was wird aus OLPC?

Abgelegt unter: OLPC — JoWe um 20:01 am 04.05.2008

In der OLPC-Organisation hat es einige personelle Veränderungen gegeben. Chefentwicklerin Mary Lou Jepsen (vom Time Magazine vom 2. Mai 2008 unter die 100 einflussreichsten Menschen der Welt gewählt) hatte OLPC bereits Ende 2007 verlassen. Nun ist auch Walter Bender gegangen. Er war verantwortlich für die Software- und Inhaltsentwicklung. Zu den Gründen hat er sich in den Community-News und in einem Interview mit Xconomy geäußert. Neuer Präsident der Organisation ist nun Charles Kane.

Viele befürchten, dass mit den personellen Veränderungen auch Änderungen in der Gesamtausrichtung des Projekts zu erwarten sind, insbesondere wegen der verstärkten Bemühungen, über Dual-Boot-Versionen des XO-Laptops auch Windows anzubieten. Das Argument von Kane und Negroponte, nur dadurch ließen sich Entscheidungsträger davon überzeugen, den XO-Laptop in großen Stückzahlen zu bestellen ist m.E. sehr zwiespältig.

Die Entscheidung auch Windows draufzupacken hat nämlich Nebenwirkungen. Der Preis: Microsoft wird die Lizenz zwar billig aber nicht kostenlos abgeben. Update-Problem: Wird sicher schwieriger als bei einem quelloffenen System. Die Community: Ich gehe davon aus, dass etliche, die sich bisher engagiert haben, durch diesen Entscheid abgeschreckt werden (auch die deutsche OLPC-Community diskutiert genau dieses). Nach meiner Einschätzung lebt die konzeptionelle und inhaltliche Weiterentwicklung stark von der Community. Außerdem: Gibt es dann unterschiedliche Laptop-Linien, die bei Entwicklungen berücksichtigt werden müssen; wie bleibt alles zueinander kompatibel?

Das Verlangen nach Windows kann ja nicht mit den Bedürfnissen der Kinder begründet werden. Die kennen weder das Eine noch das Andere. Der Anspruch von Sugar ist doch der einer kindgerechten Software. Die Gründe dafür müssen den Entscheidungsträgern (denn die sind für Windows und mit denen verhandelt Negroponte) deutlich gemacht werden, was sicher nicht immer einfach ist. aber diese Überzeugungsarbeit muss mit Engagement betrieben werden. Den Eindruck habe ich bei Negroponte nicht (mehr).

Wenn Charles Kane sagt … the mission is to get the technology in the hands of as many children as possible, whether that technology is from one operating system or another, one piece of hardware or another, or supplied or supported by one consulting company or another doesn’t matter, dann verkennt er, dass um Sugar eine Community und ein Entwicklungspool entstanden ist, die für den langfristigen Erfolg mitentscheidend sein können. Seine Aussage It’s about getting it into kids’ hands. Anything that is contrary to that objective, and limits that objective, is against what the program stands for, stärkt Befürchtungen, es könne doch nur ein Laptop-Projekt werden statt eines Bildungsprojekts.

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