Twitter Gewitter
Jetzt bin also auch dabei - beim Twittern (zu finden als jowede; und war dann erstmal irritiert/amüsiert, wie offensichtlich treffend Biancas Comic-Konterfei von mir ausgefallen ist). Anlässlich der Tagung E-Learning 2009 besorgte ich mir den Account, um am tagungsbegleitenden Twittern teilnehmen zu können, schließlich war dort eine tagungsbegleitende Twitter-Wall angekündigt worden.
Der Einstieg war schon mal überraschend. Kaum hatte ich mich angemeldet, hatte ich schon den ersten Follower (war - eigentlich wenig überraschend - cspannagel). Binnen weniger Stunden waren es schon zwei Dutzend. Das erhöht den Druck, aktiv zu werden, denn Follower erwarten ja was … oder nicht?
Getwittert wurde dann auch auf Teufel komm raus. Die “offiziellen” Tagungsinfos sind nachzulesen unter berlinEL09, interessanter und umfangreicher allerdings sind die Beiträge der Tagungsteilnehmer unter bel09. Die Statistik ist schon mal beeindruckend. Obwohl sich ein bekanntes Phänomen wiederholt: 8% der Twitterer produzierten 52% der Tweets.
Auf dem Tagungsgelände selbst war das Twittern allerdings nicht allzu präsent, die “Wall” eher unscheinbare Monitore. Mitbekommen hat man es eigentlich nur, wenn man selbst mit drinne war. Auch den Vortragenden, egal ob Keynoter oder in den Sessions, blieben diese Infos in Realtime vorenthalten.
Ganz praktisch wurde es für mich selbst dann während der ersten beiden Keynotes des ersten Tages. Da brach ein regelrechtes Twitter-Gewitter über mich herein … Im Wesentlichen kamen Beschwerden, dass Hesse das Publikum unterschätze und nur Altbekanntes erzähle. Ich fand dabei manche Tweets leicht unter der Gürtellinie (nicht nur bei diesem Beitrag) und wenig hilfreich, da die Organisatoren, geschweige denn die Redner, dies in Echtzeit aufgreifen und reagieren konnten. Dafür müsste erstmal ein neuer, produktiver Weg der Moderation gefunden werden, denn allein die Tweets parallel einzublenden garantiert nicht mehr Interaktivität in einer solchen Veranstaltungsform. So hatte es denn eher den Charakter eines Ventils (für Unzufriedenheit).
Die vielen Hinweise, wer gerade wo welchen Vortrag hört, hatten für mich auch eher Ablenkungscharakter denn Informationswert. Aber natürlich waren auch viele interessante Hinweise dabei, z.B. Links zu verfügbaren Zusatzinfos, Begriffsklärungen u.ä. Ich für meine Person habe aber gemerkt, dass die schiere Menge laufend eintrudelnder Tweets doch einiges von meiner Aufmerksamkeitskapazität abzweigt. Vielleicht sagt es ja was über die Qualität der Keynotes vs. die Papersessions, dass ich deswegen nur bei den Keynotes mitgzwitschert habe, ansonsten den Vortragenden meine volle Aufmerksamkeit zukommen ließ.
Nach Ende der Tagung habe ich mich gefragt, was denn dieses Tagungsgetwittere den Teilnehmenden vor Ort gebracht hat und was könnte es denen gebracht haben, die von draußen zugeschaut haben, weil sie nicht dabei sein konnten. Meine Gespräche vor Ort zeigten jedenfalls ein sehr diffuses Bild, von “naja, ganz witzig” über “ausbaufähiges Experiment” bis zu “nur so kommen wir zu interaktiveren Tagungen”. Ich plädiere also auch für experimentellen Ausbau. Für Externe kann es wohl tatsächlich, insbesondere in Kombination mit den Streams, einen intensiveren Eindruck vom Tagungsgeschehen und der Stimmung vor Ort vermitteln; nicht schlecht, wenn es so als Werbung für die nächste Tagung wirkt.
Als nächtes bin ich gespannt, ob das Twittern in meinem Arbeitsalltag eine Bedeutung gewinnt. Mal sehen - einigen interssanten Personen folge ich ab jetzt.