Der Datenpegel steigt und steigt …
… und man vergisst zu schnell, welche Datenmengen im Netz tatsächlich so hin und her geschoben werden. Schöne Flash-Visualisierung von Gary Hayes (über LUTZLAND.BLOG).
… und man vergisst zu schnell, welche Datenmengen im Netz tatsächlich so hin und her geschoben werden. Schöne Flash-Visualisierung von Gary Hayes (über LUTZLAND.BLOG).
Nochmal eine zum Darwin-Jahr passende Information (via information aesthetics). Es ist eine faszinierende interaktive Grafik, die Ben Fry (Mitentwickler der Programmiersprache Processing) über die Veränderungen zwischen den verschiedenen Auflagen von Darwins On the Origin of Species entwickelt hat (natürlich mit Hilfe von Processing!). Er schreibt dazu:
We often think of scientific ideas, such as Darwin’s theory of evolution, as fixed notions that are accepted as finished. In fact, Darwin’s On the Origin of Species evolved over the course of several editions he wrote, edited, and updated during his lifetime. The first English edition was approximately 150,000 words and the sixth is a much larger 190,000 words. In the changes are refinements and shifts in ideas — whether increasing the weight of a statement, adding details, or even a change in the idea itself.
Der erste Satz ist sehr richtig und bedenkenswert. Ich finde es deshalb total spannend und beeindruckend, anhand der dynamischen Grafik zu sehen, wie sich die Argumentation Darwins entwickelt, die Struktur des Werkes sich verändert und ausdifferenziert. Häufig vergessen wird z.B., dass der heute so zentrale Satz survival of the fittest erst in der fünften Auflage auftaucht.
Welche(r) Klassiker unseres Faches könnte so analysiert werden …
Eine beeindruckende Visualisierung seines App-Stores für die iPhone-Programme hat Apple während der WWDC-Konferenz aufgebaut. Auf zwanzig großen Monitoren werden (farblich sortiert) die Icons von 20.000 Programmen angezeigt. Immer wenn eines davon gerade gekauft und heruntergeladen wird, wird das durch Aufleuchten des entsprechenden Icons angezeigt. Sehr schöne Visualisierung!
Jetzt stelle ich mir dies als Bildschirmschoner vor: Die Seiten von e-teaching.org als Icons und immer wenn ein Besucher sie aufruft, dieses Aufleuchten, Das wäre cool …
Die sogenannten L-Systeme oder Lindenmayer-Systeme wurden 1968 von dem ungarischen Biologen Aristid Lindenmayer eingeführt. Er wollte damit eine axiomatische Theorie der biologischen Entwicklung vorlegen, Prozesse, die er bis dahin an einfachen mehrzelligen Organismen studiert hatte. Später wurde dieser Ansatz ausgeweitet auf höhere Pflanzen und komplexe Verzweigungsstrukturen. Inzwischen haben die L-Systeme in der Computergrafik Verwendung gefunden bei der realitätsnahen Modellierung von Pflanzen sowie bei der Erzeugung von Fraktalen. Eine grundlegende Einführung mit schönen Bildbeispielen wurde 1990 von Prusinkiewicz & Lindenmayer (1990) vorgelegt: The Algorithmic Beauty of Plants. Dieses wunderschöne (Bilder) Buch gibt es zum kostenlosen Download.
Ich setze solche Systeme in Logo um. Diese Sprache ist dafür besonders geeignet, weil die L-Systeme mit Zeichenketten dargestellt werden, die in Befehle für die Schildkrötengrafik direkt umgesetzt werden können. Es reicht dann eine erste Zeichenkette als Initiator (für die Grundfigur, hier das Cesàro-Quadrat) und eine zweite Zeichenkette als Generator (ein Satz von Ersetzungsregeln für Teilstrecken) - eine sehr elegante Lösung.
… finde ich sehr spannend. Für meine eigenen Beiträge dazu (siehe Buchbeitrag oder Vortrag) hätte ich das Buch Information Visualization: Design for Interaction von Robert Spence gut gebrauchen können, bin aber erst jetzt auf dieses Lehrbuch gestoßen.
Spence behandelt an vielen Beispielen, was unter Visualisierung von Daten zu verstehen ist, welche Hilfen Computerprogramme dabei bieten und welche Interaktionsformen geeignet sind, sich explorativ mit den Daten auseinanderzusetzen. Beigefügt ist eine DVD mit Videobeispielen zu den verschiedenen Buchkapiteln. Zusätzliches Unterrichtsmaterial ist auf der Website zum Buch zu finden (kostenlose Registrierung notwendig). Zu jedem Kapitel gibt es Übungsaufgaben, die meiner Einschätzung nach in Kursen bearbeitet werden können, für das Selbststudium aber eher ungeeignet sind. Insgesamt ein absolut empfehlenswertes Studienbuch.
Die Karte der Londoner U-Bahn ist berühmt; mindestens jeder, der mal in London die U-Bahn benutzt hat, weiß, wie gelungen diese Darstellung ist, ästhetisch ansprechend, trotz der Informations-dichte übersichtlich und absolut funktional (das Bild links führt zu einer interaktiven Version). Eigentlich kann daran nichts mehr verbessert werden. Entwickelt wurde sie aber nicht von einem Designer, sondern 1931 von Harry Beck, einem Angestellten der London Underground. Inzwischen hat sie Nachahmer gefunden - viele, wenn nicht die meisten Streckenpläne von U-Bahnen weltweit folgen diesem Muster.
Auch im übertragenen Sinn wird diese Darstellungsform gerne verwendet. Bekannt geworden ist so die Karte der Web Trends 2007 der Agentur Information Architects in Japan (inzwischen gibt es davon eine Aktualisierung Web Trend Map 2008). Originell finde ich auch die Sammlung von Tierbildern, die allesamt im Netzplan entdeckt werden können.
Anlass für dieses Posting ist aber eigentlich ein Video aus der Reihe BBC Classics (gefunden über information aesthetics), in dem die Geschichte dieser Karte nachgezeichnet wird:
Informationsvisualisierung und Informationsdesign sind relativ neue aber wichtige Bereiche, geht es doch um die visuelle Repräsentation von in der Regel abstrakten Daten und dies mit Hilfe des Computers auch dynamisch und interaktiv. Es gibt inzwischen einige Bücher darüber. Ich möchte auf zwei besonders wichtige hinweisen, deren Autor Colin Ware ist, Direktor des Data Visualization Research Lab an der University of New Hampshire.
Mit beiden Büchern versucht er, Design Prinzipien auf der Basis der Ergebnisse der Grundlagenforschung heraus zu arbeiten, um Informationen effektiv darzustellen. Insofern ist dieses keine leichte Lektüre, insbesondere das Buch Information Visualization - Perception for Design (2. Auflage von 2004, erschienen bei Morgan Kaufmann Publishers), denn er zieht dabei als Bezugswissen-schaften die Psychologie, die Neurowissenschaften und die Informatik heran.
Etwas leichter ist da der zweite Band Visual Thinking for Design (erschienen 2008, ebenfalls bei Morgan Kaufmann Publishers), jedenfalls vom Umfang (180 Seiten statt 480 Seiten). Inhaltlich setzt Colin Ware die gleichen Schwerpunkte, fasst sich aber deutlich kürzer und versucht, die von ihm genannten Prinzipien selbst auf das Design seines Buches anzuwenden. Wie er schreibt, war dies nicht leicht und das Buch aus seiner Sicht ein Kompromiss mit dem Verlag. Dennoch ist das Ergebnis gelungen und die Lektüre sehr empfehlenswert.
Ich bin ein großer Fan gelungener Visualisierungen. Dazu zähle ich den Atlas of Cyberspace, der schon 2001 von Martin Dodge and Rob Kitchin vorgelegt wurde und in dem sie mehr als 100 Karten zusammen getragen haben. Die Karten sollen Informations-landschaften erschließen, die zu groß und zu komplex sind, als dass sie direkt beobachtbar wären. Es finden sich Karten zu Infrastrukturen des Internet, Informationsflüsse, Online-Kommunikation sowie Cyberspace-Darstellungen in Kunst, Literatur und Film.
Ab sofort ist das Buch frei erhältlich. Zum Buch gehörte auch eine Website, die ebenfalls noch als Archiv erreichbar ist. Sehr empfehlenswert!
Dass Google seinen Browser Chrome veröffentlicht hat, brauche ich hier eigentlich nicht vermelden; das ging ja wie ein Donnerhall durchs Web. Zumal für mich als Mac-Nutzer noch keine Version zu haben und zu testen ist. Bemerkens- und berichtenswert finde ich allerdings, dass es einen Comic gibt, der die (technischen) Gründe für die Neuentwicklung eines Browsers und die Lösungsansätze beschreibt, die dabei umgesetzt werden. Geschrieben hat diesen Comic Scott McCloud, Autor des Kultcomics Understanding Comics. Dabei hat er eng mit Google-Ingenieuren zusammen gearbeitet:
I helped conduct interviews with about 20 engineers who worked on the project, then adapted what they said into comics form. Some paraphrasing, lots of condensation, and one or two late drop ins, but basically it was a very organic adaptation and I had a lot of latitude.
Weil ihm dabei schöne Illustrationen zu technischen Aspekten existierender und neuer Browser-Technologien gelungen sind, ist der Comic gleich in meine Sammlung außergewöhnlicher Visualisierungen gewandert.
Wie mit der Programmiersprache Logo Figuren für Wahrnehmungstäuschungen zu produzieren sind, hatte ich schon mal am Beispiel des Necker-Würfel gezeigt. Sehr leicht funktioniert das auch bei einer Variante der Titchener-Täuschung (vgl. Abb. links), bei der die Größenbeurteilung bestimmter Objekte durch benachbarte Figuren beeinflusst wird. Dies gelingt am besten bei gleichartigen umgebenden Elementen. Bei der von Obonai (1954) vorgestellten Variante sind die Kreise durch Quadrate ersetzt worden.
Wieder reicht eine kurze Prozedur der Schildkrötengrafik, mit der die miteinander verbundenen Quadrate gezeichnet werden. Zu beachten ist lediglich, dass an jedem Eckpunkt des Quadrats ein weiteres Quadrat mit variabler Seitenlänge angefügt wird. Über einen Parameter seite wird die Größe des inneren Bezugsquadrats festgelegt. Über einen zweiten Parameter anhang wird die Größe der angehängten Quadrate bestimmt. So können sehr leicht beliebige Kombinationen erzeugt und verglichen werden:
Prozedur obonai seite anhang
repeat 4 [forward :seite
repeat 4 [forward :seite * :anhang left 90]
right 90]
Der Aufruf obonai 60 0.5 reproduziert die linke Figur, obonai 60 2 die rechte Figur.
Übrigens habe ich den Effekt gegenüber der linken Ausgangsfigur ungefähr ab dann bemerkt, wenn ich anhang > 0.9 gewählt habe.