EduCamp 2010 Hamburg

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 17:08 am 09.02.2010

Das war es also schon, mein erstes EduCamp. Allein schon, wie schnell die Zeit verging, die Dichte der Sessions und der Gespräche dazwischen sind für mich ein  gutes Zeichen. Auch wenn nicht alle der jeweils 200 angemeldeten Personen erschienen, gab es eine Fülle (eigentlich Überfülle) an Sessions, die nur mit Mühe in dem engen Zeitplan und den zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten unterzubringen waren.

Die Vorstellungsrunde zu Anfang, erfreulich diszipliniert mit Beschränkung auf Namensnennung, Herkunft und drei Tags, machte schon die Bandbreite an fachlichen und beruflichen Hintergründen deutlich, die die Teilnehmerinnen mitbrachten. Obwohl die Tags nicht immer leicht zu entschlüsseln waren (manche sachlich, manche bewusst ironisierend?) … deshalb hier meine eigenen nochmals mit Kurzerklärung:

  • Mediendidaktik (weil ich mich nicht als Medienpädagoge verstehe)
  • Bastler (weil ich gerne Dinge konkret ausprobiere und Spass an den dabei entstehenden Produkten habe)
  • Silver Surfer oder Edupunk? (ironisierend, weil ich solche Zuordnungen eigentlich daneben finde)

Schön auch, dass ich etlichen meiner bisher nur virtuellen Kontakte erstmals die Hand schütteln konnte. Zweimal während des EduCamps war ich selber aktiv, was ich aber noch nicht aufgearbeitet habe; deswegen dazu hoffentlich später mehr. Insgesamt hatte ich das Gefühl von Session zu Session zu hetzen (weil alle doch die volle Zeit ausnutzten), weshalb ich mir bewusste Auszeiten genommen habe, um die f2f-Kontakte zu pflegen - da habe ich bei normalen Konferenzen schon mehr geplante Freiräume erlebt. Um den Vergleich mit den mir bekannten traditionellen Konferenzformaten auszuweiten: Ich fand die Organisation ziemlich perfekt. Mit viel Improvisationsgeschick wurden die Räume auch den rasch wechselnden Bedürfnissen angepasst; von Lernräumen, in die Technik organisch integriert ist, waren wir allerdings noch weit entfernt (was wirklich kein Vorwurf an die Veranstalter ist, aber zeigt, dass selbst an einer Hochschule sowas normalerweise noch nicht zu haben ist).

Während sonst Tagungsbände die Hauptquelle der Information für weitere Interessierte sind, gibt es vom EduCamp die Unterlagen, die überwiegend im Wiki zugänglich sind und inzwischen eine Fülle von Blogeinträgen, die die Erfahrungen reflektieren. Was ich noch vermisse, sind mehr konkrete Unterlagen (so wie z.B. die Folien zur Heuschreckenbasierten Bildungsrevolution) oder gar Zusammenfassungen von Diskussionsergebnissen. Aber vielleicht kommt das ja noch; ich fühle mich da durchaus selber in der Pflicht.

Ein echter Aufreger vor, während und nach dem EduCamp war die Podiumsdiskussion (Aufzeichnung ansehen!), nämlich ob es denn überhaupt eine geeignete Form im Rahmen des EduCamps sei. Meine Perspektive ist zunächst ein wenig anders und ich nehme mal die klassischen Podien als Maßstab; abschreckendes Beispiel wäre das der letzten GMW-Tagung in Berlin. Dagegen fand ich dann die gewählte Form mit der Fishbowl durchaus gelungen - die Eingangsstatements waren erfreulich knapp und über den wechselnd besetzten “leeren Stuhl” kamen etliche Diskutanten aus dem Publikum zu Wort. Vor allem aber gab es im Vorfeld von Rolf  Schulmeister, Lisa Rosa und Benjamin Jörissen bereits Statements zum Thema. Gebe zu, die waren für mich erhellender als die Statements vor Ort.

Natürlich konnte bei dieser Diskussion kaum von eindeutigen gemeinsamen Begriffen ausgegangen oder darüber Einigkeit herbei geführt werden (insbesondere Bildung, Bildungsraum, Lernen). Ich möchte die Diskussionsdetails hier gar nicht nachzeichnen; die bisherigen Kommentare geben da schon ein ganz gutes Bild. Aber es ging ja nicht nur um Begriffe, sondern um Grundhaltungen. Da wird deutlich differenziert zwischen den Experten und den EduCampern (das sind nach Jean-Pol Martin wohl nur die “Leute, die leben in dieser Welt”). Diskussion auf “Augenhöhe” stelle ich mir anders vor. Gerade der Austausch trotz unterschiedlicher Sicht-, Arbeits- und Lebensweisen sollte doch ermöglicht werden. Ich möchte mich weder bei “uns / bottom-up” oder “die / top-down” verorten lassen.

Sowieso seltsam, warum dieser eine Tagungsbestandteil so in den Vordergrund rückt. Ansonsten sind nämlich die meisten Kommentare zum EduCamp ziemlich positiv, und zwar nicht nur was die Organisation, sondern auch - was ja nun das Wichtigste ist - was den inhaltlichen Ertrag betrifft. Auch ich bin mit vielen Anregungen zurück gekommen und habe eigentlich vor, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Also mein Dank ans Orga-Team und gleiches Engagement den Nachfolgern!

3 Kommentare »

Pingback von Helge Städtler » Blog Archiv » Hamburg 2010: Die große Freiheit… ver(w)irrt! - Thetawelle

9. Februar 2010 @ 17:14

[…] EduCamp 2010 Hamburg, Joachim Wedekind […]

Pingback von Randnotizen » EduCamp 2010 Hamburg

14. Februar 2010 @ 11:54

[…] implizit bereits mit angesprochen wurden und ich damit so etwas wie das von Joachim Wedekind (hier) angesprochene „Basteln“ (bzw. Erproben) meinte, da ich tatsächlich über den praktischen […]

Kommentar von Mark aus Hamburg

21. Februar 2010 @ 14:11

Danke für die Zusammenfassung. Sieht ja wohl so aus, als sollte ich nächstes Mal mit von der Partie sein!

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