Welt 2.0

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 18:24 am 28.02.2007

Derzeit erfährt ja alles ein Update. Web 2.0 ist uns dank Tim O’Reilly schon geläufig und ich finde das auch gerechtfertigt, weil damit tatsächlich neue Qualitäten der Nutzung bzw. des Umgangs mit dem Web treffend charakterisiert werden. Weil es so gut klingt haben es andere schon auf unsere Lieblingsthemen übertragen, also Education 2.0, E-Learning 2.0. Da bekomme ich dann aber langsam Bauchschmerzen, denn da wird der Vergleich mit dem Versionssprung bei Software arg überstrapaziert. Irgendwer (nicht gemerkt, also kein Link) hatte bereits angemerkt, wenn von Education 2.0 gesprochen wird, was war dann Education 1.0? Und das gilt meines Erachtens auch für E-Learning; wären wir uns wirklich schnell einig, was eigentlich E-Learning 1.0 war? Trotz des Anschwellens der Anmerkungen, Berichte und Publikationen zur Nutzung von Social Software im Bildungsbereich sehe ich darin nicht einen vergleichbaren Sprung wie bei Web 2.0. Ok, das müsste ausführlicher diskutiert werden als hier im Blog beabsichtigt.

Anlass für Postings wie dieses sind ja häufig Kleinigkeiten. Als ich bei Andreas Auwärter Interaktion 2.0 gelesen habe, war es ein solcher. Entsprechend habe ich dort angemerkt, dass für mich nicht jedes begriffliche Update eines Versionssprungs würdig ist.

Obwohl, als ich kürzlich sogar über eine Meldung zu Beton 2.0 stolperte, fand ich den Vergleich des Versionssprungs bei Software mit Veränderungen im täglichen Leben wieder ganz apart. Das lässt sich doch problemlos ausweiten, zum Beispiel auf die Politik: Rente 2.0, Merkel 2.0, Deutschland 2.0 … irgendwie ist bald das ganze Leben 2.0 – aber das heißt ja schon anders: Second Life ;-)

3 Kommentare »

Kommentar von Andreas Auwärter

28. Februar 2007 @ 20:30

“… Entsprechend habe ich dort angemerkt, dass für mich nicht jedes begriffliche Update eines Versionssprungs würdig ist. … ”
… und Recht bekommen. :-)

Kommentar von Martin Ebner

1. März 2007 @ 09:14

hmm … die debatte 2.0 oder nicht gibt es nun auch schon lange …
ich sehe es bisher insofern als positiv, dass dieses 2.0 zumindest für neuerungen steht … und dass sich wesentliches getan hat, kann man meist nicht abstreiten …

klar ist der einwand zurecht, dass wir uns zuerst fragen sollten was war 1.0, aber wenn ich durch den simplen anhang 2.0 jedem klar ist, dass es etwas neues ist, eine andere ebene, warum nicht …

der hype wird sich wieder legen, aber ich bin mir sicher, dass es auch rückblickend betrachtet 2.0 ein wesentlicher sprung war.

Kommentar von Christian Kohls

2. März 2007 @ 12:49

Ich finde auch die Inflation des 2.0-Begriffs im ensthaften Gebrauch etwas störend. Vor allem aber verwässert dadurch die Aussagekraft des Begriffs Web 2.0. Was - aus meiner persönlichen Sicht - das Web 2.0 ausmacht ist vor allem eine geänderte User Experience. Aus technischer Sicht hat es in den letzten Jahren viele kleine Versionssprünge bei den Basistechnologien gegeben; die Funktionen des Web 2.0 sind nicht (alle) neu; Tagging oder das Hochladen eigener Inhalte waren schon vor 15 Jahre möglich. Der Unterschied liegt in der einfacheren Nutzbarkeit und diese rechtfertigt den Versionssprung auf 2.0. Auch früher konnte ich meine Seiten ins Netz stellen - ich musste halt nur wissen, wie HTML funktioniert, was Meta-Tags sind, wie ein FTP-Client funktioniert und was eine PPP-Verbindung ist. Heute klicke ich auf “Edit” und bekomme eine Word-ähnliche Benutzeroberfläche. Dies hat zum Mitmach-Web geführt und die große Anzahl usergenerierter Beiträge ermöglichte dann übehaut erst die automatischen Auswertungsmechanismen zur Nutzung der “Intelligenz der Massen”. Mich ärgert vor allem der Begriff Web 3.0, weil so getan wird, als ob ein so großer Fortschritt an Nutzbarkeit mal eben so einfach wiederholt werden könnte. Der Begriff Web 2.0 ist ja kein Hype. Die Begrifflichkeit füllte ein Lücke für ein breit wahrgenommenes Phänomen, das vorher ohne Bezeichnung war. Web 3.0 (so eine Art Mitmach-Semantic Web) ist dagegen reine Spekulation und frühestens in 15 Jahren zu erwarten. Zumal die Technologien des Semantic Webs ja schon heute in Teilen bei Web 2.0 zu finden sind; viele der durchaus interessanten Visonen des Semantic Webs sind aber eben heute eines noch nicht: für den Endanwender nutzbar! Was dagegen E-Learning 2.0 angeht: damit kann ich leben, wenn damit die Nutzung von Web 2.0 im Kontext der Lehre gemeint ist und kein Wandel der Lehre an sich.

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