Ganz oder gar nicht …

Abgelegt unter: Fachliches, OLPC — JoWe um 15:08 am 30.03.2010

Unter diesem Titel ist vor kurzem mein Beitrag in der Festschrift für Renate Schulz-Zander Bildung und Schule auf dem Weg in die Wissensgesellschaft erschienen (Hrsg. Birgit Eickelmann, Waxmann Verlag, 2010). Ein Vorabdruck ist auf meiner Website abrufbar.

In dem Beitrag plädiere ich für die Einführung persönlicher Rechner in der Grundschule (mit Bezug auf das OLPC-Projekt). Dazu skizziere ich ein durchgängiges Nutzungskonzept digitaler Medien in der Grundschule: Mit dem Schuleintritt sollen alle Kinder persönliche Rechner erhalten und diese als Arbeitsmittel kennen lernen, d.h. Computer und Internet von Beginn an als völlig selbstverständliche Bestandteile ihrer Lernumgebung immer dann zur Verfügung haben und nutzen, wenn die Notwendigkeit, sich zu informieren, zu lernen, zu arbeiten es erfordert. Dabei vertrete ich den Standpunkt ganz oder gar nicht, das heißt, ich halte nichts von der punktuellen Nutzung des Rechners in ausgewählten Unterrichtssituationen (und dann eben oft auch noch in speziellen Räumen), wodurch sie einen Ausnahmestatus und Event-charakter bekommt, den sie im wirklichen Leben eben gerade nicht mehr hat.

Als ich auf dem Hamburger EduCamp dazu eine Session Digitale Medien für Alle von Anfang an moderierte, waren die Reaktionen eher zurückhaltend. Nach dem Motto, es tut sich doch schon viel, Vorrang muß die Ausbildung der LehrerInnen haben, bis hin es wäre doch schon viel gewonnen, wenn die SchülerInnen ihre eigenen Rechner mitbringen dürften.

Da meine ich allerdings, dass nach über 30 Jahren Förderung, Entwicklung und Erprobung an den Schulen die Zeit gekommen wäre, statt punktueller Aktionen ein konzertiertes Vorgehen für die flächendeckende 1:1-Ausstattung mit portablen Rechnern zu organisieren (Alan Kays Dynabook lässt grüßen; Abb. aus A Personal Computer for Children of all Ages). Eigentlich bedürfte es als Fortsetzung von Schulen ans Netz (dessen Ziel es ja war … allen Schulen in Deutschland die Infrastruktur für den Zugang zur digitalen Medienwelt bereit zu stellen) eines erneuten Zusammenwirkens von Wirtschaft, Politik und Schulträgern, um die Voraussetzungen zu schaffen, dass unsere Kinder den Weg in die oft beschworene Wissensgesellschaft bewältigen können.

Ach ja, geschrieben hatte ich den Artikel vor ziemlich genau einem Jahr (die Printmühlen mahlen halt langsam …). Inzwischen gibt es mit dem iPad und vergleichbaren Tablets bereits eine neue Geräteklasse, deren  Funktionalität, Usability und Kosten sie für die von mir geforderte 1:1-Ausstattung prädestinieren (was etliche Schulpraktiker wohl auch so sehen).

SoftwareMuseum: The Voyager Company

Abgelegt unter: SoftwareMuseum — JoWe um 10:10 am 30.03.2010

Ende der 80er Jahre wurde es üblich, CD-ROMs mit multimedialen, interaktiven Angeboten herauszugeben. Die Firma The Voyager Company, von Robert Stein u.a. gegründet, gehörte zu den Pionieren dieses Marktes, die eine Reihe von Klassikern dieses Genres herausgebracht hat. Dazu gehören u.a. die künstlerisch ambitionierten Projekte Xplora1 von Peter Gabriel oder Puppet Motel von Laurie Anderson.

Dazu gehörten aber auch Produkte, die als Lernangebote konzipiert waren. Mein Favorit darunter ist Beethoven’s Ninth Symphony des Musikprofessors Robert Winter. Dazu gibt es ein Werbevideo, das dieses interaktive Medium besser beschreibt, als ich es mit Worten könnte:

Übrigens wurde diese Anwendung mit HyperCard umgesetzt, auch ein Software-Klassiker. Meinen heutigen Beitrag hat denn auch Dale Dougherty inspiriert, der in diesem Beitrag dafür plädiert, für das neue iPad eine Autorenumgebung in der Tradition von HyperCard anzubieten. Das könnte dann auch Amateuren die Chance bieten, Inhalte für dieses Tablet zu entwickeln.

Frage: Für mein SoftwareMuseum bin ich auf der Suche nach Original CD-ROMs wie die hier Erwähnten, aber auch andere aus der Frühzeit von Multimedia. Wer also sowas herumliegen hat und evtl. abgeben möchte - ich bin dankbarer Abnehmer!

Tag des digitalen Lernens

Abgelegt unter: Fachliches — JoWe um 11:02 am 23.03.2010

An (einigen) Schulen tut sich doch was. So gibt es am 24.3.2010 zum zweiten Mal einen Tag des digitalen Lernens. In diesem Jahr rufen die digitale Schule Bayern, die Zentralstelle für Unterrichtsmedien, die religions-pädagogische Internetplattform rpi-virtuell, das Landesinstitut für Pädagogik und Medien Saarland sowie die E-lisa-academy Österreich Schulen europaweit auf, sich am Tag des digitalen Lernens zu beteiligen:

Digitales Lernen ist ein zentrales Element des Lernens im 21. Jahrhundert. Schüler wachsen bereits jetzt ganz selbstverständlich in einer Netzwelt auf, in den Schulen hat diese Netzwelt aber noch kaum Einzug gehalten. … Die neue Arbeitswelt ist auf Menschen angewiesen, die selbst denken, kreativ sind, Probleme lösen und eigene Vorstellungen haben. … Und in der Schule? Hier gilt es eine neue Lehr- und Lernkultur zu schaffen. Digitales Lernen meint daher nicht den Ersatz des bisherigen lehrergestützten Frontalunterrichts durch Frontalunterricht mit Powerpoint und Laptop oder die Nutzung von Lernplattformen als Dateiablage. Digitales Lernen meint stattdessen ein Lernen, das nicht mehr an bestimmte Lernzeiten und den Ort Schule gebunden ist, stattdessen durch Nutzung des Webs jederzeit und von jedem Ort aus stattfindet. Zugleich geht es um neue Unterrichtsformen mit hoher Eigenaktivität der Lerner, einem hohen Grad an Teamarbeit und zugleich zeitgemäßen Arbeitsmitteln.

Dazu passt, dass ich in den letzten Tagen gleich mehrere neu erschienene Materialien auf den Tisch bekommen habe, die Schule, Schüler, Lehrer und Eltern adressieren und die Nutzung von Internet und Computer thematisieren.

  • Wissen, wie’s geht! Mit Spass und Sicherheit ins Internet (Handbuch des Internet-ABC e.V. für Lehrerinnen und Lehrer mit Arbeitsblättern und didaktischen Hinweisen für den Unterricht)
  • Ein Netz für Kinder (Surfen ohne Risiko? (Ein praktischer Leitfaden für Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, mit Extraheft Entdecke dein Internet! für Kinder)

Gut gemachte Hilfen - auch wenn ich teilweise andere Schwerpunkte setzen würde - für die Praxis. Alles mit dem Ziel Förderung der Medienkompetenz …
The Whole Internet Truth

Sammelsurium von der didacta 2010

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 13:31 am 18.03.2010

Wegen einiger konkreter Kooperationsgespräche war ich zu Kurzbesuch auf der Didacta 2010 in Köln. Zur Messe als solches deshalb nur ein paar Impressionen (Ergänzendes bei e-teaching.org, bei Gabi und Tamara). Es ist nach wie vor primär eine LehrerInnenmesse; die  erfahrenen Jäger und Sammler sind zu erkennen an ihren großen Transportbehältern (Rollkoffern oder XXL-Tragetaschen, mit denen Prospekte, Einkäufe (mit Messerabatt) und Give Aways kiloweise fortgeschafft werden.

Selber eigentlich fixiert auf medientechnische Neuheiten, fielen mir (vielleicht gerade deshalb?) etliche ganz klassische Medienangebote ins Auge, wie der Knochenkarle oder (inzwischen auch hochtechnisierte) Ausbildungsplätze für die betriebliche Ausbildung.

E-Learning war auf der Messe keineswegs dominant, sondern eher randständig.Immerhin gab es eine (überschaubare) Sonderfläche eLearning dem eine Ausgabe des eLearning Journals gewidmet war und ein Forum eLearning, das allerdings bei meinen Stippvisiten (und wohl auch sonst) schlecht besucht war.

Auffällig allerdings die Allgegenwart der interaktiven Whiteboards - sowohl durch die  Anbieter, aber auch als Präsentationsmedium bei klassischen Anbietern. Ob Touchscreens (wie wir sie von Smartphones inzwischen kennen), gezeigt von Focus,  schon die nächste Generation der Whiteboards darstellen, weiß ich nicht, immerhin ersparen sie den Beamer und bieten brillante Bilder. Am Stand unseres Ex-Kollegen Christian Kohls (nun bei Smart Technologies) brummte es jedenfalls. Dort fand sich auch der erste Multitouch-Tisch für Schulen. Ein schönes Spielzeug. Legamaster verkündete jedenfalls gleich das Ende der Kreidezeit … aber da scheint sich wirklich etwas durchzusetzen.

Nachtrag: Aus meinen Mitbringseln gefischt habe ich von Schulen ans Netz den Themendienst 01/2010: Informationsflut oder -vielfalt? Die Schirrmacher-Debatte. Darin werden Schirrmachers zentrale Thesen (aus seinem Buch Payback) herausgegriffen und auf Stichhaltigkeit überprüft. Schön, dass so zeitnah eine qualifizierte und verständliche Darstellung vorgelegt wird. Lesenswert!

meine Edubloggersphäre

Abgelegt unter: Allgemein, Visualisierung — JoWe um 18:33 am 16.03.2010

In seinem Artikel zur Kommentarkultur hat Rolf Schulmeister auch die Verlinkungen der von ihm untersuchten Edublogger laut ihrer Bloggroll visualisiert. Mit einem Tool wie pajek lassen sich umfangreichere Darstellungen halb automatisch erstellen; etliche Handarbeit ist allerdings notwendig (Dank an Iassen und Nina, die mir die notwendigen Handgriffe gezeigt haben). Keine Ahnung ob es mit anderen Tools evtl. leichter geht.Jedenfalls habe ich mal, ausgehend von meiner eigenen Blogroll (gelb), meine verlinkten Kollegen (rot) und deren Blogroll (türkis) zusammen gestellt. Auch diese Grafik zeigt, dass die von Rolf Schulmeister ausgewählten Edulogger gut untereinander vernetzt sind, dass es aber einige darunter gibt, die die Verbindung “nach außen” herstellen (wie Spannagel, Kerres, Robes oder Neuhaus), also zu Personen ohne direkte Verbindung zum “Kern”. Nun wiederum deren Blogrolls abzufragen und einzubauen, fehlte mir die Zeit. Vielleicht gäbe es dann durchaus wieder Rückverlinkungen, vor allem aber wohl einen neuen äußeren Kranz.

Um an Schulmeister anzuknüpfen wäre es sicher interessanter, in ähnlicher Weise die Kommentatoren zu visualisieren; oder auch die Follower/Followees bei Twitter. Das ist mir allerdings einfach ein bisschen zu zeitaufwändig. Vermutlich gibt es auch Tools, um so etwas automatisch zu extrahieren. Wenn sich jemand damit auskennt, hätte ich Lust daran weiter zu werkeln … also ruhig melden!

SoftwareMuseum: At Ease - die iPhone-Oberfläche hat Vorläufer

Abgelegt unter: SoftwareMuseum — JoWe um 12:29 am 11.03.2010

Mit dem iPhone hat eine neue Oberfläche auf Smartphones - und demnächst auch auf dem iPad und vergleichbaren Geräten - Einzug gehalten. Kennzeichnend ist die Darstellung der verfügbaren Applikationen als große Buttons. Der Aufruf der Programme erfolgt durch einfaches Antippen mit dem Finger (wie die Abbildung aus dem Benutzerhandbuch zeigt). Alle weiteren Interaktionen innerhalb des Programms sind dann abhängig von der jeweils vorgesehenen Funktionalität. Dafür sind natürlich die Finger-bedienung und die Nutzung der zahlreichen Sensoren des iPhone bestimmend.

Auch wenn diese Möglichkeiten bei älteren Computern noch nicht zur Verfügung standen, so sind Versuche, das eigentliche Betriebssystem von den Nutzern fernzuhalten und einfachste Bedienmöglichkeiten anzubieten, schon sehr alt. Ich möchte an dieser Stelle deshalb auf At Ease verweisen, eine Alternative zum üblichen Schreibtisch der Macintosh-Computer (eingeführt mit System 7.1, 1992). At Ease bietet ein einfaches bildschirmfüllendes Fenster mit zwei Kartenreitern, über die zu den Programmen (in der Abb. oben) bzw. den Dokumenten der Nutzer (Mitte) gewechselt werden kann. Der Aufruf der Programme bzw. der Dokumente erfolgt dann durch einfachen Mausklick auf die Schalter. Dasselbe gilt für die Kontrollfelder (unten) zur Systemsteuerung (Weiteres zur GUI) .

Diese Oberfläche war vor allem gedacht für die Nutzung in Klassenräumen durch Schüler oder in Kiosksystemen. Auch damals ging es also schon darum, unerfahrenen Nutzern den Zugang zu erleichtern.