PLATO@50

Abgelegt unter: Fachliches, SoftwareMuseum — JoWe um 23:14 am 31.07.2010

Vermutlich werden nicht viele mit dieser Überschrift gleich etwas anfangen können. Sie verweist auf eine Jubiläumsveranstaltung am Computer History Museum in San Francisco, wo am 2. und 3. Juni 2010 the greatest untold story in the history of computing” erzählt wurde: Die Entwicklung des PLATO-Systems zunächst an der University of Illinois und später bei der Control Data Corporation, verbunden mit den Namen Donald Bitzer (für das PLATO-System insgesamt und den Plasma-Bildschirm), Paul Tenczar (für die Programmiersprache TUTOR) und William Norris (für die Vermarktung durch CDC).

PLATO war das erste vollständige computerbasierte Lehrsystem. Es bestand auf Lernerseite aus einem Terminal mit hochauflösender Grafik (512*512 Bitmap) - dem Plasma-Display - und Tastatur, sowie optionaler Peripherie (z.B. Synthesizer, Sprachausgabe, Modem u.a.). Die Terminals waren verbunden mit Großrechnern von CDC, wobei anfangs 20 Nutzer gleichzeitig arbeiten konnten, später (ab 1975) wurden 150 Institutionen gleichzeitig bedient (Grundschulen, Sekundarschulen, Colleges, Universitäten sowie das Militär) und ab 1980 konnten auch Heimcomputer über Micro-PLATO zugreifen. Erst 2006 wurde der Dienst eingestellt. Es gibt allerdings immer noch eine große Fangemeinde. Für die bietet seit 2004 Cyber1 einen kostenfreien Zugriff auf über 16.000 Lektionen an, für die lediglich das Terminal-Program Pterm gebraucht wird, das es für Windows, Mac und Linux gibt.

PLATO ist nicht nur deshalb bemerkenswert, weil es kein anderes E-Learning-System gibt, das eine so lange Entwicklungsgeschichte und einen solchen anhaltenden kommerziellen Erfolg hatte. Obwohl es bereits 1960 konzipiert wurde, folgte es keinesfalls nur dem damals vorherrschenden instruktionalen Ansatz, sondern erlaubte u.a. bereits elaborierte Simulationen. Gut in Erinnerung ist mir eine Genetik-Simulation, bei der die Ergebnisse der Kreuzung  von Fruchtfliegen Drosophila melanogaster grafisch ausgegeben wurden (vgl. Abb.). Im Prinzip hat sich daran bis zu aktuellen Angeboten nichts geändert (vgl. z.B. das Virtual Fly Lab oder den Classical Genetics Simulator). Aber auch andere Konzepte wurden mit PLATO zum ersten Mal eingeführt, wie Touch Screens, Chat, Instant Messaging, Multi-Player Online-Spiele, Online Communities  … und hatten damit Einfluss auf die Computernutzung insgesamt.

Für die weitere Information empfehle ich die Video-Dokumentation der PLATO@50-Konferenz, kurzweilig und informativ.

1 Kommentar »

Pingback von PLATO@50 | CIPPool

27. August 2010 @ 20:21

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