Warum (k)ein Software-Museum?

Abgelegt unter: SoftwareMuseum — JoWe um 19:07 am 29.05.2009

Es gibt jede Menge Lernprogramme,  E-Learning-Content und Lernwerkzeuge von hoher Qualität, die wir nicht mehr ansehen geschweige denn regulär einsetzen können, weil sie nur auf inzwischen veralteten Plattformen (Hardware, Betriebssystemversionen, Entwicklungsumgebungen) laufen (würden). Das ist mir wieder schmerzlich bewusst geworden beim Lesen des nestor Handbuchs zur digitalen Langzeitarchivierung. Denn eigentlich bedeutet Archivierung mehr als die dauerhafte Speicherung; sie schließt die dauerhafte Verfügbarkeit, also Benutzbarkeit, mit ein.

Der Ansatz, Systemumgebungen in Hard- und Software-Museen zu konservieren und ständig verfügbar zu halten, wird nicht ernsthaft verfolgt.

… so im Handbuch (S. 1-4). Stimmt, ist aber schade. Ich selber versuche ja ein wenig, darauf hin zu arbeiten (vgl. meine Blog-Kategorie SoftwareMuseum). Die im Handbuch genannten Migrationsverfahren sind allerdings schwierig und aufwändig. Das weiß jeder, der mal versucht hat, Systemumgebungen mit Emulatoren lauffähig nachzubilden. [Ich kämpfe immer noch mit dem Problem, die Daten von meinen Apple II- und C 64-Disketten auf meine aktuellen Rechner zu übertragen, d.h. sie den Emulatoren überhaupt erst zuzuführen.]

Das ist übrigens keine reine Nostalgie. Ich finde es fahrlässig, dass etliche innovative und in der Praxis erfolgreiche Ideen und Produkte viel zu schnell in Vergessenheit geraten sind und deshalb schlicht durch resultierende Unkenntnis statt Neuentwicklungen nur Nachentwicklungen gemacht wurden. Eigentlich Wahnsinn, wieviel Zeit, Geld und Engagement dadurch verschwendet wurde …

Infos zum OLPC-Projekt

Abgelegt unter: OLPC — JoWe um 21:45 am 25.05.2009

Wer sich über das OLPC-Projekt, den XO-Laptop, das Betriebssystem Sugar und die Aktivitäten (die Werkzeuge) gründlich und aktuell informieren will, kann dies bestens im Internet. Es gibt praktisch keine herkömmlichen Publikationen (eine Ausnahme ist das LOG IN Heft Nr. 156); alle offiziellen Verlautbarungen und Projektbeschreibungen gibt es im WWW, die Software samt Handbüchern steht zum Herunterladen bereit, Erfahrungsberichte und Diskussionen finden sich in Blogs und Foren. Die Vielfalt erschwert allerdings die Orientierung, deshalb möchte ich hier die wichtigsten Quellen aufführen und beginne mit deutschsprachigen Initiativen:

OLPC Deutschland e. V.: OLPC Deutschland ist eine Initiative, die das OLPC-Projekt in Deutschland thematisieren möchte, sich als zentrale Anlaufstelle versteht und auch Projekte unterstützen und initiieren möchte. Unter anderem werden informelle Treffen organisiert, das Projekt auf einschlägigen Veranstaltungen vorgestellt und Erprobungen mit Geräten aus einem Leihpool unterstützt. Im angeschlossenen Wiki finden sich aktuelle Projekte und Mitwirkungsmöglichkeiten.

OLPC Austria: OLPC Austria ist die in Europa älteste und sehr aktive Initiative zur Unterstützung des OLPC-Projekts. Dem Verein ist es inzwischen gelungen - zusammen mit der Fachhochschule Steiermark (s.u.) - ein Grundschulprojekt zu initiieren. Dies ist überhaupt der erste systematische Versuch im deutschsprachigen Raum!

OLPC-Projekt an der PH Steiermark: OLPC.at und das österreichische Bildungsministerium starteten am 18. November an einer Grazer Volksschule einen Versuch mit dem XO-Laptop. Die Pädagogische Hochschule Steiermark begleitet das Unternehmen mit einem wissenschaftlichen Projekt und informiert darüber im E-Learning Blog.

OLPC-Projekt: Dies ist die offizielle Website der OLPC-Organisation. Hier finden sich die zentralen Aussagen zu den Zielen des Projekts die Vorgehensweise und die Möglichkeiten, das Projekt zu unterstützen und sich daran zu beteiligen. Das Projekt führt auch ein offizielles Blog und das OLPC-Wiki. Dies ist die erschöpfende Informationsquelle zu allen Aspekten des Projekts, des XO-Laptops und der Software. Dort finden sich auch spezielle Seiten für Lehrer und Entwickler, die also weiterführen bei Fragen zum Einsatz des XO-Laptops und des Sugar-Systems im Klassenzimmer bzw. für Interessenten, die zum Aktivitätspool beisteuern wollen.

planet olpc: Ein Blog von Mitarbeitern des OLPC-Projekts (Angestellte und Freiweillige), in dem Informationen und Meinungen zu Technik, Organisation und Problemen des OLPC-Projekts ausgetauscht werden.

OLPC News: Unabhängiges Blog der OLPC-Community mit stets aktuellen Nachrichten, Meinungen und kontroversen Diskussionen. Im zugehörigen sehr aktiven OLPC News Forum werden alle Fragen rund um das OLPC-Projekt und den XO-Laptop behandelt.

Sugar Labs: Dies ist die offizielle Seite der Sugarentwickler, nachdem sich der Hauptverantwortliche Walter Bender vom OLPC-Projekt getrennt hatte. Dahinter steht das Bemühen, Sugar und die darunter laufenden Aktivitäten als eigenständige Lernplattform zu etablieren, auch unabhängig vom XO-Laptop.

FLOSS Manuals: Eine Sammlung frei zugänglicher Handbücher für Open Source Software (FLOSS: Free Libre Open Source Software). In einer eigenen Rubrik zum XO-Laptop und Sugar liegen derzeit folgende Handbücher vor: XO (Inbetriebnahme), Sugar, Write, Terminal, Chat, Browse, Record, Turtle Art.

OLPC Nepal: In diesem Blog werden die Aktivitäten des systematisch angelegten Pilotprojekts in Nepal beschrieben. Besonders deshalb interessant, weil hier organisatorische, technische und auch konzeptionelle Probleme und Lösungsansätze offen diskutiert werden. Ein erster Evaluationsbericht liegt vor. Hilfreich für alle, die sich Gedanken über die Adaption des OLPC-Konzepts in den eigenen Arbeitskontext machen.

Wer sich für die bisherigen Erfahrungen interessiert, findet eine zusammenfassende Darstellung bei Nugroho & Lonsdale: Evaluation of OLPC Programs Globally: a Literature Review.

An Hinweisen auf weitere wichtige Internetquellen zu OLPC, (deutschsprachige) Initiativen und Evaluationsberichte bin ich sehr interessiert.

LOG IN Nr. 156

Abgelegt unter: OLPC — JoWe um 18:29 am 23.05.2009

Knapp zehn Monate hat es gedauert von der Ansprache der AutorInnen für ein Themenheft Ein Laptop für jedes Kind bis zum ausgelieferten Heft: Seit heute liegt Heft Nr. 156 von LOG IN bei mir auf dem Tisch. Damit gibt es zum ersten Mal eine zusammenfassende deutschsprachige Darstellung der Konzeption der ambitionierten Initiative OLPC, des Einsatzes in verschiedenen Ländern, des pädagogischen Ansatzes, aber natürlich auch zu Software und Hardware. Eine lohnende Lektüre für alle, die sich darüber informieren  und lernen wollen, was davon auch in unser Schulsystem zu übertragen wäre.

Speziell zu diesem Aspekt findet sich in dem Heft eine Diskussion zwischen Richard Heinen und mir. Wen dies interessiert, findet auf meiner Website diese Diskussion zum Herunterladen. Eine weitere Leseprobe des Heftes und alle Internetquellen finden sich beim Verlag und - wenn die AutorInnen zustimmen - werden dort in Kürze alle Artikel zugänglich gemacht, denn das Interesse außerhalb der klassischen LOG IN-Leserschaft ist offensichtlich groß. Das freut natürlich alle an dem Heft Beteiligten sehr und ist vielleicht der breiteren Diskussion dieses Themas sehr förderlich. Jedenfalls wird es mich in diesem Blog sicher auch weiterhin beschäftigen.

WolframAlpha auf deutsch

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 12:37 am 21.05.2009

WolframAlpha hat diese Woche (und schon davor) für einigen Wirbel gesorgt. Über Tim Schlotfeldt gelangte ich nun zu Ben Parrs lustigen (und durchaus informativen) Zusammenstellungen Top 10 Wolfram Alpha Easter Eggs und 10 Even Better Wolfram Alpha Easter Eggs. Er arbeitet an weiteren Beispielen schön den Unterschied dieser Antwortmaschine zu Googles Suchmaschine heraus. Der Stern hat nun für alle, die des Englischen nicht mächtig sind, Parrs Beispiele (übrigens ohne Verweis und Verlinkung) ins Deutsche übersetzt. Aber, wer einigermaßen Englisch kann, sollte dennoch besser zu Parr gehen oder direkt zu WolframAlpha und damit experimentieren. Für Pädagogik oder Psychologie bin ich da nicht sehr fündig geworden, aber vielleicht stelle ich dem System auch nicht die richtigen Fragen?

Die Klassiker

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 18:53 am 15.05.2009

Jochen Robes fragte  Gibt es (deutschsprachige) Bücher zum Thema “e-Learning”, die man gelesen haben sollte?, angeregt von einer Liste bei Tony Bates, die dessen acht “klassische” E-Learning-Publikationen enthält. In den Kommentaren bei Robes werden die üblichen Verdächtigen genannt, also die Bücher von Rolf Schulmeister, Michael Kerres und Helmut Niegemann. Die stehen natürlich auch bei mir im Regal, aber die sind ja noch nicht soo alt; höchstens Rolfs Grundlagen hypermedialer Lernsysteme (derzeit 4. Auflage, 1. Auflage von 1996).

Robes hat ja auch etwas anders gefragt, aber unter klassischer Lektüre möchte ich hier solche verstehen, die mich (bei meinem Berufseinstieg) fachlich geprägt hat - und dann denke ich persönlich u.a. an ein Buch und einen Artikel. Bei dem Buch handelt es sich um Computer im Unterricht - Formen, Erfolge und Grenzen einer Lerntechnologie, 1974 im Klett Verlag erschienen. Darin werden im Wesentlichen die Ergebnisse einer Forschungsreise des Autorenteams (Eyferth, Löthe u.a.) in die USA berichtet. Das war für mich damals ein Augenöffner, weil ich so zum ersten Mal fundierte Informationen über Projekte und Programme erhielt, die weit über den Programmierten Unterricht hinaus gingen. Etwa über Paperts Erprobungen von Logo oder Simulationen im PLATO bzw. Huntington-Projekt. Da mein Buchexemplar nach einer Ausleihe verschollen war, habe ich es kürzlich antiquarisch nochmal erworben; es ist ein Exemplar, das die Bibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien aussortiert hat.

Bei dem Artikel handelt es sich ganz sicher um einen Klassiker: Personal Dynamic Media von Alan Kay und Adele Goldberg aus dem Jahr 1977, in dem sie das Dynabook-Konzept vorstellen. Danach wusste ich, wohin die Reise beim Lehren und Lernen mit Comptern gehen müsste; jedenfalls prägten dieses Buch und der Artikel durchaus meine anschließende langjährige Beschäftigung mit Unterrichtssimulationen und grafischen Schnittstellen.

Mich würden natürlich ähnlich prägende Leseerlebnisse meiner Leserschaft brennend interessieren …

Geruch und Gewicht des Buches …

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 12:30 am 13.05.2009
Geruch und Gewicht des Buches liegen dem deutschen Geistesmenschen mehr als die Ungreifbarkeit und Fluidität des Digitalen.


So beginnt Hubertus Kohle, Professor für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der LMU-München, seinen Artikel zu Open Access und die Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens. Abgesehen davon, dass sein Beitrag eine lesenswerte Ergänzung der Diskussion um Google, Urheberrechte und Open Access (wie im Heidelberger Appell fahrlässig vermischt) darstellt, kann damit ja durchaus auch eine emotionale Beziehung zum klassischen Medium Buch charakterisiert werden. Ich selber bin auch ein Fan schöner Bücher, wenn sie inhaltlich gut und dann auch noch schön gestaltet sind. Da hält kein Ausdruck heruntergeladener PDF-Dateien mit … z.B. mit meiner derzeitigen Abendlektüre: D’Arcy Wentworth Thompson - Über Wachstum und Form, erschienen in der Reihe Die andere Bibliothek des Eichborn Verlags. Mein Buch mit der Nr. 7051 hat eine tolle Aufbereitung und Haptik; hat inhaltlich übrigens was mit Mustern zu tun.

Mighty Optical Illusion

Abgelegt unter: (Net)Logo, Opticals — JoWe um 22:17 am 08.05.2009

Fast jeden Tag eine neue optische Illusion gibt es bei Mighty Optical Illusion - und mir Gelegenheit, meine Katgorie Opticals mit dem Hinweis auf diese schöne Website aufzufüllen.

Natürlich spendiere ich diesem Eintrag auch eine solche Illusion, hier die sogenannte Kaffeehaustäuschung: Obwohl alle Kacheln gerade sitzen und alle Linien parallel verlaufen,  scheinen sie schräg zu verlaufen. Wie immer bei mir erstellt mit einer Logo-Version, was dann leicht erlaubt, parametergesteuert vielfältige Varianten zu erzeugen, etwa mit/ohne Zwischenlinien, Farbe der Zwischenlinien oder Grad der Verschiebung der Kacheln zueinander. Bei Michael Bach gibts das sogar dynamisch …

fehlende Schnittmengen

Abgelegt unter: Fachliches — JoWe um 16:58 am 05.05.2009

Nach längerer Pause befasse ich mich derzeit wieder intensiver mit digitalen Medien in der Schule. Ich versuche zu rekapitulieren, was sich da in den letzten drei Jahrzehnten so getan hat. Eine ganze Menge; aber mir geht es hier weniger um den Stand der Dinge, sondern mir ist erneut bewusst geworden, dass es unterschiedliche Personengruppen gibt, die sich mit diesem Thema befassen, die für unterschiedliche Richtungen und Sichtweisen der Nutzung und des Einsatzes des Computers und des Internets in der Schule stehen.

Zu Anfang gab es vor allem Bemühungen, das Unterrichtsfach Informatik zu etablieren, bald auch in seiner verkleinerten Ausprägung, der ITG, der informationstechnischen Grundbildung. Spätestens seit den 90er Jahren ist dies als Handlungsfeld anerkannt, um eine grundlegende Bildung aus informations- und kommunikationstechnischer Sicht zu vermitteln. Je nach Bundesland ist sie dem Fachunterricht verschiedener Klassenstufen zugeordnet, nicht selten dem Mathematikunterricht. Die Unterscheidung zwischen dem Unterrichtsfach Informatik und der fachdidaktisch geprägten Nutzung im Fachunterricht spiegelt sich u.a. in der Ausrichtung der zwei wichtigsten schulorientierten Zeitschriften wider. Da ist einmal die überwiegend informatisch ausgerichtete Zeitschrift LOG IN, zum anderen die Zeitschrift Computer im Unterricht, die IT-Anwendungen und Nutzungskonzepte in allen Fächern und Schulstufen vorstellt und diskutiert.

Daneben spielt im schulischen Kontext natürlich die Medienpädagogik eine bedeutende Rolle, mit dem vorrangigen Ziel der Förderung der Medienkompetenz der Lernenden. Das kann eigentlich nur eine Querschnittsaufgabe für alle Fächer sein, was sich aber bislang nicht durchgesetzt hat (vgl. das Medienpädagogische Manifest). Zu den Publikationsorganen zählen u.a. die Zeitschrift merz - medien + erziehung oder die Onlinezeitschrift MedienPädagogik.

Ich selber ordne mich eher dem Feld der Mediendidaktik zu, deren Thema das Lernen und Lehren mit (digitalen) Medien ist. Diese können neue Ziele in den Unterricht bringen, erschließen neue Inhalte bzw. neue Zugänge zu Inhalten und erlauben andere bzw. neue Lehr-/Lernmethoden. Kerres spricht deshalb konsequenterweise von einer gestaltungsorientierten Mediendidaktik, was ich sehr treffend finde.

Natürlich gibt es noch weitere Disziplinen/Personen, die sich mit digitalen Medien in der Schule befassen - (Pädagogische) Psychologen, Kognitionswissenschaftler u.a. Der Problemlage angemessen wäre ein intensiver Austausch zwischen diesen Gruppen. Eine (zugegebenermaßen nicht sehr extensive) Durchsicht der Autorenverzeichnisse der genannten Zeitschriften und einiger entsprechender Tagungsbände zeigt allerdings, dass die Schnittmenge ziemlich klein ist. Bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens die Leserschaft größere Überlappungen aufweist.

Wenn ich mir allerdings z.B. die Edublogger ansehe, dann ist das doch eine übersichtliche Gruppe. Nehme ich die Namen in meiner Blogroll als Ausgangspunkt, dann erweitert sich über deren Blogrolls der Kreis wahrlich nicht explosionsartig. Aufgefallen ist mir übrigens, dass die Informatikdidaktiker nicht sehr blogfreudig sind (wie etwa Christian Spannagel oder Ludger Humbert), auch nicht die Medienpädagogen (wie Stefan Aufenanger, Winfried Marotzki; keiner der GMK-Vorständler betreibt ein Blog). Der interdisziplinäre Austausch gerade auf diesem Wege bleibt also stark verbesserungswürdig.