Es gibt sie also doch!
Während die Diskussion noch läuft, ob es die Digital Natives überhaupt gibt, melden diese sich schon zu Wort. Und zwar mit einem Manifest. Gefunden im Buch DNAdigital (wenn Anzugträger auf Kapuzenpullis treffen). DNAdigital ist eine Initiative des dritten nationalen IT-Gipfels. Dort gab es eine Arbeitsgruppe Konvergenz der Medien, in der sich deutsche Unternehmensvertreter mit Digital Natives treffen und austauschen konnten. Ich muss gestehen, die Zielformulierung der Initiative ist für mich stromlinienförmiges Marketing-Geblubber und der Versuch, halb (falsch) Verstandenes zu integrieren und zu ökonomisieren:
Ziel und zentrale Vision der Initiative DNAdigital ist es, die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels für Unternehmen und Mitarbeiter zu formulieren und in eine produktive, gemeinsame Verantwortung zu überführen. Dazu gehört das Verständnis der Zäsur zwischen den Generationen am Arbeitsmarkt ebenso wie Fragen nach Kollaboration, Transparenz und Kontrolle in Unternehmen. Der notwendige Wandel dieser Strukturen erfordert Mut und Offenheit, von der Führung wie von den Mitarbeitern […]. In gemeinsamer Verantwortung von Einflussnehmern aus der Wirtschaft und aus der digitalen Kultur sollen Ideen, Projekte und praktische Konzepte für die Gestaltung der zukünftigen Arbeitswelt entstehen.
Dazu passen dann die Formulierungen im Manifest (übrigens hat Matthias Müller-Prove sinnigerweise ein Manifest der digitalen Immigranten angemahnt!):
Wir sind die Evolution der Fernseh-Generation, […] So sind wir Individuen in der Unterschiedlichkeit unserer Netzwerke, immer und überall online, als Peer im Kontakt mit unseren Netzwerken. Die Tausch-Kultur im Netz ist unser Werk und die offene Gesellschaft unser Ziel. […] Die Schwierigkeit eines Problems misst sich bei uns nicht am Wissen des Individuums, sondern seiner Fähigkeit zur vernetzen Kommunikation. Abhängig vom Grad der individuellen Vernetzung gelingt es uns für fast jedes Problem eine Lösung zu finden. […] Klassische Neun-bis-Fünf-Uhr-Jobs sind ein Relikt aus den Zeiten der Industrialisierung. Es wird Zeit, die Arbeit von starren Arbeitsmodellen zu befreien. […] Unser Wertesystem kennt neben Lohn auch den Wert der Selbstverwirklichung und Eigenmotivation. Zwischen Arbeit und Privatleben zu unterscheiden fällt unter diesen Voraussetzungen schwer. […] Als Digital Natives unterstützen wir deshalb alle Initiativen, die Informationen und Werkzeuge frei und wiederverwendbar verfügbar machen. […]
Soweit Timo Heuer und Robert Dürhager, die sich als Digital Natives verstehen und dies (mit)formuliert haben. Jedenfalls passt das schon irgendwie auch wieder zu den von BITKOM formulierten Thesen:
Durch die Entwicklung zum Enterprise 2.0 lassen sich die Talente von Menschen besser nutzen und verstärken.
Durch eine intelligente Vernetzung der Menschen können Unternehmen schneller, flexibler und besser reagieren und Innovationszyklen verkürzen.
Agile und innovative Unternehmen sind attraktiver für qualifizierte Talente.
Also aufgepasst, EduPunks und EduHacker, sonst vereinnahmen auch euch die Obermanns und Scheers …