Die GMW

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 22:04 am 28.09.2008

Die Jahrestagung der GMW ist nun auch schon eine Woche her. Inzwischen gibt es die Vorträge als Videostreams im Video-Archiv und der Tagungsband kann - zum ersten Mal - kostenfrei beim Waxmann Verlag herunter geladen werden. In der Reihe Medien in der Wissenschaft ist es bereits der zweite Versuch einer Hybrid-Publikation nach dem Buch Good Tags - Bad Tags (herausgegeben von meinen ehemaligen Projektkolleginnen Stefanie Panke und Birgit Gaiser sowie Thorsten Hampel). Damit geht die GMW inzwischen neue Wege.

Auf der Mitgliederversammlung wurde u.a. darüber nachgedacht, warum die Zahl der Mitglieder bei der GMW seit Jahren stagniert (bei etwa 300 inkl. der korporativen Mitglieder) bzw. wie deren Zahl erhöht werden könnte. Die GMW begreift sich als Netzwerk der interdisziplinären Kommunikation zwischen Theorie und Praxis, zwischen Wissenschaft und Anwendung im deutschsprachigen Raum. Dabei konzentriert sie sich auf die Hochschulen. Aber vielleicht fehlt es ja an der intendierten Interdisziplinarität.

Graham Attwell hat diese Erfahrung so charakterisiert:

The fact is that lately every conference I have taken part in, I always meet these brilliant minds who are thinking of doing something fantastic with educational technologies. They are usually people who either are developing a new piece of software or came up with this great idea to approach their practice differently. It also turns out that 9 out of 10 of those people I meet in these conferences call themselves Learning Technologists, Learning Technologies researchers, Lecturers in learning technologies, and so on!  Although there is nothing wrong with it, the fact is that we end up preaching to the choir; talking to those who have already perceived the potential and educational side of learning technologies. And all of a sudden everything seems so easy because our audience nods with conviction while we enthusiastically present about our topic. However, outside the conference building, our audience is not always like this.

Gut gelingt das allerdings der britischen ALT (Association for Learning Technology: ALT is a professional and scholarly association which seeks to bring together all those with an interest in the use of learning technology … with over 200 organisations and over 500 individuals in membership), wie ich einige Male auf deren Jahrestagungen erleben konnte. Da kamen sehr viele Fachvertreter (also z.B. Chemiker, WiWis, Sprachler usw.), für die learning technology nicht das eigene Forschungsfeld sondern Anwendungsbereich darstellt. Trotzdem sehen sie die ALT und deren Tagungen als wichtige - eben interdisziplinäre - Austauschplattform an. Die ALT hat sich auch als Ansprechpartner für die Bildungspolitik profiliert (was bei uns wegen des Bildungsföderalismus natürlich schwieriger ist) und ist auch dadurch eine gefragte Organisationsplattform. Das scheint mir bei der GMW stark ausbaufähig. Das gilt übrigens auch für die DeLFi, der zweiten wichtigen deutschsprachigen Tagung, die ebenfalls sehr fokussiert ist, dort eher auf die Informatiker.

Ich plädiere deshalb und werbe für die GMW als ideale Zweitgesellschaft. Klar haben die Physiker die Deutsche Physikalische Gesellschaft, die Psychologen die Deutsche Gesellschaft für Psychologie usw. Aber der Austausch über die digitalen Medien findet dort nur peripher statt. Für Fachwissenschaftler, die den Austausch in konzentrierter Form suchen, finden diesen also bei der GMW. Wer immer als GMW-Mitglied die Chance hat, an entsprechenden Fachkonferenzen teilzunehmen, sollte dort ein wenig die Werbetrommel für die GMW rühren.

Die Mitgliedschaft in dieser Community lohnt sich, das zeigen die Aktivitäten der GMW wie die profilierte Buchreihe, die Jahrestagungen und der von der GMW initiierte und organisierte MEDIDA-PRIX. Wer immer von meinen LeserInnen noch nicht Mitglied der GMW ist, möchte ich sehr empfehlen, dies in Erwägung zu ziehen! Die Online-Anmeldung ist nur einen Mausklick entfernt.

3 Kommentare »

Kommentar von Cristina Costa

29. September 2008 @ 12:08

Eigentlich was ich wer den blogPost geschrieben habe. [ bin auch nicht sicher ob Graham 100% damit einverstanden ist, aber wenn ich es geschrieben habe, war ich nach meiner Erfahrung überzeugt das es so war. Inzwischen habe ich meine Meinung ein bisschen geändert…]
Und Sie sind auch richtig zu sagen das es nicht ganz so ist; und dass es auch andere Gesellschaften gibt, die sich um dieses Thema kümmern.
Nachdem ich den Post geschrieben habe, habe ich schon an anderen Tagungen teilgenommen, in denen es mehr Interdisziplinarität gab. Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir uns eine Weile noch mit diesem Thema beschäftigen sollten.
Eine Gesellschaft besteht aus verschieden Leute mit verschieden Interessen, Erfahrungen und Fähigkeiten.
Langsam werden wir es schaffen… so ich hoffe. Wir sind auf den guten Weg. Je mehr wir mit verschieden Leute engagieren, desto mehr wir Interdisziplinarität- Austauchen Möglichkeiten schaffen werden.
Web 2.0, und der Interdisziplinarität Konzept sind noch neu für meisten und es ist nicht leicht unsere Komfort-Gebiet zu verlassen und ein ganz andere, offene Welt, die nicht nur zu uns (unsere Expertenfeld - wenn es noch gibt…!) sondern zu allen gehört, einzutreten. Wir haben immer in Disziplin spezifisch gelernt….
Danke für den Link - es scheint interessant - ich weiß nicht ob ich mich Anmelden soll, dass mein Deutsch nicht so gut ist, aber ich werde die Website schauen und den Link mit anderen Leuten teilen ;-)

Kommentar von Frank Vohle

21. Oktober 2008 @ 09:55

Ich finde ihren Vorschlag sehr gut, also den mit der “Zweitgesellschaft”. Meine Erfahrung mit der Sportwissenschaft ist derzeit, dass man die Bildungstechnologien schwer IN die Fachwissenschaft hereinbekommt; das hat viele Gründe, die meist in den fachwissenschaftlichen Reputationskriterien begründet liegen (Mit e-leanring kann man in den Fächern nicht gerade einen Blumentopf gewinnen). Dennoch gibt es ein wachsendes Interresse an den digitalen Medien aus den Fächern heraus und genau hier kann man ansetzen. Derzeit versucht man diesem Interesse durch kleinere Fachkongresse INNERHALB der Disziplinen nachzukommen (Medizin+e-learning etc.) Ob das Sinn macht? Im Zuge der angestrebten Interdisziplinarität wäre die GMW ein guter Versammlungsort für alle Facher, auch deshalb, weil man jeweils viel von den e-learning Konzepten aus anderen Disziplinen lernen kann. Das Problem ist nur, dass der Begriff Zweitgesellschaft natürlich nicht so klasse klingt, aber über diesen Ansatz (mit entsprchenden Werbemaßnahmen in den Fachgesellschaften) intensiver nachzudenken, das halte ich für wichtig!

Kommentar von JoWe

21. Oktober 2008 @ 10:10

ok, Zweitgesellschaft klingt abwertend, Parallelgesellschaft hätte wohl auch falsche Konnotation ;-)

Wichtig wäre auch - wenn man interdisziplinär ausgerichtet sein will - eine niedrigschwellige Sprache. Der Fachjargon der Community mag doch viele eher abschrecken. Ausbaufähig wären sicher auch die Angebote der GMW, Neulingen den Zugang zum Thema und zur Community zu erleichtern. Dazu zähle ich die Pre-Conference-Aktivitäten bei der Jahrestagung oder auch die von ihr organisierten Workshops. Da könnten weitere Kooperationen helfen. Für die Kooperationspartner ist das Label GMW ja durchaus auch werbewirksam.

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