Eine Systemfrage?

Abgelegt unter: Fachliches, OLPC — JoWe um 18:43 am 30.04.2010

Für das iPhone-Projekt der Primarschule Goldau diskutiert Beat Döbeli die Frage, ob geschlossene, proprietäte Systeme für die Schule sinnvoll sind. Es lohnt sich, seine Abwägungen zu gesellschaftspolitischen, Informatik-didaktischen und ökonomischen Aspekten in Gänze nachzulesen. Hintergrund ist die Tatsache, dass das iPhone (und nun auch das iPad) allerlei Einschränkungen seitens Apple unterliegt, was ja auch außerhalb des Schulkontextes kontrovers diskutiert wird.

Wie ich hier schon geschrieben habe, plädiere ich für eine 1:1-Ausstattung und zwar schon mit Beginn der Grundschule. In dem Kontext möchte ich dann allerdings die Frage der Ausstattung ungern zu einer Systemfrage stilisieren, sondern halte es für wichtiger, dies an schulrelevanten Nutzungsformen auszurichten (ausführlicher in Wedekind, 2010):

  • Zugang zum Weltwissen (über das Internet)
  • Unterstützen kooperativen und kollaborativen Arbeitens sowie Kommunikation (sowohl intern als auch extern)
  • Erschließung neuer Inhalte (über das Web) bzw. neuer Zugänge zu Inhalten (Computer als Werkzeug mit Multimedia und Interaktion)
  • Unterstützen eigenständigen und selbstgesteuerten Lernens

Weil ich die System- bzw. Geräteauswahl daran ausrichte, plädiere ich heute nicht mehr für Netbooks, sondern für die Einführung von Tablet-PCs. Das iPad hat dafür die Messlatte gelegt; mit dem WePad u.a. stehen in Kürze Alternativen zur Auswahl. Mit all diesen Geräten wird der Zugang zum Internet ermöglicht und genau darüber (und weniger über proprietäre Apps) der (in der Regel kostenlose) Zugriff auf webbasierte Werkzeuge, mit denen die o.g. Nutzungsformen umsetzbar sind.

Ich kann deshalb Guzdials Bedenken nicht teilen, die Menschen (hier also unsere Schülerinnen und Schüler) würden dadurch zu reinen Bedienerinnen und Bedienern der Geräte; im Gegenteil, die Elemente des Mitmach-Web können damit in den Unterricht geholt werden. Zumindest bei den iPad-Alternativen sollte sogar der Zugriff auf schulrelevante Programmierumgebungen möglich werden (wie (Net)Logo, Scratch, Etoys usw.). Mit der Kombination klein, leicht und Multitouch sind die Tablets deshalb für unsere Grundschulen eine attraktive Alternative zum XO-Laptop.

Was will die Generation Internet wirklich?

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 12:31 am 26.04.2010

Das ist die Leitfrage des Stuttgarter Medienkongress, der Lösungen für den Umgang mit der Zielgruppe 14-29 Jahre liefern soll, nämlich den Medienmix für die Digital Natives. Abgesehen davon, dass der Kampf gegen gedankenlosen Gebrauch der Begriffe Generation Internet oder Digital Natives offensichtlich einer gegen Windmühlen ist, ist das Irritierende, dass die Vertreter dieser Zielgruppe selber bei dem Kongress wohl kaum vertreten sein werden. Für die ist schon die Tagungsgebühr von 125,00 € eine Zugangsbarriere und auch im Programm sind sie nicht direkt vertreten. Das wird bestritten von Top-Referenten aus der Medienbranche (unter der Schirmherrschaft von Medienminister Rau - genau: bis vor kurzem Kultusminister in Baden-Württemberg). Die sollen Antworten liefern auf die entscheidene Frage, was die Generation Internet wirklich will.

Besetzung und Programm stehen für mich in Gegensatz zu anderen Foren, über die ich mich bisher diesem Themenkomplex genähert habe, wie etwa die EduCamps. Aber das liegt sicher mit daran, dass  es hier ja auch um neue Geschäftsmodelle und zukunftsstarke Strategien der Medienbranche gehen soll, nämlich um Veränderungen der Nutzungsgewohnheiten in Bezug auf den Medienkonsum und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Märkte. Womit also der Kongress eine neue Plattform für die Medienschaffenden bieten und Stuttgart dabei als Standort starker Medienunternehmen ins Bewusstsein gebracht werden soll. Na, mal sehen, ob ich den Kongress auch von Außen etwas begleiten kann; es gibt RSS-Feed, Twitter und eine XING-Gruppe.

A/V-Boom?

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 12:22 am 09.04.2010

Nach einigen Tagen Urlaub steht das Aufarbeiten der aufgelaufenen Informationen an. Tweets nachlesen geht schon mal gar nicht; es sind einfach zu viele. Bei RSS-Feeds wirds auch mühsam. Was mir aufgefallen ist (auch wenn ich dazu keine Strichliste angelegt habe): Es gibt immer mehr Audio- und Videobeiträge, auf die per Tweet verwiesen wird oder die direkt in den Blogs angeboten werden. Ich habe damit ein Problem.

Nach jahrelanger Praxis kann ich schriftliche Dokumente relativ schnell überfliegen, auf Relevanz für mich überprüfen, Argumentationsstränge nachvollziehen und bei Bedarf Passagen exzerpieren oder speichern. Bei den Audio- und Video-Beiträgen kann ich das nicht. Da bin ich gezwungen, alles von vorne bis hinten anzuhören/anzusehen; wenns wirklich wichtige Passagen sind womöglich mitschreiben. Für mich widerspricht das dem schnellen Medium. Gut, bei YouTube kann ich im Prinzip durchscrollen, dann aber nur am Bild orientiert. Bei den Webaudios gibt es i.d.R. keinen schnellen Vorlauf mit Ton - obwohl ich mich erinnere, dass auf der DeLFI 2006 eine Studie vorgestellt wurde, dass bei bis zu dreifacher Ablaufgeschwindigkeit der Sinngehalt noch erfassbar sei.

Aber letztlich ist es eben eine Form der linearen Rezeption in Echtzeit (die ich meistens nicht habe bzw. aufwenden kann und will). Da hilft es dann auch wenig, wenn z.B. der geschätzte Herr Larbig bei seinem neuesten Audiobeitrag anmerkt, dass auf jeden Fall die letzten 2:30 (von insgesamt 17) Minuten wirklich angehört werden sollten.