Es gibt sie also doch!

Abgelegt unter: Fachliches — JoWe um 13:01 am 01.04.2009

Während die Diskussion noch läuft, ob es die Digital Natives überhaupt gibt, melden diese sich schon zu Wort. Und zwar mit einem Manifest. Gefunden im Buch DNAdigital (wenn Anzugträger auf Kapuzenpullis treffen). DNAdigital ist eine Initiative des dritten nationalen IT-Gipfels. Dort gab es eine Arbeitsgruppe Konvergenz der Medien, in der sich deutsche Unternehmensvertreter mit Digital Natives treffen und austauschen konnten. Ich muss gestehen, die Zielformulierung der Initiative ist für mich stromlinienförmiges Marketing-Geblubber und der Versuch, halb (falsch) Verstandenes zu integrieren und zu ökonomisieren:

Ziel und zentrale Vision der Initiative DNAdigital ist es, die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels für Unternehmen und Mitarbeiter zu formulieren und in eine produktive, gemeinsame Verantwortung zu überführen. Dazu gehört das Verständnis der Zäsur zwischen den Generationen am Arbeitsmarkt ebenso wie Fragen nach Kollaboration, Transparenz und Kontrolle in Unternehmen. Der notwendige Wandel dieser Strukturen erfordert Mut und Offenheit, von der Führung wie von den Mitarbeitern […]. In gemeinsamer Verantwortung von Einflussnehmern aus der Wirtschaft und aus der digitalen Kultur sollen Ideen, Projekte und praktische Konzepte für die Gestaltung der zukünftigen Arbeitswelt entstehen.

Dazu passen dann die Formulierungen im Manifest (übrigens hat Matthias Müller-Prove sinnigerweise ein Manifest der digitalen Immigranten angemahnt!):

Wir sind die Evolution der Fernseh-Generation, […] So sind wir Individuen in der Unterschiedlichkeit unserer Netzwerke, immer und überall online, als Peer im Kontakt mit unseren Netzwerken. Die Tausch-Kultur im Netz ist unser Werk und die offene Gesellschaft unser Ziel. […] Die Schwierigkeit eines Problems misst sich bei uns nicht am Wissen des Individuums, sondern seiner Fähigkeit zur vernetzen Kommunikation. Abhängig vom Grad der individuellen Vernetzung gelingt es uns für fast jedes Problem eine Lösung zu finden. […] Klassische Neun-bis-Fünf-Uhr-Jobs sind ein Relikt aus den Zeiten der Industrialisierung. Es wird Zeit, die Arbeit von starren Arbeitsmodellen zu befreien. […] Unser Wertesystem kennt neben Lohn auch den Wert der Selbstverwirklichung und Eigenmotivation. Zwischen Arbeit und Privatleben zu unterscheiden fällt unter diesen Voraussetzungen schwer. […] Als Digital Natives unterstützen wir deshalb alle Initiativen, die Informationen und Werkzeuge frei und wiederverwendbar verfügbar machen. […]

Soweit Timo Heuer und Robert Dürhager, die sich als Digital Natives verstehen und dies (mit)formuliert haben. Jedenfalls passt das schon irgendwie auch wieder zu den von BITKOM formulierten Thesen:

Durch die Entwicklung zum Enterprise 2.0 lassen sich die Talente von Menschen besser nutzen und verstärken.

Durch eine intelligente Vernetzung der Menschen können Unternehmen schneller, flexibler und besser reagieren und Innovationszyklen verkürzen.

Agile und innovative Unternehmen sind attraktiver für qualifizierte Talente.

Also aufgepasst, EduPunks und EduHacker, sonst vereinnahmen auch euch die Obermanns und Scheers …

3 Kommentare »

Kommentar von Gabi Reinmann

2. April 2009 @ 05:52

Hallo Joachim,

danke für die interessanten Zitate. Ich glaube, letztes Jahr im Juni auf der Edumedia in Salzburg waren einige nicht ganz so begeistert von meiner “Schelte an der Selbstorganisation”, ist man sonst doch “Dekonstruktionen” nur von Rolf gewöhnt ;-). Aber meine Kritik ging ja auch eher in die Richtung, die du mit deinem Beitrag ansprichst: Eine aus meiner Sicht nicht hinnehmbare Instrumentatlsierung und dann auch Überhöhung von sogenannten selbstorganisierten Lern- und Bildungsprozessen mit dem Web 2.0. Ich bin wirklich NICHT ökonomiefeindlich, aber ich finde es für alle Beteiligten besser, die Karten offen auf den Tisch zu legen, worum es in einer Organisation jeweils geht, ja gehen muss. Und Unternehmen müssen anders ticken und das ist ja auch ihr gutes Recht: Nur dann so einen Blödsinn zu verzapfen und den Leuten das Blaue vom Himmel zu versprechen, das geht nicht. Aber es geht auch nicht, dass Schule und Hochschule so versagen, wenn es ums kritische Denken geht, und das müsste einem doch sagen, dass da was faul ist, wenn Unternehmen sich als die besseren Bildungsanstalten verkaufen wollen …

Gabi

Kommentar von JoWe

2. April 2009 @ 14:54

Liebe Gabi,

jetzt können wir doch gespannt den 3. Wissenswert Blog Carnival verfolgen. Sein Thema: Kulturschock Unternehemenspraxis? Was passiert, wenn die Net Generation auf die Arbeitswelt trifft? (wirklich Zufall, ich wusste gestern nicht, dass heute diese Einladung kommt). Eigentlich das Gleiche, wie bei DNAdigital. Mal sehen, ob sich da eine Schnittmenge zu den dort Beteiligten bildet - und ich hoffe doch, dass die Beiträge etwas differnzierter ausfallen.

Joachim

Kommentar von Gabi Reinmann

4. April 2009 @ 17:02

Danke für den Hinweis! :-)

Gabi

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