Social Software & E-Learning
In einem kurzen aber anregenden Paper “Social Software & E-Learning” fragt Peter Baumgartner wie Social Software in formale Bildungsarrangements integriert werden kann. Er sieht die Schwierigkeit darin, diesen speziellen Softwaretypus (den er übrigens recht eng fasst; Wikis und Podcasts gehören bei ihm streng genommen gar nicht dazu) gemäß ihrer zentralen Charakteristik einzusetzen, nämlich zum “Verknüpfen von Menschen mit gleichen Interessen”. Er formuliert dann 5 Leitsätze, die ihren Einsatz auch für formale Bildungssettings motivieren und konstruiert Situationen, in denen sie in Curricula integriert werden kann. Die kann ich nachvollziehen, aber sie stellen für mich nicht einmal den Regelfall der Nutzung dar.
Für mich bieten die entsprechenden Tools interessante Möglichkeiten, die ich nutzbringend auch in meinem traditionellen formalen Lernsetting nutzen kann. Also ich verwende mein Blog schlicht zur Organisation meines Seminars und das klappt prima. Natürlich sind meine Studis nicht durchs Bloggen zusammen gekommen sondern durch Anmeldung zu meinem Seminar. Dabei unterstelle ich mal, dass sie neben dem Scheinerwerb ein gemeinsames Interesse am Seminarthema mitbringen. Für mich als Kursanbieter ist die Verfügbarkeit niedrigschwelliger Tools einfach hilfreich und die Studis haben einen direkten Mehrwert ohne dass gleich eine semesterüberdauernde Community draus werden muss. Ach ja, zu Semesteranfang kannten übrigens die wenigsten Blogs, Wikis usw. Nur beim Stichwort YouTube konnten fast alle mitreden. Langer Rede kurzer Sinn: Für mich erweitert sich mein Methodeninventar und indem ich es anwende erweitert es gleichzeitig das meiner Studis.
Keine Frage, Medienkompetenz entwickeln, um so arbeiten zu können wie von Peter skizziert, ist sicher unabdingbar. Diese Arbeitsform wird aber nicht die Standardform sein können, denn z.B. jedes Semester zu wechselnden Themen “statt von Publikaktion zu Publikaktion, von Publikaktion zu Person(en) zu recherchieren” setzt eigentlich voraus, dass es da draussen genügend Interessenten dafür gibt, in den Bildungsprozess der Recherchierenden einzutreten. Deren Existenz ist aber auch nicht vorauszuplanen.