Lernen mit Animationsfilmen
Letzte Woche war in Stuttgart das 20. Internationale Trickfilm-Festival und wenigstens einen Tag konnte ich dort sein. Ich habe einige Wettbewerbsfilme gesehen, darunter im Internationalen Wettbewerb A Wind Egg, Gewinner des Lotte Reiniger Förderpreis, und Virtuos Virtuell von Stellmach & Oschmann. Diese dynamischen Tuschezeichnungen zur Ouvertüre der Oper „Der Alchymist“ von Louis Spohr zeigen eindrucksvoll, was im Animationsfilm alles möglich ist.
Filmausschnitt aus Virtuos Virtuell von Stellmach & Oschmann
Allein die verwendeten Techniken sind schon enorm vielfältig; vom klassischen Zeichentrick über Puppentrickfilme, Knetfigurenfilme bis hin zu 2D- bzw. 3D-Computeranimation. Schon gewusst? Es gibt sogar ein Deutsches Institut für Animationsfilm.
Animationsfilme gibt es auch schon lange im Lehr-/Lernkontext (nur als ein Beispiel sei die Veranschaulichung der Zellteilung, die Mitose, genannt, die es in zig Variationen gibt). Seit einigen Jahren sind neue, ganz bewusst einfache Formen hinzugekommen. Berühmt wurde dadurch Common Craft mit einer Serie Technology in Plain English, bei der sie mit einer Kombination einfacher Strichzeichnungen und der Legetechnik arbeiteten. Rein zeichnerisch arbeitet auch Dave Cormier bei seiner Erklärung What is a MOOC? Bei RSA Animate ist daraus eine eine Art Echtzeit-Zeichnen mit eigenem Reiz geworden. In unseren Kontext passt besonders Changing Educational Paradigms als Visualisierung des Vortrags von Ken Robinson. Für den COER13 hat Sandra einige Erklärvideos produziert, die eine gelungene Kombination von Legevideo und Echtzeit-Zeichnung darstellen.
Bei e-teaching.org hatten wir ein exemplarisches Legevideo zum Thema E-Lectures in klarem Deutsch produziert und dazu auch ein Making of … geschrieben.
Die Vielfalt der Animationstechniken findet sich also mit durchaus spezifischen Ausformungen im Lehr-/Lernkontext wieder. Nun weiß ich natürlich, dass Animationen als Unterrichtsmedien gezielt eingesetzt werden müssen, wenn sie wirklich lernförderlich sein sollen (sehr gute Vertiefungen dazu bieten die Reviews von Mayer & Moreno, 2002, bzw. Ainsworth, 2008). Dennoch wäre es reizvoll, einfach mal einen offenen Workshop zu organisieren, in dem die grundlegenden Techniken vermittelt und gängige (Open Source) Werkzeuge vorgestellt werden. Da könnten positive Beispiele entstehen. Und warum eigentlich keinen Wettbewerb für die besten Lernanimationen (oder gibt’s sowas vielleicht sogar schon irgendwo!)?
Update 3.5.: Am Ende seines Vortrags Stop Drawing Dead in dem Bret Victor für interaktive Simulationen als Animationsform plädiert, zeigt er eine interaktive Musikvisualisierung, die in Richtung der o.g. Virtuos Virtuell geht (im Video ab Min. 50). Sehenswert, aber besser verständlich, wenn vorher der Vortrag angehört wurde …




