MOOCs - so und so gesehen

Abgelegt unter: Lesestoff, MOOC — JoWe um 23:17 am 14.03.2013

Wann kommt es schon vor, dass gleich innerhalb weniger Tage das eigene Interessengebiet es prominent in die Tages- bzw. Wochenpresse schafft? So geschehen beim Thema MOOC.

In der Frankfurter Allgemeinen schreibt Fridtjof Küchemann über die Globalisierung der Lehre. Immerhin 8 Zeilen widmet er den ersten MOOCs, den sog. cMOOCs, erwähnt Siemens und Downes, deren Kurs Connectivism and Connective Knowledge und weist auf das Versprechen gemeinsamen Lernens ohne Lernziele und Prüfungen hin. Der Rest des Artikels beschränkt sich dann aber auf die xMOOCs. Dass dabei etliche fragwürdige Aussagen herauskommen, liegt weniger am Autor als an den zitierten Meinungen der befragten Experten.

Für den Münchner LMU-Präsidenten Huber haben MOOCs ein ganz neues pädagogisches Konzept und führen zu einer Demokratisierung des Bildungsangebots. Na, da sehe er sich besser mal Schulmeisters Vortrag an. Aber Huber ergänzt dann ja auch, es sei erklärtes Ziel, damit die Münchner Uni weltweit bekannter und als Studienort interessanter zu machen. Ob es die Münchner schaffen, durch ihre MOOCs die Präsenzvorlesungen zu interaktiven Lehreinheiten umzuwandeln, im Sinne des flipped classroom, wie es der Informatiker Kleinsteuber mit seinem Coursera-Kurs Computer Vision möchte, wird sich erst später im Jahr herausstellen. Der BWL-Professor Kretschmer sieht die Online-Kurse als Herausforderung, denn “bei Coursera hören die Leute einfach auf, ich muss schon schauen, wie ich sie bei der Stange halte.” Aha, bei seiner Präsenz-Veranstaltung muss er das nicht? Das würde mich doch wundern.

Wundern muss ich mich auch, wenn Prof. Hoyer, Rektor der Fernuniversität Hagen mit der Aussage zitiert wird, dass alles, was wir bei den MOOCs sehen bei der FU Hagen schon Teil des Systems sei, dort dann mit Durchlässigkeit zu Zertifikaten und akademischen Abschlüssen. Offene Kurse (kostenfrei, rein online, global zugänglich, definiertes Zeitfenster) von dort sind mir aber nicht bekannt.

In der Summe ist der Artikel dennoch ganz informativ und frei von inhaltlichen Fehlern. Anders bei der ansonsten von mir geschätzten ZEIT (wieder einmal!). In ihrer Rubrik Wissen widmet sie gleich drei Seiten dem Thema Uni für alle (bisher leider nur in der Papierausgabe). Der Erfahrungsbericht einer indischen Schülerin mit Agarwals Kurs Circuits and Electronics ist ja erhellend (und zeigt durchaus Potenziale globaler Bildungsangebote); auch die Übersicht, wie die Online-Uni funktioniert, ist soweit ok. Aber der zweiseitige Hauptartikel “Harvard für alle Welt” von Drösser und Heuser ist dann doch grenzwertig.

“An den Universitäten von heute geht es zu wie vor 500 Jahren”. Das ist der Eingangssatz; klingt zwar gut, stimmt allerdings nicht. Aber jetzt wird es ja anders: “die besten Hochschulen der Welt stellen die besten Vorlesungen und Seminare ihrer besten Professoren ins Netz.” Fakt ist, dass es bisher einige wenige Hochschulen tun. Angefangen haben sowieso Einzelpersonen, erst dann sind die Hochschulen aufgesprungen. Ob immer alles vom Besten ist, bleibt fraglich (siehe o.g. Vortrag Schulmeisters), denn ein Qualitätsmanagement bei den großen Anbietern (Coursera, Udacity, EdX) kenne ich nicht bzw. ist nicht offen und transparent.

Einfach ärgerlich sind die falschen Informationen im Artikel. Wie inzwischen fast immer, werden die Ursprünge der MOOCs ignoriert, Siemens und Downes hier nicht einmal erwähnt. Salman Khan ist nun wirklich nicht der Auslöser der MOOC-Welle, selbst wenn er Thrun zu seinem ersten MOOC, Introduction to AI, eben einem xMOOC, inspiriert haben sollte. Khans Prinzip ist auch nicht das des flipped classroom, allenfalls werden seine Materialien von anderen in diesem Sinne genutzt. Und die MOOCs beruhen schon gleich gar nicht auf dem Prinzip, weil sie nicht blended sondern rein online ablaufen. Die Khan Academy bietet ja auch keine Kurse an, sondern ist ein Repository für Open Educational Resources - was ja nichts Schlechtes ist. Obwohl, vielleicht haben Drösser & Heuser da so ihre Zweifel, wenn sie schreiben “heute ist seine Akademie so etwas wie das Coca-Cola der Onlinebildung”.

So geht es weiter. Persönlichkeitsbildung und Erziehung zum kritischen Denken kann natürlich nur an den Elitehochschulen, aber nicht an den Massenhochschulen geleistet werden. Allerdings, auch unsere bundesdeutschen Exzellenzuniversitäten sind das wegen der Forschung und nicht, weil sie mit hervorragender Lehre geglänzt hätten.

Ach, was reg ich mich eigentlich auf; damit lande ich eh nicht auf den Seiten von FAZ oder ZEIT. Ich freue mich lieber auf meinen nächsten MOOC, den COER13

Update 21.3.: Der ZEIT-Artikel ist seit heute auch online verfügbar. Also selber lesen …

Lesetipp: Hirnforschung zwischen Labor und Talkshow

Abgelegt unter: Lesestoff — JoWe um 11:57 am 23.08.2012

Nun hat er es also fast geschafft: Manfrd Spitzer ist präsent auf allen Kanälen (z.B. beim NDR gleich zweimal, ZDF, 3sat, Südwest Presse usw.) und sein Buch Digitale Demenz ist inzwischen auf Platz 2 der SPIEGEL-Bestseller, Kategorie Sachbuch. Ich habe sein Buch weder gekauft noch gelesen, bin aber davon ausgegangen, dass Spitzer darin (hoffentlich) etwas differenzierter argumentiert, als in seinen Talkshow-Auftritten. Es ist ja auffällig, dass er dort immer dieselben wenigen Beispiele bringt. So auch den unsäglichen Vergleich mit dem Alkohol und der “Vermittlung von Alkoholkompetenz im Kindergarten” (z.B. NDR, Min. 10:50). Typisch, dass keiner der Journalisten ernsthaft nachhakt und etwa bei diesem Beispiel fragt, ob er tatsächlich den Umgang mit einem Genussmittel gleichsetzen will mit der Kompetenz zur Nutzung eines multifunktionalen Werkzeugs. Wenn ich nun Martin Lindners ausführliche Rezension lese, dann bestärkt mich das, auf den Kauf des Buches zu verzichten.

Nun ist Spitzer ja nicht der einzige Hirnforscher, der sich offensiv in die Öffentlichkeit begibt. Auch Gerald Hüther z.B. hat ein neues Buch vorgelegt (Jedes Kind ist hochbegabt). Und auch er findet gleich Resonanz in den Medien (z.B. bei Spiegel online). Vermutlich, weil schon seit längerem die Hirnforschung als eine Schlüsseldisziplin angesehen wird, die Grundlegendes zur Lösung brennender gesellschaftlicher Probleme beitragen könne. Und dazu nun mein Lesetipp: Torsten Heinemann hat eine Studie vorgelegt Populäre Wissenschaft - Hirnforschung zwischen Labor und Talkshow. Darin geht er der Frage nach, wie sich die Erfolge der Neurowissenschaften in der akademischen Landschaft, in der medialen Öffentlichkeit und allgemein in der Gesellschaft erklären lassen. Es ist ziemlich spannend zu erfahren, welche Akteure mit welchen Motiven und mit welchen Formen wissenschaftlichen Wissens sich zu Wort melden.

Heinemann beginnt mit einer historischen Betrachtung der Neurowissenschaften; er beschreibt ihre Entstehung aus dem Zusammenwachsen mehrerer Teildisziplinen. Zwei Kapitel widmen sich der Öffentlichkeitsarbeit der Neurowissenschaften bzw. der Rezeption neurowissenschaftlicher Medienbeiträge. Das ist (für mich) nicht immer leicht zu lesen (Heinemann nennt seinen Ansatz psychoanalytisch inspirierte Sozialforschung), schärft dann aber den Blick für die Rolle Spitzers und seiner medienpräsenten Kollegen ungemein. Es wird deutlich, dass die Öffentlichkeit leicht dazu verführt wird, Populärwissenschaft mit der Disziplin gleich zu setzen. Insofern sollte sich Spitzer ein Beispiel nehmen an seinem Kollegen Lutz Jäncke, der den Neuro-Hype eher kritisch sieht:

Weite Teile der Öffentlichkeit denken, dass überall, wo «Neuro» draufsteht, harte Wissenschaft geboten wird, die per se objektiv wäre. Das Publikum gewährt den Neurowissenschaften einen großen Objektivitätsvorschub … Wir haben zwar hervorragende Befunde, aber einige meiner Kollegen übertreiben das. So gibt es «Berühmtheiten», die als Hirnforscher zum Beispiel versuchen, die Schule zu erklären. Diese Wissenschaftler waren ursprünglich Lurch- oder Rattenforscher und schreiben dann Bücher wie „Wie Kinder lernen“, haben aber von der Lernpsychologie keine Ahnung.

Dem brauche ich nichts mehr hinzufügen.

Obwohl, warum wehren sich eigentlich nicht die gestandenen Medienpädagogen vehement gegen die mehr als groben Vereinfachungen und die eigentlich hilflose Perpsektive des Herrn Spitzer, digitale Medien aus den Schulen zu verbannen? Wer KBoM sagt, müsste doch sein Modell sinnvoller Mediennutzung und Medienkompetenzentwicklung offensiv entgegensetzen; obwohl das bei Spitzers Akzeptanz in den klassischen Medien zugegebenermaßen schwer wird.

Lesetipp: Visualisieren

Abgelegt unter: Lesestoff, Visualisierung — JoWe um 22:28 am 06.07.2012

Visualisieren ist in. Umso erfreulicher, das es nun einen kleinen Band gibt, der hilft, Bilder aller Art effektiv zu gestalten und inhaltlich mit informativen Texten zu verknüpfen:

Steffen-Peter Ballstaedt (2012). Visualisieren: Bilder in wissenschaftlichen Texten. UTB, Stuttgart.

Dieser Band ist in der Reihe Studieren, aber richtig erschienen, richtet sich also primär an Studierende. Ich kann ihn aber auch allen Wissenschaftlern empfehlen, die in ihren Publikationen, insbesondere Lehrmaterialien, Bilder adäquat verwenden wollen. Der Autor verspricht u.a. Antworten auf folgende Fragen: Welche Inhalte können Bilder besser vermitteln als Texte? Welcher Bildtyp eignet sich für welche kommunikativen Absichten? Was geschieht in den Köpfen, wenn ein Bild verstanden wird? Wie kann man die Bilder augenfreundlich und verständlich gestalten? Wie kann man Text und Bild effektiv miteinander kombinieren?

Die Antworten finden sich kompakt, übersichtlich und praxisnah in den vier Hauptkapiteln: (I) Wie Bilder wirken,  (II) Gestalten von Bildern, (III) Anwenden visueller Konventionen und (IV) Text und Bild verbinden. Neben Hintergrundwissen - dieses knapp, aber ausreichend, um Gestaltungsentscheidungen zu begründen - enthalten die Kapitel jeweils jede Menge praktische HInweise. Eingestreut sind auch Lesetipps, die häufig über die engere Thematik des Bandes hinausgehen, z.B. auf kulturhistorische Aspekte hinweisen.

Mit einer speziellen Form, den Infografiken, habe ich mich an anderer Stelle kurz auseinandergesetzt; ich kann nochmal auf das Beispiel Mobile Learning verweisen. Mit Interesse habe ich also das kurze Unterkapitel zu den Infografiken gelesen, die ja gerade boomen. Fast täglich erscheinen solche “All in one”-Grafiken, die uns anhand von Bildern und erläuterndem Text einen mehr oder weniger komplexen Sachverhalt erklären wollen (sie werden deshalb auch Erklärgrafiken genannt). Dazu finden sich eigene Websites (z.B. bei visual.ly … oder bei Next Starfish kann man mit Infografiken gleich die Welt retten). Klar, dass Infografiken und andere Visualisierungsformen gerade für die Gestaltung von Lehr-/Lernmaterialien von großer Bedeutung sein könnten. Aber auch S.-P. Ballstedt kann seine Skepsis gegenüber den “Informationsbomben” nicht verbergen, zumal die spärlich vorliegenden Untersuchungen die Erwartungen nicht bestätigen.

Kapitel (V) Werkzeugkasten Bilderstellung- und beschaffung fällt gegenüber den anderen Kapiteln ein wenig ab, enthält es doch neben eher trivialen Arbeitshinweisen auch Programmübersichten, die zwangsläufig ein kurzes Verfallsdatum haben. So wird z.B. das dort genannte Freehand von Adobe zwar noch vertrieben, aber nicht mehr weiter gepflegt.

Ausdrücklich positiv vermerken möchte ich die gute Gestaltung des Bandes.  Alle Kapitel sind ausgiebig bebildert, Farbe wird dezent und gezielt eingesetzt. Dem Autor gelingt es damit, den Ansprüchen, die er formuliert, selbst gerecht zu werden. Den Lesern wird so ein angenehmes und lehrreiches Leseerlebnis beschert.

Hinweis: Mit dem Autor Steffen-Peter Ballstaedt bin ich freundschaftlich verbunden. Als Kollegen am ehemaligen Deutschen Institut für Fernstudienforschung haben wir gemeinsam Projekte und Weiterbildungsmaterialien bearbeitet. Seit 2000 ist SPB Professor an der FH Gelsenkirchen.

Lesetipp: Kerres - Mediendidaktik

Abgelegt unter: Lesestoff — JoWe um 21:47 am 15.06.2012

Die Ankündigung des Verlags im September 2011 war etwas verfrüht, aber jetzt ist die 3. Auflage des Klassikers von Michael Kerres erschienen - seit zwei Tagen liegt sie mir vor. Gegenüber der damaligen Ankündigung hat es nun doch eine deutliche Namensänderung gegeben: Mediendidaktik - Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote. Ich habe nicht alle Kapitel im Detail mit den vorherigen Auflagen vergleichen können, aber mir kommt es eher wie ein neues Buch als wie eine Neuauflage vor. Ich werde hier nicht die 16 Kapitel auflisten, sondern nur einzelne Aspekte ansprechen.

Der neue Titel ist jedenfalls gerechtfertigt: So wird in einem zentralen Kapitel die Mediendidaktik positioniert. Kerres beschreibt eine gestaltungsorientierte Mediendidaktik, die sich mit der Frage beschäftigt “wie Potenziale von digitalen Medien für das Lernen und Lehren eingelöst werden können”. Sie hat den Anspruch konkret zur Lösung von Bildungsproblemen bzw. Bildungsanliegen beizutragen. Ich selber habe ein eher distanziertes Verhältnis zum von Baacke geprägten Selbstverständnis der deutschen Medienpädagogik und habe deshalb dieses Kapitel mit großem Interesse und Gewinn gelesen.

In dem Kapitel Gründe werden die Erwartungen und Begründungsmuster diskutiert, die mit dem Einsatz von Medien in der Praxis häufig verbunden werden. Neben quantitativen und qualitativen Effekten weist Kerres auch auf manchmal problematische Begründungsmuster hin und betont das Potenzial digitaler Medien zur Realisierung anderer, neuer Lernformen.

Besonders gelungen finde ich die Kapitel Lernen und Medien, Lernen mit Text, Bild, Ton sowie die beiden Kapitel zu didaktischen Methoden. Weit differenzierter als in den meisten anderen Lehrwerken werden hier theoretische Ansätze mit Gegenpositionen vorgestellt, empirische Befunde angeführt und praktische Konsequenzen aufgezeigt.

Im Übrigen hat Michael Kerres ein Begleitweb eingerichtet, in dem eine ganze Reihe aufgezeichneter Online-Vorlesungen, Links, weiterführende Informationen und Downloads zusammen gestellt sind. Es lohnt sich, dieses Angebot zu durchforsten, finden sich dort doch etliche Vertiefungen und Materialien in sinnvoller Ergänzung zu den Themen des Buches. Insgesamt ist Kerres damit ein Lehrbuch gelungen, das sowohl im Kontext von Lehrveranstaltungen eingesetzt werden kann, als auch für das Selbststudium geeignet ist. Ich kann es also Lehrenden und Lernenden im Kontext von E-Learning und E-Teaching unbedingt empfehlen.

Ein Nachsatz sei noch erlaubt. Warum werden eigentlich in Büchern, die sich mit der Nutzung digitaler Medien für Lehr-/Lernzwecke beschäftigen, Illustrationen, Bilder und Screenshots so sparsam verwendet? Auch das Buch von Kerres ist bei aller inhaltlichen Prägnanz eine Bleiwüste (das gilt leider für fast alle anderen Konkurrenzbücher aber genauso). An vielen Stellen wären sie nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern könnten erklärende Funktionen übernehmen. Das würde den Zusatzaufwand rechtfertigen.

Lesetipp: Designing Mobile Interfaces

Abgelegt unter: Lesestoff — JoWe um 22:21 am 12.02.2012

Beim Nutzer-Workshop von e-teaching.org letzten Donnerstag habe ich mal wieder das Thema Educational Patterns aufgegriffen. Im Portal arbeiten wir daran, bei den Lehrszenarien zur Beschreibung virtueller Szenarien Patterns durchgängig anzuwenden (siehe z.B. Vorlesungsinhalten, E-Assessment).

Dass der Pattern-Ansatz tatsächlich noch aktuell ist, zeigt mir u.a. ein Buch, das ich seit wenigen Tagen auf dem Tisch habe: Designing Mobile Interfaces von S. Hoober & E. Berkman. Es setzt fast vorbildlich um, was den Pattern-Ansatz auszeichnet: Die Autoren beschreiben bewährte, implementierte Lösungen für Interaktionen mit mobilen Geräten (Smartphone, Tablets usw.), also einem ganz aktuellen Thema (das auch uns beschäftigt bei der Entwicklung von Apps und eBooks). Die Pattern decken als Bereiche ab: Seitengestaltung, Informationsdarstellung, Widgets, Ein-/Ausgaben und Sensoren. Die Beschreibungskategorien sind die für Patterns gängigen: Name, Problem, Lösung, Variationen, Details (Interaktion & Präsentation), Antipatterns und Beispiele.

Der große Vorteil dabei ist, dass die Leser eigentlich jedes Einzelproblem (etwa die Darstellung von Auswahllisten oder Thumbnaillisten) herausgreifen können und die Lösung in immer gleicher Struktur beschrieben vorfinden. Die Lektüre des Buches von Anfang bis Ende ist also nicht nötig.

Zur Veranschaulichung der 76 vorgestellten Lösungen verwenden die Autoren nahezu ausschließlich eigene Illustrationen. Den weitgehenden Verzicht auf Screenshots empfinde ich als einzigen Mangel des Buche, das ansonsten konkrete Hilfen und Anregungen für die Interfacegestaltung bietet.

Die Kraft der Intrinsischen Motivation

Abgelegt unter: Allgemein, Lesestoff — JoWe um 23:45 am 10.12.2011

Das wünschen sich Hochschullehrende und auch Teamchefs: Intrinsisch motivierte Studierende bzw. intrinsisch motivierte MitarbeiterInnen. Aber vermutlich haben die meisten von uns die enttäuschende Erfahrung gemacht, dass es ziemlich schwierig ist, intrinsische Motivation (IM) zu wecken und aufrecht zu erhalten.

Wikipedia definiert IM (und ihren Gegenpol extrinsische Motivation) so:

Der Begriff intrinsische Motivation bezeichnet das Bestreben, etwas um seiner selbst willen zu tun (weil es einfach Spaß macht, Interessen befriedigt oder eine Herausforderung darstellt). Bei der extrinsischen Motivation steht dagegen der Wunsch im Vordergrund, bestimmte Leistungen zu erbringen, weil man sich davon einen Vorteil (Belohnung) verspricht oder Nachteile (Bestrafung) vermeiden möchte.

Nun lese ich derzeit u.a. das Buch von Isaacson: Steve Jobs, die Biografie. Abgesehen davon, dass dieses Buch etliche erhellende Details über Jobs enthält, die ich auch als gut informierter Apple-Fan noch nicht kannte, zeigt es, dass es ihm mehrfach gelungen war, intrinsisch hoch motivierte Teams zu bilden, denen außergewöhnliche Produktentwicklungen gelangen. Das betrifft den Macintosh, aber auch den NeXT-Computer, später iPhone und iPad. Ich finde das insofern erstaunlich, als Jobs, obwohl ein Mensch mit schwierigen Charaktereigenschaften, manchmal zuvorkommend und humorvoll, oft aber jähzornig und ungerecht, seinen Mitarbeitern offensichtlich das Gefühl vermitteln konnte, an wirklich bahnbrechenden Produkten zu arbeiten. Die schildern das so auch aus ihrer heutigen Sicht. Gut nachzulesen bei Andy Hertzfeld in dem Buch Revolution in The Valley: The Insanely Great Story of How the Mac Was Made (einige Anekdoten daraus finden sich auf der Website Folklore). Auch ein Podium nach dem Tod von Steve Jobs bestätigt das, u.a. mit Bill Atkinson, Andy Hertzfeld und Regis McKenna.

Es gibt ein ähnliches früheres Beispiel, vielleicht nicht ganz zufällig ebenfalls aus der Computerindustrie. Tracy Kidder schildert es in dem Buch Die Seele einer neuen Maschine. Vom Entstehen eines Computers über die Entwicklung der Eclipse MV/8000 von Data General, einem der ersten 32-bit Minicomputer in den 80ern.

Leider lassen sich aus den Beispielen keine Richtlinien ableiten, wie Teams mit so hoher IM zu bilden sind; ohne günstige Begleitumstände geht es wohl nicht. Immerhin hatte ich persönlich in einigen (natürlich viel kleineren Projekten) das Glück, solche Teams bilden und an spannenden Produkten arbeiten zu können (z.B. bei MODUS, dem KMMT und nicht zuletzt bei e-teaching.org). Ich kann nur allen (jungen) KollegInnen wünschen, solche Themen, Projekte und Teams zu finden, bei denen sie vergleichbar intrinsisch motiviert arbeiten können. Vielleicht ist es kein Zufall, dass es bei mir die praxis- und produktorientierten Projekte waren und weniger die Forschungsprojekte?

Positive Überraschung: 2. Zwischenbericht der Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft”

Abgelegt unter: Fachliches, Lesestoff, OLPC — JoWe um 21:48 am 20.11.2011

Zur Medienkompetenz liegen inzwischen bildungspolitische Forderungen bzw. Handlungsempfehlungen vor, die das Ergebnis längerer Diskussionsprozesse sind. Dabei werden jeweils alle Bildungsbereiche und alle Bildungseinrichtungen in den Blick genommen, von der frühkindlichen Erziehung bis zur Medienbildung für Ältere. Die Broschüre der Initiative Keine Bildung ohne Medien fasst die Ergebnisse des Berliner Kongresses zusammen und bündelt sie in zentralen Forderungen. Ich hatte den Kongress skeptisch begleitet und sehe nun nicht, dass darin die Anregungen einer kritischen Teilnehmergruppe eingeflossen sind.

Skepsis überwog bei mir auch nach der Expertenanhörung zum Thema Medienkompetenz in der Enquete-Kommission (wer sich das noch anschauen möchte: die Aufzeichnung dauert über drei Stunden). Deshalb bin ich positiv überrascht von dem nun vorliegenden Zweiten Zwischenbericht zum Thema Medienkompetenz. Die Lesbarkeit dieses Berichts profitiert von einer einführenden kompakten Bestandsaufnahme zu Begriff, Projekten und Initiativen und Forschung zur Medienkompetenz. Natürlich nehmen die Risiken interaktiver Medien auch hier wieder breiten Raum ein. Aber immerhin werden auch die Chancen thematisiert, dass Kinder und Jugendliche selbst das Internet in erster Linie als nicht mehr wegzudenkende Bereicherung sowie als hilfreiches Instrument im gesellschaftlichen wie auch im Lernalltag begreifen (Zwischenbericht, S.8). Als Mediendidaktiker freut mich besonders, dass hier Medienkompetenz auch verstanden wird als Voraussetzung zur Nutzung der Ressource Wissen in einer digitalen Welt (Zwischenbericht, S. 11).

Der Bericht benennt deutlich strukturelle Defizite mit der Konsequenz, dass die digitale Spaltung eine soziale Spaltung ist. Konsequenterweise deshalb die Forderung, dass ein Zugang zu digitalen Lernwerkzeugen […] insofern stets über die Bildungseinrichtungen erfolgen [müsse] und  […] nicht nur der häuslichen Ausstattung obliegen [dürfe] (Zwischenbericht, S. 11).

Überrascht war ich dann aber doch, eine Forderung wieder zu finden, mit der ich beim KBOM-Kongress wenig Unterstützung gefunden hatte, nämlich dass jede Schülerin und jeder Schüler über einen eigenen mobilen Computer verfügt. Die Kommission empfiehlt in ihren Handlungsempfehlungen diese Ausstattung für die Sekundarstufe I und II; ich empfehle dies bereits für die Grundschule. Getoppt wird das allerdings noch durch den Vorschlag, dass gemeinsam mit der Industrie ein modellhafter Schülercomputer entwickelt wird, der den besonderen Ansprüchen an Mobilität und Robustheit entspricht (Zwischenbericht, S. 21). Das erinnert an Beats Vorschlag eines DynabookZ, eines auf die Bedürfnisse von Schulkindern ausgerichteten mobilen Kleincomputers (Handheld/Smartphone/Tablet) samt schulspezifischer Software auf Open-Source-Basis.

Konsequent auch, wenn die Kommission fordert, dass mittelfristig zwingend die Digitalisierung von Schulbüchern, Lehr- und Lerninhalten sowie deren Zugänglichmachung im Netz beziehungsweise in Intranets notwendig wird. Deshalb der Vorschlag an Bund und Länder, die Unterstützung und Förderung entsprechender Projekte zu prüfen (Zwischenbericht, S. 34).

Keine Ahnung, wie das weitere Procedere zeitlich abläuft, d.h. ob überhaupt und wann aus diesen Empfehlungen konkrete Beschlüsse werden. Trotzdem, für mich ein eher ermutigender Bericht und Leseempfehlung an alle, die sich in diesem Feld betätigen.

E-Learning - neu aufgelegt

Abgelegt unter: Fachliches, Lesestoff — JoWe um 22:03 am 22.09.2011

Wenn es Lehrbücher zu einem Begriff bzw. zu einem Arbeitsgebiet gibt, dann kann man sicher von seiner Etablierung sprechen. Daran gemessen ist E-Learning also etabliert. Bereits 2006 habe ich einige Lehrbücher zum E-Learning vorgestellt. Inzwischen gibt es neue Lehrbücher und interessanterweise etliche (angekündigte) Neuauflagen.

Schon als Klassiker kann der Band von Michael Kerres bezeichnet werden: Multimediale Lernumgebungen. Konzeption und Entwicklung. (3. Auflage, für Dezember angekündigt). Vom Verlag beworben als kompaktes, nüchternes und handfestes Werk über das Lehren und Lernen mit Neuen Medien. In der 1. Auflage 1998 war der Titel noch: Multimediale und telemediale Lernumgebunge. Konzeption und Entwicklung, der auch für die 2. Auflage (2001) beibehalten wurde. Es ist interessant, die Begründung für diesen kleinen aber sicher bedeutsamen Namenswechsel zu lesen, steht doch in der Ankündigung, die Neuauflage trägt besonders der aktuellen Entwicklung internetgestützten Lernens Rechnung.

Auch schon in die 3. Auflage geht dieser Herausgeberband, der E-Learning in Unternehmen im Focus hat: Ullrich Dittler (Hg.): E-Learning, 3. Auflage (für Oktober angekündigt). Seit der 2. Auflage enthält das Buch auch eine CD, die neben weiterführenden Informationen zahlreiche Demoversionen der vorgestellten E-Learning-Maßnahmen enthält … und es ist nun noch einmal um ca. 50 Seiten dicker geworden.

Ebenfalls eine starke Überarbeitung in der Neuauflage hat erfahren: Arnold, Kilian, Thillosen, Zimmer (Hg.): Handbuch E-Learning (2. Auflage 2011). Auch hier ist die Adressatenschaft breit (Bildungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen) und das Themenspektrum groß (Voraussetzungen, Bedingungen und Faktoren für die Planung, Produktion, Durchführung und Qualitätssicherung erfolgreicher E-Learning-Angebote, Analyse aktueller Entwicklungen und konkrete Umsetzungsbeispiele). So soll das Buch einen umfassenden Status Quo zum Thema E-Learning liefern.

Andere Neuauflagen liegen schon länger vor, deuten aber auch in ihren Titeln schon an, wie sich das Arbeitfeld verändert hat. Aus dem in drei Auflagen (3. Auflage 2002) erschienenen Lehrbuch für Studium und Praxis Information und Lernen mit Multimedia und Internet, herausgegeben von Issing & Klimsa ist inzwischen deren neues Projekt geworden: Online-Lernen: Planung, Realisation, Anwendung und Evaluation von Lehr- und Lernprozessen online. Dieses Handbuch für Wissenschaft und Praxis behandelt aber durchaus auch E-Learning insgesamt aus der Sicht der Psychologie, der Pädagogik und der Informatik.

In diesem Kontext ist natürlich auch das Kompendium multimediales Lernen zu nennen, herausgegeben von Niegemann et al. (2008), dessen Vorläufer übrigens noch Kompendium E-Learning hieß. Das Buch wendet sich an Praktiker in der Aus- und Weiterbildung und E-Learning-Entwickler, was den Themenschwerpunkten anzumerken ist.

Noch in der 1. Auflage, aber in den verschiedensten Formaten gibt es seit diesem Jahr das von Ebner & Schön initiierte und herausgegebene L3T: Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (als PDF zum kostenlosen Download, als käufliche Buchversion in s/w oder in Farbe und zukünftig wohl auch als E-Book). Dieses Lehrbuch wurde erst von kurzem von mir bei e-teaching.org rezensiert.

E-Learning boomt im Bücherregal also nach wie vor. Einige speziellere Publikationen habe ich hier gar nicht aufgeführt. Die Quahl der Wahl z.B. für entsprechende Lehrveranstaltungen ist groß, die zu bewältigende Seitenzahl immer größer. Ich nehme es mal - wie eingangs gesagt - als Zeichen der Konsolidierung unseres Arbeitsgebiets.

neues Buch - altes Thema: LOGO

Abgelegt unter: (Net)Logo, Lesestoff — JoWe um 11:58 am 17.04.2011

Bedauerlicherweise ist es um die Programmiersprache Logo ziemlich ruhig geworden. Was vielleicht daran liegt, dass es um Informatik als Unterrichtsfach insgesamt ruhiger geworden ist. Umso überraschter war ich, eine Neuerscheinung (2010) zu entdecken, mit der von dem ETH-Professor Juraj Hromkovic eine Einführung in die Programmierung mit LOGO vorgelegt wird, als erstes Modul einer Serie von Informatik-Lehrbüchern. Aus dem Klappentext:

Dieses Lehrbuch schließt eine große Lücke in den Unterrichts-materialien für das Lehramtsstudium und für die Informatik an Gymnasien. Zum Buch steht kostenfrei eine Programmierumgebung zum Download (XLogo) zur Verfügung. Ziel des Buches ist es insbesondere, ein tieferes Verständnis für die fundamentalen Konzepte des systematischen Programmierens zu wecken. Besonderer Wert wird auf eine sehr detallierte und anschauliche Darstellung gelegt.

Mir ist nicht ganz klar geworden, wer letztlich die Adressaten des Buches sind. Die Lektionen richten sich wohl an Schüler (vom Anspruchsniveau her); eingestreut sind Hinweise für die Lehrpersonen. Dabei sind die ersten zehn Lektionen mehr oder weniger sattsam bekannte Beispiele der Schildkröten-Grafik. In den Schlusskapiteln geht es dann um anspruchsvollere Anwendungen aus dem Mathematikunterricht. Dabei wird z.B. auf die Vektorgeometrie (mit kartesischen Koordinaten) eingegangen, ohne den Unterschied zur natürlichen Geometrie von Logo auch nur zu erwähnen, obwohl diese ein ganz zentrales Konzept von Logo darstellt (vgl. Hoppe, 1984).

Da gab es schon konsequentere Einführungen, so von Hoppe & Löthe (1984), damals sogar im gleichen Verlag (Teubner) erschienen. Muss wohl doch meine eigene Einführung in das interaktive Arbeiten mit Logo endlich fertig stellen …

Hoppe, H.-U. (1984 ). LOGO im Mathematikunterricht. München: IWT-Verlag.
Hoppe H.-U. & Löthe, H. (1984). Problemlösen und Programmieren mit Logo. Stuttgart: Teubner.

E-Learning Patterns … was lange währt

Abgelegt unter: Fachliches, Lesestoff — JoWe um 19:17 am 18.02.2011

Vor fast zwei Jahren haben wir vom Projekt e-teaching.org am IWM den Workshop E-Learning Patterns durchgeführt. Dabei sollte ein Ansatz vorgestellt und kritisch hinterfragt werden, mit dem bewährte Lösungen für wiederkehrende Probleme beim E-Learning identifiziert, beschrieben und dokumentiert werden können, eben der Pattern-Ansatz. Die Vorträge des Workshops sowie weitere zusätzliche vertiefende Artikel sind nun in einem von Christian Kohls und mir herausgegebenen Band erschienen:

Kohls, C. & Wedekind, J. (eds.) (2011). Investigations of E-Learning Patterns: Context Factors, Problems, and Solutions. Hershey: IGI Global

Aus der Beschreibung:

Design patterns have become popular in the domains of architecture, software design, human computer interaction, Web 2.0, organizational structures, and pedagogy as a way to communicate successful practical knowledge. Patterns capture proven solutions for recurrent problems with respect to fitting contexts.

Investigations of E-Learning Patterns: Context Factors, Problems and Solutions poses the question: Will e-learning patterns be equally successful as their pendant in software development or is the remake doomed to failure? This comprehensive publication addresses both e-learning practitioners and researchers, using an accessible language to communicate sophisticated knowledge and important research methods and results. It is a valuable addition to any research collection.

Wer sich näher informieren möchte, findet online unser Vorwort, das Inhaltsverzeichnis (mit Abstracts) und das einleitende Kapitel Perspectives on Patterns von Christian und mir. Leider ist die Printausgabe mit 180 $ (ca. 147 €) sehr teuer - wie allerdings beim Verlag IGI Global üblich.

Ich selber halte den Pattern-Ansatz nach wie vor für sehr tragfähig, versuche ihn bei e-teaching weiter umzusetzen und will auch auf meiner Website demnächst wieder etwas dazu schreiben. Ansonsten hoffe ich natürlich, das der Verkaufspreis die Verbreitung dieses Bandes nicht völlig verhindern wird …

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