E-Learning boomt … im Bücherregal!
Erstaunlich, wie viele Neuerscheinungen zu E-Learning in diesem Jahr heraus gekommen sind. Allein in der GMW-Reihe Medien in der Wissenschaft sieben Bände, beim neuen vwh-Verlag die Reihen E-Learning, Web 2.0 und E-Collaboration sechs Bände und mindestens weitere sechs Einzelbände z.B. beim Studienverlag Innsbruck bzw. Oldenbourg Verlag München. Thematischer Schwerpunkt ist dabei eindeutig die Kommunikation und Kollaboration (in Communities) über das Netz. Ein paar Worte mehr verlieren möchte ich aber über einen Band, der sich mit der Strukturierung und Entwicklung von Inhalten befasst und den ich mit besonderem Interesse und Vergnügen gelesen habe: Geschichte(n) im Netzwerk.
Der Autor, Jakob Krameritsch, beschäftigt sich mit einer Basistechnologie des WWW, dem Hypertext. Er analysiert die Rückwirkungen von Hypertext auf die Produktion, Repräsentation und Rezeption von wissenschaftlichen Inhalten. Die fachliche und praktische Konkretisierung seiner Untersuchungen bezieht sich auf geschichtswissenschaftliche Erzählungen (dieser fachwissenschaftliche Bezug ist nach wenigen Seiten an der Textstruktur der Arbeit zu bemerken: Die Fußnoten nehmen einen für uns Nichthistoriker ungewöhnlich hohen Anteil der Seitenfläche in Anspruch, in Ausnahmefällen sogar den überwiegenden - wenn man so will, ein Analogon des Popups in der Printfassung).
Spannend ist nun, wie Krameritsch, nachdem er die Entwicklung und Durchsetzung der typographischen Informations- und Kommunikationstechnologie in fünf Stufen entwickelt hat, dazu isomorph die Entwicklung der digitalen Informations- und Kommunikationstechnologie (Hypertext) darstellt. Dabei differenziert er fünf Stufen, die er aus einer Makroperspektive kulturhistorisch vergleicht (Technologieentwicklung, Diskurs um Potenziale, Interessenskonvergenzen, andere Gewichtung von Kulturtechniken, Durchsetzung neuer Informationstypen). Vor diesem Gerüst gewinnen die Strukturmerkmale von Hypertext aus Sicht der Rezipienten und der Autoren neue und zum Teil überraschende Facetten.
Es ist ein großer Vorzug der Arbeit, dass Krameritsch nicht nur die dabei entwickelten didaktischen Potenziale darlegt, sondern auch die Umsetzung in einer konkreten geschichtswissenschaftlichen Anwendung vorstellen kann: www.pastperfect.at. Dass ihm bzw. der beteiligten Projektgruppe dies vorbildlich gelungen ist, zeigt nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem Förder- und Publikumspreis des Medida-Prix 2004.
Fazit: Wer eine fundierte Darstellung und Auseinandersetzung mit dem Konzept Hypertext sucht und wer Freude an auch sprachlich überzeugenden Argumentationsketten hat, dem sei dieser Band dringend empfohlen.