learning bezieht. Dabei können wir Technologien nutzen um Lernen zu unterstützen, aber das ändert die kognitive Leistung, die erbracht werden muss, nicht sonderlich. Ihr eigenes Modell (das sie in dem weltweit bekannten Buch Rethinking University Teaching, 1993, Routledge, 2. Auflage 2002) entwickelt hat, beschreibt einen dialogorientierten Rahmen für den effektiven Einsatz von Lerntechnologien, den sie auf unterschiedliche Technologien anwenden kann (vgl. dazu ihre Folien 45 und 48). Wenn wir über Lerntechnologien nachdenken finde ich deshalb folgende Überlegung von ihr anspornend:

Now we can ask ‘So what can the technology do for us?’ – rather than the more typical question ‘What can we use the technology for?’ … It’s very important to put education in the driving seat of future technology development. Too often, we have to make use of technologies developed for other activities – usually leisure or commercial. Here I want to turn that around, and begin with the requirements of education, and challenge technology to meet them.

Neues von OLPC

Abgelegt unter: OLPC — JoWe um 13:17 am 20.11.2008

Es tut sich einiges beim OLPC-Projekt. So gibt es eine neue G1G1-Aktion und diesmal können auch wir in Europa direkt daran teilnehmen - wobei noch Unklarheiten bestehen, ob wirklich bei Amazon.uk bestellt werden kann (Interessenten sollten das diese Tage genau verfolgen). Außerdem ist es dem Verein OLPC.at mit der PH Steiermark gelungen, ein Pilotprojekt an einer österreichsichen Grundschule zu starten. Und schließlich gibt es für die G1G1-Aktion zwei kurze Videos, die in jeweils 98 Sekunden sehr prägnant das Projekt und den Rechner vorstellen:

Video 1: Zum Projekt

Video 2: Zum XO-Laptop

Da passt es doch, dass ich mit einigen AutorInnen an einem Themenheft zum OLPC-Projekt arbeite …

Bloggen - Pflichtübung oder Passion?

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 10:21 am 18.11.2008

Ist in meinem Falle ganz klar Passion; keiner zwingt mich, hier was zu posten. Jedenfalls erhielt ich gestern die Masterarbeit mit obigem Titel von Tamara Bianco, in der ich mich als “beforschter” Knowledge Blogger wieder fand. Eine gut zu lesende Arbeit, in der manches, was man so vermutet hat, nun empirisch belegt ist, andere Aspekte eher überraschen (wie die Aussage “Ich blogge, weil ich muss”, sind das etwa Zwangsblogger in Lehrveranstaltungen?). Also Pflichtlektüre  für alle Blogger (hier gehts zum Download), die ihre eigene Haltung zum Bloggen einordnen und reflektieren wollen.

Web-Jubiläum

Abgelegt unter: Allgemein, SoftwareMuseum — JoWe um 17:26 am 13.11.2008

Für eine eher historische Betrachtung der Interaktivität der digitalen Medien sammelt sich bei mir u.a. gerade eine kleine Liste wichtiger Daten der IT-Geschichte. Wenn ich der deutschen Wikipedia vertraue, dann ist heute vor genau 18 Jahren (Info über macnotes.de), also am 13.11.1990 die erste Website (also zusammenhängende Folge von Webseiten) von Tim Berners-Lee ins Netz gestellt worden. Erstellt hat er sie mit dem ersten Editor und Browser (der deutlich mehr konnte, als die ersten dann der Allgemeinheit zugänglichen Werkzeuge) und zugänglich gemacht mit dem ersten Web Server. Diese Website ist beim World Wide Web Consortium (W3C) unter deren History-Seiten gesondert archiviert - und befasst sich eben mit der Beschreibung dessen, was das World Wide Web ist:

Infodesign Klassiker

Abgelegt unter: Allgemein, Visualisierung — JoWe um 19:20 am 07.11.2008

Die Karte der Londoner U-Bahn ist berühmt; mindestens jeder, der mal in London die U-Bahn benutzt hat, weiß, wie gelungen diese Darstellung ist, ästhetisch ansprechend, trotz der Informations-dichte übersichtlich und absolut funktional (das Bild links führt zu einer interaktiven Version). Eigentlich kann daran nichts mehr verbessert werden. Entwickelt wurde sie aber nicht von einem Designer, sondern 1931 von Harry Beck, einem Angestellten der London Underground. Inzwischen hat sie Nachahmer gefunden - viele, wenn nicht die meisten Streckenpläne von U-Bahnen weltweit folgen diesem Muster.

Auch im übertragenen Sinn wird diese Darstellungsform gerne verwendet. Bekannt geworden ist so die Karte der Web Trends 2007 der Agentur Information Architects in Japan (inzwischen gibt es davon eine Aktualisierung Web Trend Map 2008). Originell finde ich auch die Sammlung von Tierbildern, die allesamt im Netzplan entdeckt werden können.

Anlass für dieses Posting ist aber eigentlich ein Video aus der Reihe BBC Classics (gefunden über information aesthetics), in dem die Geschichte dieser Karte nachgezeichnet wird:

Call for Papers: E-Learning Patterns

Abgelegt unter: Fachliches — JoWe um 13:31 am 06.11.2008

Design Patterns, also Entwurfsmuster, sind bewährte Lösungen für wiederkehrende (Entwurfs-)Probleme. Sie beschreiben Lösungsansätze unter Berücksichtigung des jeweiligen Kontexts. Auch im didaktischen Umfeld gibt es entsprechende Ansätze, um Erfahrungs-wissen von Experten zu dokumentieren. Dabei stellen sich (vermutlich nicht nur mir) etliche Fragen. Macht es überhaupt Sinn, diesen in der Informatik etablierten Ansatz auf pädagogische Fragestellungen zu übertragen? Was unterscheidet Patterns von Methodensammlungen oder simplen Rezepten?  Wie allgemeingültig und damit übertragbar können Patterns überhaupt sein? Gibt es dafür Qualitätsmaßstäbe? Wie relevant sind Patterns überhaupt, wenn Planbarkeit von Lehr-/Lernszenarien durch kollaborative Lernsituationen mit Web 2.0-Werkzeugen zunehmend ausgehebelt wird.

Diesen und ähnlichen Fragen wollen wir in einem (englischsprachigen) Workshop am IWM nachgehen (4.-6.3.2009), organisiert von meinem Kollegen Christian Kohls und mir bei e-teaching.org. Genauere Informationen gibt es auf der Website zum Workshop. Die ersten Keynotes stehen fest; der Call for Abstracts läuft noch bis 23.12.2008. Wer sich dafür interessiert, wie solche Patterns entstehen und beschrieben werden, kann sich am ersten (Halb-)Tag des Workshops in die innerhalb der Pattern-Community etablierten Methoden des Pattern-Mining und des Pattern Writing einführen lassen. Wir finden das Thema spannend und wichtig; wir hoffen viele von Ihnen auch!

Update: Wer sich in die Thematik ein wenig eindenken will, dem möchte ich einerseits das Papier von Christian Kohls und mir empfehlen:  Die Dokumentation erfolgreicher E-Learning Lehr-/Lernarrangements mit didaktischen Patterns, als Entwurfsfassung zu finden drüben auf meiner Website. Weiterhin gibt Volker Gries im E-Learning Podcast aus Mecklenburg-Vorpommern (Sendung 13) in einem hörenswerten Beitrag Pattern im E-Learning eine Einführung in das Thema mit Erfahrungen bei der Entwicklung von Pattern und einem Experteninterview (der Experte ist natürlich Christian Kohls!).

Grundlagen Informationsvisualisierung

Abgelegt unter: Lesestoff, Visualisierung — JoWe um 22:43 am 02.11.2008

Informationsvisualisierung und Informationsdesign sind relativ neue aber wichtige Bereiche, geht es doch um die visuelle Repräsentation von in der Regel abstrakten Daten und dies mit Hilfe des Computers auch dynamisch und interaktiv. Es gibt inzwischen einige Bücher darüber. Ich möchte auf zwei besonders wichtige hinweisen, deren Autor Colin Ware ist, Direktor des Data Visualization Research Lab an der University of New Hampshire.

Mit beiden Büchern versucht er, Design Prinzipien auf der Basis der Ergebnisse der Grundlagenforschung heraus zu arbeiten, um Informationen effektiv darzustellen. Insofern ist dieses keine leichte Lektüre, insbesondere das Buch Information Visualization - Perception for Design (2. Auflage von 2004, erschienen bei Morgan Kaufmann Publishers), denn er zieht dabei als Bezugswissen-schaften die Psychologie, die Neurowissenschaften und die Informatik heran.

Etwas leichter ist da der zweite Band Visual Thinking for Design (erschienen 2008, ebenfalls bei Morgan Kaufmann Publishers), jedenfalls vom Umfang (180 Seiten statt 480 Seiten). Inhaltlich setzt Colin Ware die gleichen Schwerpunkte, fasst sich aber deutlich kürzer und versucht, die von ihm genannten Prinzipien selbst auf das Design seines Buches anzuwenden. Wie er schreibt, war dies nicht leicht und das Buch aus seiner Sicht ein Kompromiss mit dem Verlag. Dennoch ist das Ergebnis gelungen und die Lektüre sehr empfehlenswert.