Begriffswirrwarr: Edupunk, MOOC - schon Mainstream?

Abgelegt unter: #opco12, Fachliches, MOOC — JoWe um 14:38 am 20.06.2012

Manchmal möchte man gerne wissen, wie eigentlich recherchiert wurde, wenn dann so ein Interview-Artikel von Alexandra Werdes herauskommt, wie in der letzten (ansonsten von mir geschätzten/abonnierten) ZEIT: Die Edupunks kommen! (leider nur auf totem Holz verfügbar). Die Überschrift sichert Aufmerksamkeit, auch wenn der Begriff Edupunk nur beiläufig auftaucht und ausgerechnet auf den Edupunks’ Guide von Anya Kamenetz verwiesen wird, die nach Ansicht von Stephen Downes “is obviously not familiar with any of the ideas and trends characterizing edupunk, do-it-yourself, informal, online, or community-based learning”. Das trifft großteils auch auf das ZEIT-Interview zu.

Befragt wird Prof. Ayad Al-Ani (Professur Strategy, Organizational Behavior, and Human Resources) von der ESCP Europe. Dass er mir bislang weder in den bisherigen Förderprogrammen zum E-Learning  (des Bundes und der Länder, die er im Vergleich zu Südkorea (?) und Großbritannien als moderat einstuft) aufgefallen ist, noch als Praktiker (z.B. durch umgedrehte Vorlesungen), mag meiner selektiven Wahrnehmung geschuldet sein. Auf Nachfrage führt er ja 20 Jahre Erfahrung in der Unternehmensberatung an, wo “seit vielen Jahren auf elektronische Wissensvermittlung gesetzt” wird (Frage an Jochen Robes: Ist das dort wirklich schon die gängige Praxis?). Mein Verdacht ist allerdings eher, dass hier jemand mit Aussensicht und anderen als didaktisch-methodisch motivierten Kriterien an die Hochschullehre herangeht. Immerhin, Herr Al-Ani “spürt, dass man den Leuten nicht mehr als zwei Stunden am Stück etwas erzählen kann”.

Jedenfalls nimmt er im Wesentlichen elektrifizierte Vorlesungen wahr. So nennt er die üblichen Verdächtigen, also iTunesU mit deutschem Vorzeigebeteiligtem LMU München. Überhaupt die großen Namen: Warum eine BWL-Grundvorlesung? “Man könnte stattdessen eine hervorragend produzierte Vorlesung aus Stanford in den Lernkanon aufnehmen …”, angeboten von “medienattraktiven Superstars”. Kein Wunder, dass dannn auch als MOOC-Beispiele im Kasten “Bildung für alle” natürlich Prof. Thruns KI-Vorlesung sowie edX und Coursera genannt werden. Ausgerechnet die elektronischen Varianten klassischer Vorlesungen und nicht die MOOCs im Sinne von Downes und Siemens, die dem Edupunk deutlich näher stehen … abgesehen davon, dass mit opco11, ocwl11 und opco12 inzwischen auch deutschsprachige Experimente genannt werden könnten.

Herr Al-Ani  landet am Ende dann doch wieder beim Blended Learning, dem “Unterlegen mit einer interaktiven Lernschleife”. Statt Top-Down-Wissensvermittlung sieht er Lernen in 1:1-Beziehungen. Er (man?) spricht dann von “lateralem Lernen”. Ich kannte bisher nur laterales Denken (umgangssprachlich auch Querdenken genannt). Aber vielleicht hat Herr Al-Ani das aufgrund seines fachlichen Hintergrundes von lateralem Führen abgeleitet. Interessanterweise greift er auch das (umstrittene) Konzept der Lehrprofessuren auf, denn die sollen dann Mentoring und Tutoring übernehmen. Und ganz am Ende des Interviews läuft es dann auf neue Geschäftsmodelle hinaus (Gabi Reinmann hat das bereits kritisch vermerkt): Scouts helfen Studierenden beim Lernpfad-Management und Agenturen suchen Angebote nach “Interessen und Budget” heraus.

Wer also als Außenstehender mit diesem Artikel in der Rubrik Chancen einen notgedrungen knappen aber adäquaten Einstieg in die Veränderung der Hochschullehre durch neue, offene Netzangebote sucht, der wird fehlgeleitet, denn hier führt die Platzbeschränkung zu einer sehr einseitigen Situationsbeschreibung und Perspektiveneinschätzung. Schade.

L3T’s WORK - Visionen zur Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien

Abgelegt unter: Fachliches — JoWe um 15:17 am 04.06.2012

Auch wenn andere mal wieder viel schneller waren - wie Peter mit seiner ausführlichen Zusammenfassung und Wertung -  und auf die Gefahr hin, Dinge zu wiederholen: Der L3T’s WORK (shop) war so gut und inspirierend, dass ich einfach ein paar Aspekte ansprechen muss. Ich hatte ja auf der Hinreise schon getweetet Jetzt auf dem Weg zu #l3t Workshop in Bad Reichenhall. Freue mich auf Personen und Inhalte - in dieser Reihenfolge. Die Retweets zeigten, dass es anderen auch so gegangen ist. Und die Erwartung wurde nicht enttäuscht! Für mich war es eine inspirierende Mischung aus einigen alten Bekannten, erstmaliges Treffen virtueller Bekanntschaften und etlicher mir ganz neuer Namen und Gesichter. Das lag auch daran, dass es eine Mischung von Personen war, die eben nicht nur zu meiner engeren Community gehörten, sondern aus ganz anderen Arbeitsfeldern kamen.

Das zeigte sich sehr ertragreich bei der Bildung von Kleingruppen (ähnlich der World Café Methode), bei denen die unterschiedlichen Interessengruppen ihre Trends für die nächsten 5 Jahre formulierten. Bis auf die Politik waren mit dabei: Autoren, Lehrende, Lernende, Verlage, Bildungseinrichtungen und Hersteller. Allerdings waren es wohl vielfach mehr Wünsche als realistische Trends, die da formuliert wurden. Jedenfalls meine Einschätzung, wenn z.B. Verlagsvertreter von Plattformunabhängigkeit reden, Lehrende von der Durchdringung mit (standardisierten) iDevices, Bildungseinrichtungen vom Bottom Up-Druck, Lernende vom uneingeschränkten Zugriff auf Lernmaterialien, die Autoren von neuen Dienstleistungen in der Vertriebskette oder die Gerätehersteller von “content driven device development”.

Beim Marktplatz der Visionen ging es  dann weniger um erwartete Entwicklungen, als um gewünschte Szenarien. Leider fand mein 1:1. ab 1 (also 1:1-Ausstattung ab Klasse 1) keine UnterstützerInnen. Da ich mit meinem Lieblingsthema inzwischen mehrfach aufgelaufen bin, muss ich mir doch mal andere Einstiegsthesen und Begründungen einfallen lassen, denn offensichtlich halten viele dieses Thema für rein technikgetrieben, was es aus meiner Sicht allerdings nun gar nicht ist.

So habe ich mich der Gruppe L3T 2.0 angeschlossen (naja, Gruppe ist auch da leicht übertrieben; Martin und ich haben sie gebildet, aber wir haben uns dadurch sehr intensiv und konstruktiv unterhalten können). Zwar habe ich L3T 1.0 einigermaßen kontinuierlich verfolgt, aber es war sehr, sehr lehrreich, weitere Details über Vorgehensweisen, Hindernisse, Bedeutung des Marketing und Sponsoring zu erfahren. Natürlich haben wir dann Überlegungen zur Realisierung der Version 2.0 angestellt, die so konkret ausgefallen sind, dass das Plenum diese als sehr realistisch und wünschenwert eingestuft haben, so dass es bei der Gesamtbewertung zum Spitzenplatz gereicht hat. Ich hoffe, Sandra und Martin empfinden das als starke Rückendeckung, um dran zu bleiben … meine Unterstützung sollen sie diesmal haben.

Allerdings ist ja die Bewertung der Szenarien sehr mit Vorsicht zu genießen - ich verweise auf Peters ausführliche Darstellung (3) Verwirklichung/Praxis. Hier wäre einfach mehr Zeit nötig gewesen - und viele hätten diese auch aufgebracht (vgl. Guido Hornig und etliche Tweets).

Im Rahmen des ausgezeichneten freitäglichen Abendessens im Restaurant Salin fand schließlich der Wett(bewerb)  L3T’s bet! statt, bei dem konkrete Thesen (für die es konkrete Prüfkriterien gibt) durch das Setzen von Jetons über die zukünftige Entwicklung der Bildungsmedien bewertet werden sollten. Bei dem Zeithorizont 6, 12, 18 Monate bzw. noch später oder nie werden wir also in entsprechenden Zeitabständen von einer unabhängigen Jury erfahren, wer sich als kompetenter Zukunftsforscher qualifiziert haben wird.

Interessant finde ich im Übrigen, dass die Trends des Horizon Report 2012, die wir im OpenCourse 2012 thematisieren, bei diesem Workshop kaum oder gar keine Rolle gepielt haben. …

Viele inhaltliche Details wären noch berichtenswert; ich gehe aber davon aus, dass auch andere darüber berichten und auf der L3T’s WORK-Seite die Ergebnisse ausführlich dokumentiert werden. Bleibt mir abschließend zu sagen, dass die (im wahrsten Sinne des Wortes, gell Familie Schön!) familiäre Atmosphäre, die intensive Arbeit, die durchgängig kreative und inhaltsbezogene Vorstrukturierung der Arbeit bei gleichzeitiger Offenheit für die Inputs der TN (man merkt den erwachsenenbildnerischen Hintergrund des Teams) mir ein Gesamterlebnis beschert haben, wie ich es bisher (mit vielen Jahren Tagungserfahrung) selten erlebt habe. Nochmals Gratulation und Dank an das Team um Sandra und Martin, verbunden mit der Hoffnung, dass es vielleicht eine Fortsetzung in der einen oder anderen Form geben kann.

aus der Pressemitteilung: Dass sich das Treffen auch aus Sicht der Teilnehmer gelohnt zu haben scheint, zeigte sich auch in den angeregten Unterhaltungen beim Abschiedsumtrunk – einige taten sich sichtlich schwer, die Gespräche zu beenden und die Heimreise anzutreten.

#opco12 - Tablet Computing - die Zusammenfassung

Abgelegt unter: #opco12 — JoWe um 18:19 am 20.05.2012

Vom 7.5.12 bis 18.5.12 wurde im OpenCourse 2012 der Themenschwerpunkt Tablet Computing behandelt. Dies wird im Horizon Report als zweiter kurzfristiger Technologietrend betrachtet (deutsche Fassung, S. 16-20), obwohl Tablets eigentlich überhaupt erst seit zwei Jahren mit dem Erscheinen des iPad als Geräteklasse den Durchbruch geschafft haben (Tablet-PCs gibt es zwar schon deutlich länger, aber sie sind, wie Beat Döbeli klar gestellt hat, nicht direkt vergleichbar, ein Aspekt, der schon im Vorfeld des Online-Events aufgegriffen wurde: edaktik, brainbits).

Das Online-Event vom 9.5.12 mit Kurzstatements der Experten René Wegener (Uni Kassel) zu Tablets an Hochschulen bzw. Beat Döbeli Honegger (PHZ Schwyz) an Schulen liegt als Aufzeichnung vor, ebenso der Chat als Textdatei und die Folgediskussion in einem Pad. Die Diskussion wurde in bisher 32 Blogbeiträgen und mehr als 100 Tweets fortgeführt.

In etlichen Beiträgen werden die 5 Thesen von Beat Döbeli - meist zustimmend - diskutiert. In anderen wird die Rolle von Tablets in der persönlichen Lern- und Arbeitssituation reflektiert. Schwerpunkte lassen sich daraus schwer destillieren; deshalb der Verweis auf den Kursblog, wo die Beiträge im Original nachgelesen werden können.

Verweisen möchte ich auf drei Quellen, auf die ich durch die Beiträge geleitet wurde:
Das ist zunächst die Ringvorlesung zum Mobilen Lernen an der Universität Augsburg. Dort finden sich bisher die Folien zu den Vorträgen Mobiltelefone als kulturelle Ressourcen für das Lernen von Norbert Pachler bzw. Der Wandel der Rolle des Lehrenden durch den Einsatz mobiler Endgeräte in der Schule von Prof.Dr. Kerstin Mayrberger und André Spang.

Dass die Tablet-Diskussion nicht nur uns in der E-Community beschäftigt, zeigt ein Beitrag bei den Netzpiloten: Warum das iPad in deutsche Schulen gehört. Auf die Ausstattung der Schulen mit Tablets geht auch ein Brief der Direktorin der EKSD, Isabelle Chassot, ein, auf den ich über den Blog der Projektschule Goldau kam, in dem etliche Argumente aus der Diskussion unseres Online-Events auftauchen.

Zu der in meinem Blog etwas weiter geführten Frage 1:1 und BYOD noch zwei weitere Fundstellen: Carol Mortensen fasst die Erfahrungen aus einem Jahr BYOT im Schulalltag zusammen. In ähnliche Richtung argumentiert Maik Riecken, der den Vorschlag eines Vertrags mit Schülern, Eltern und Lehrkräften macht, der die Nutzung digitaler Endgeräte an der Schule regelt. Er meint, dass wesentliche Effekte nicht mit iDingens, sondern in der Kombinationen von iDingens mit kollaborativen Web2.0-Tools erzielt werden.

Zum guten Schluss noch der Hinweis auf Beat Döbelis Seiten zum 1:1 learning. Er hat dort Argumente für und gegen 1:1-Ausstattungen gesammelt. Außerdem gibt es dort eine Liste von 1:1-Projekten (derzeit 130; darunter werden Projekte verstanden, bei denen mindestens eine ganze Schulklasse innerhalb einer Schule jederzeit Zugriff auf einen persönlichen (Klein-)Computer - also nicht beschränkt auf Tablets - hat). Das Ganze ist als Wiki angelegt. Sie können sich also gerne an der Erweiterung der Argumentationssammlung als auch der Projektliste beteiligen!

Bedanken möchte ich mich nochmal bei den beiden Experten René Wegener und Beat Döbeli Honegger für ihre engagierte Beteiligung am Online-Event und der Diskussion danach! Die Diskussion zum Tablet Computing kann und soll gerne im Kursblog weiter geführt werden.

Wir hoffen auf weitere rege Beteiligung am OpenCourse 2012 ab dem 21.5.12 mit dem dritten Themenschwerpunkt Game Based Learning.

Joachim Wedekind

#opco12 - 1:1 und BYOD

Abgelegt unter: #opco12, OLPC — JoWe um 16:02 am 16.05.2012

In der Diskussion des Tablet Computing während des Online-Events des OpenCourse 2012 am 9.5.12 wurde ein wichtiger Aspekt angesprochen und diskutiert (angeregt von Beats Folie 3): BYOD (Bring Your Own Device; Pro und Kontra wird auch für Firmen diskutiert), manchmal auch noch breiter gefasst als BYOT (Bring Your Own Technology). Die Notwendigkeit einer 1:1-Ausstattung setzte ich hier mal voraus; deren Begründung/Diskussion möchte ich später nachschieben. Dies vorausgesetzt stellt sich dann die Frage, macht BYOD wirklich Sinn? Im Schul-/Hochschulkontext bedeutet es konkret, sich in entsprechenden Lehr-/Lernsituationen auf die Verfügbarkeit der notwendigen Geräte bei den Lernenden zu verlassen.

Ein verlockender Gedanke dabei ist, einfach mal anfangen zu können, ohne auf Investitionen des Schulträgers warten zu müssen. Aber: Was ist mit den Lernenden, die sich kein entsprechendes Gerät leisten können? Wir sprechen hier ja von Smartphones, Tablets, Netbooks, Notebooks usw., deren Leistungsfähigkeit einen Mindeststandard erfüllen (also WLAN-fähig, Programme/Apps für Mail, Social Media-Clients, Text, Bild, Video). Das haben nicht alle, schon gar nicht in Kindergarten (Beats Folie 1) oder Grundschule. Selbst an Hochschulen sind entsprechende Defizite auszugleichen. René Wegener berichtete von Leihgeräten an der Uni Kassel. Philipp Gebhardt weist aber zurecht darauf hin, dass damit Aufgaben nur verschoben werden: nämlich Eigenfinanzierung und Eigenadministrierung der Systeme. Gerade die Administration spricht wieder für einheitliche Ausstattung und speziell für Tablets (vgl. die ipadklassse). Wobei allerdings auch Cloud Computing ein Schritt zur Vereinheitlichung sein könnte.

Mich würden jedenfalls detaillierte Praxisberichte interessieren, wie BYOD im Alltag aussieht (ein Beginn ist mit Mandys Bericht BYOD am EduCamp gemacht). Gerade weil nicht 100% des Unterrichts plötzlich nur noch mit den digitalen Geräten bestritten wird, sondern diese punktuell, dort wo didaktisch sinnvoll, genutzt werden sollen - wie im Übrigen andere Unterrichtsmittel ja auch - ist die für Lehrende und Lernende problemlose Integration in das Unterrichtsgeschehen sicher zu stellen. Dabei wirkt das neuartige Interface der Tablets (Touchscreen, Frank Thissen hat in der Online-Diskussion darauf hingewiesen) eindeutig erleichternd.

Meiner Ansicht nach eröffnet die 1:1-Ausstattung mit gleichartigen Geräten  aber vor allem (abgesehen davon, dass unterschiedliche Geräte dann kein Statussymbol mehr darstellen) ganz neue Möglichkeiten für die Kooperation und Kollaboration von SchülerInnen bzw. Gruppen innerhalb und außerhalb der Schulen (vgl. auch Derndorfers Vortrag in Goldau). Es würde natürlich auch die Verfügbarkeit und den Austausch von Materialien erleichtern. Darin sehe ich u.a. den häufig nachgefragten didaktischen Mehrwert.

Ich gehe im Übrigen nicht davon aus, dass die Bildungsministerien der Länder, die 1:1-Ausstattungen vorantreiben, die notwendigen Investitionen nur deshalb tätigen, um modischen Trends zu folgen (wie etwa Uruguay mit OLPC/XO, Argentinien, Türkei oder Thailand). Es ist doch eher die Frage, ob dort nicht pragmatisch und konsequent und unbelasteter von Grundsatzdiskussionen als bei uns der Schritt in die globalisierte Wissensgesellschaft/Informationsgesellschaft vorbereitet wird.

En fertiges, schlüssiges Konzept zur 1:1-Ausstattung unserer Schulen habe ich nicht in der Tasche. Viele Details blieben zu klären. Zur Vertiefung empfehle ich das Themenheft 1:1-Ausstattung (Heft 81 der Zeitschrift Computer + Unterricht). Um heterogene Umgebungen mit privater Hardware in der Schule wird es auch beim 3. Workshop Lerninfrastrukturen an Schulen gehen im Rahmen der DeLFI 2012 an der FernUniversität Hagen (24.- 26.09.2012).

Update 27.05.12: Gary Stager hält BYOD für eine ganz schlechte Idee (BYOD – Worst Idea of the 21st Century?) und nennt dafür acht Gründe (nicht unwidersprochen, 71 Kommentare):

  • BYOD enshrines inequity
  • Real people don’t want a device
  • BYOD simplistically creates false equivalencies between any object that happens to use electricity
  • It is miseducative to make important educational decisions based on price!
  • BYOD narrows the learning process to information access and chat (when students aren’t being punished for either)
  • BYOD increases teacher anxiety
  • BYOD diminishes the otherwise enormous potential of educational computing to the weakest “device” in the room
  • BYOD contributes to the growing narrative that education is not worthy of investment

#opco12 - Tablet Computing - eine Zwischenbilanz

Abgelegt unter: #opco12 — JoWe um 21:45 am 13.05.2012

Seit dem 7.5.12 läuft der Themenschwerpunkt Tablet Computing im Rahmen des OpenCourse 2012. Schon vor dem Online-Event am 9.5. wurde das Thema in mehreren Blogbeiträgen aufgegriffen. Sie befassen sich u.a. mit der Abgrenzung der Tablets von anderen digitalen Geräten (edaktik, brainbits) und sprechen einen Aspekt an (Boller mit Verweis auf Hermes, brainbits), der auch beim Online-Event in Mittelpunkt rückte: BYOD (Bring Your Own Device). Interessant auch die Vision von Tablets im Chemieunterricht (superlehrer). Solche Beispiele, nicht als Vision, sondern möglichst erste Realerfahrungen wären interessant und wichtig. Wer kann sie bereits liefern?

Die Online-Veranstaltung begann mit zwei Kurzstatements der Experten René Wegener (Uni Kassel) zu Tablets an Hochschulen bzw. Beat Döbeli Honegger (PHZ Schwyz) an Schulen, denn wir setzten voraus, dass die TN im Vorfeld die angebotenen Materialien gelesen hatten. Es schloss sich eine intensive Diskussion im Textchat an (bis weit nach Ende der Veranstaltung), die dann in einem Pad fortgesetzt wurde.

Es kristallisierten sich zwei Themen heraus, die auch in Blogbeiträgen weiter geführt wurden: 1:1-Ausstattung oder BYOD sowie didaktische Konzepte für Tablet-Nutzung. Ein Punkt bei BYOD ist die Wahrung der Chancengerechtigkeit (vgl. sonjalearning, distancelearninggarden, medienberater). Mehrfach wurden didaktische Konzepte für die Tablet-Nutzung angemahnt (letztlich bezog sich das aber praktisch immer auf m-Learning). whriesenbeck spricht vom Lernen auf dem Silber-Tablet. Das ist sicher ein Aspekt, der weiterer Vertiefung bedarf. Mir selber ist das häufig zu sehr eingegrenzt auf Mobilität und soziale Medien. Es gab und gibt auch etablierte Nutzungsformen, die durch die 1:1-Verfügbarkeit von Tablets neue Relevanz erhalten.

Für alle, die sich über didaktisch begründete Nutzungsszenarien Gedanken machen, kommt das Vortragsmanuskript von Gabi Reinmann gerade recht: Tablets, Apps und das Internet der Dinge. Der Untertitel Der weite Weg von der technischen Invention zur didaktischen Innovation charakterisiert treffend die Problemlage und einen der Schlusssätze kann ich nur unterstreichen: … die Einsicht, dass Produktinnovationen etwas anderes sind als soziale und damit auch didaktische Innovationen, dass Forschung mit dem Ziel, Innovationen hervorzubringen, anders laufen muss als Forschung mit dem Ziel, Hypothesen zu überprüfen und Theorien zu entwickeln. Gabis Text sei hiermit dringend zur Lektüre empfohlen!

Wir sind gespannt auf die Fortführung der Diskussion!

ePad statt iPad

Abgelegt unter: Allgemein, OLPC — JoWe um 22:54 am 14.03.2012

Es gab Zeiten, da hat Apple spezielle Geräte für den Bildungsbereich entwickelt und angeboten, die zu der Zeit innovative Merkmale aufwiesen. So wie der eMate 300, der 1997 erschien, auf dem PDA Newton basierte, aber 1998 bereits wieder vom Markt genommen wurde. Nun gibt es also die neue Version des iPad (das “neue” iPad), wie dafür geschaffen, die Bildungslandschaft zu verändern.

Leider ist das iPad für Schulträger, die eine 1:1-Ausstattung unterstützen, wie ich sie propagiere, denn doch zu teuer. Wenn nun Archos ein Child Pad ankündigt, das für 129$ erhältlich sein wird, dann erwächst damit zunächst einmal dem angekündigten XO 3.0 Tablet preisliche Konkurrenz. Aber es könnte dies vielleicht auch ein Anstoß für Apple sein, die Vorzüge seiner Plattform in eine spezielle Variante zu packen, eben ein ePad, das preislich damit vergleichbar wird. Denn bei allen Vorbehalten gegenüber Apples Einschränkungen: Einen Maßstab vorzugeben, was schulische Geräte können und bieten sollten, das wäre trotz allem nicht schlecht.

Bildnachweis: http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Applenewton_emate300.jpg

#wige11 Wissensgemeinschaften 2011

Abgelegt unter: Fachliches — JoWe um 10:24 am 12.09.2011

… schon ist die Tagung Wissensgemeinschaften 2011 (mit den drei Teilkonferenzen GMW/DeLFI/GeNeMe) in Dresden wieder vorbei. Ich bin ziemlich zufrieden nach Hause gefahren - was allerdings in leichtem Widerspruch zur Einschätzung meiner KollegInnen steht, die neben guten und interessanten Beiträgen auch von einigen Enttäuschungen zu berichten hatten. Vermutlich liegt es daran, dass ich kaum Vorträge gehört habe, sondern überwiegend in Workshops war.

So während der Pre-Conference bei Lerninfrastruktur in Schulen: 1:1-Computing. Dort hatten die Teilnehmenden bereits im Vorfeld die Einreichungen erhalten. So konnte (und wurde!) deren Kenntnis von den ReferentInnen vorausgesetzt, die sich daher auf kurze Zusammenfassungen beschränkten, weiterführende Aspekte einbrachten und die Diskussion mit Thesen anregten. Das führte insgesamt zu einer sehr fundierten und lebhaften Diskussion … auch zu dem Wunsch, sich weiter zu vernetzen und Folgeaktivitäten zu entwickeln. Dieser produktive Ablauf zeigt, wie berechtigt Beats - wiederholte - Forderung ist, dass die Tagungsbände insgesamt vorab verfügbar sein sollten; Unterstützung dieser Forderung ist weiterhin möglich!

Ähnlich produktiv empfand ich das Qualitätsforum, bei dem es um eine mögliche Nachfolge für den Medida-Prix ging (bei dem ich ja zeitweise selber involviert gewesen bin). Auch da mündete die Arbeit in den festen Vorsatz für Folgeaktivitäten.

Der Workshop zum OpenCourse 2011 versammelte neben den Frankfurter Organisatoren auch zwei Referenten und etliche TeilnehmerInnen. So ergab sich ein interessanter Austausch zwischen Anbietern und Adressaten, dessen Ergebnisse in mögliche Nachfolgeangebote fliessen können. Auch daran wird konkret weiter gearbeitet werden, in diesem Fall kooperativ von den Frankfurtern mit uns von e-teaching.org. Stay tuned!

Das reichte schon für mein positives persönliches Tagungsfazit. Meine Mängelliste betrifft eher das Drumherum (aber wir wissen ja, wie wichtig das für den Gesamteindruck sein kann): Die Wissensgemeinschaften 2011 vereinigte 3 Konferenzen - die GMW 2011, die DeLFI 2011 und die GeNEMe 2011 - aber leider nicht unter einem Dach. Die GeNEMe fand im Gegensatz zu GMW und DeLFI im Informatik-Gebäude statt, mit einigen Minuten Gehzeit dazwischen, was zumindest mir den leichten Wechsel zwischen den Vorträgen  verbaute; vielleicht haben jüngere sportliche KollegInnen das weniger als Hemmnis empfunden.

Die sogenannten Keynotes waren ok, aber nicht herausragend. Die Themen Wikipedia und GuttenPlag sind aktuell und wichtig für die E-Learning-Community, aber die Referenten hätten ruhig von mehr Vorwissen der ZuhörerInnen ausgehen können. Dass es sich bei der Keynote von Asha Kanwar zu Open Educational Resources um eine (akustisch sehr schlechte) Konserve handelte, erfuhr man erst im Hörsaal, der sich entsprechend schnell wieder leerte; eigentlich schade um das Thema.

Überhaupt die Ankündigungen: Beim Podium waren vor Beginn weder Thema noch Diskutanten bekannt; ein Zeichen dafür, wie wertgeschätzt das dann behandelte Thema E-Assessment genommen wurde? Bei der abendlichen Dampferfahrt mit Konferenzdinner wurde auch darauf verzichtet, Hinweise auf die angestrahlten Gebäude zu geben, an denen wir vorbei fuhren. Auch keine Grußworte, weder lustige noch ernsthafte Einschübe, nur Essen und Trinken. Besser man hätte den GMW-Geburtstag auf dem Schiff zelebriert. Am Montag Abend waren die GMWler nämlich nach meinem Eindruck in der Minderzahl und die TeilnehmerInnen der Kokonferenzen konnten mit den (deutlich zu langen) historischen Einlassungen der ehemaligen GMW-Vorsitzenden wohl eher wenig anfangen.

Wie gesagt, ich bin trotzdem zufrieden abgereist, aber die Wiener haben viele Gelegenheiten, es bei der GMW 2012 mal wieder besser zu machen …

2. Workshop „Lerninfrastruktur in Schulen: 1:1-Computing“

Abgelegt unter: Fachliches — JoWe um 11:49 am 27.07.2011

Seit längerem plädiere ich hier für 1:1-Ausstattung an den (Grund-)Schulen, zuletzt (ziemlich erfolglos) beim Kongress Keine Bildung ohne Medien! in Berlin. Umso mehr freue ich mich, dass es bei der Preconference der DeLFI-Tagung (am 05.09.2011 in Dresden) den 2. Workshop Lerninfrastruktur in Schulen: 1:1-Computing geben wird. Aus der Ankündigung:

Schulen stehen vor der Herausforderung digitale Medien für kooperative Arbeitsformen und individualisierte Lernprozesse bereitzustellen. Der Einsatz sollte dabei auch spontan und situatativ erfolgen können. Es liegt nahe, dass diese Anforderungen am ehesten durch die Bereitstellung individualisierter 1:1-Ausstattungen realisiert werden kann.

Im Workshop werden unterschiedliche Ausstattungskonzepte vorgestellt und diskutiert. Berücksichtigung finden dabei auch Fragen der Aus- und Fortbildung, des Supports und der strategischen Ausrichtung von Schulen. Der Workshop schließt an den Workshop „Lerninfrastruktur an Schulen“ auf der DelFI 2010 an und will Wissenschaftler/innen mit Lehrenden und Verantwortlichen aus dem Schulbereich zusammenbringen.

Neben den einzelnen Vorträgen ist eine Session zur gemeinsamen Diskussion von Gelingensfaktoren von 1:1-Projekten und zur Vernetzung vorgesehen. Um eine intensivere Arbeit zu ermöglichen, bitten wir die Teilnehmenden die Beiträge vor dem Workshop zu lesen.

Als Mitglied des Programmkomitees freue ich mich, dass es gelungen ist, ein interessantes Programm zu gestalten:

Teil 1: 11.00 - 12:30 – Vorträge – Ausstattungskonzepte

  • Müller, Kammerl: Das Hamburger Netbook-Projekt und dessen Evaluation durch die Universität Hamburg
  • Ludwig, Mayrberger, Weidmann: Einsatz personalisierter iPads im Unterricht aus Perspektive der Schülerinnen und Schüler
  • Döbeli Honegger, Neff: Stell Dir vor es ist Primarschule und alle haben während zwei Jahren Computer und Internet in der Hosentasche
  • Heinen, Kresse: Nutzung privater Hardware im Unterricht - Schülerbefragung an einem Gymnasium

Teil 2: 13:45 – 15:15 – Vorträge – Support und Strategie

  • Wefelnberg, Bienengräber-Killmann: Computer in der Schule: Vermittlung von technischem Handlungswissen durch Peer-Beratung
  • Derndorfer: OLPC - Es funktioniert nur wenn alle mitspielen
  • Herber: One-to-One Educational Computing in Europa - European Policy & Practice
  • Welling, Stolpmann: Neue Chancen für die schulische Mediennutzung durch Tablets?

Teil 3: 15:45 – 17:15 – Diskussion und Vernetzung

  • Gelingensbedingungen 1:1-Projekte
  • Forschungsaktivitäten

Als Moderator des Vortragsstrangs freue ich mich besonders, dass wir die Papiere den Teilnehmern des Workshops schon voarb zur Verfügung stellen können, so dass wir viel Zeit für Diskussionen (und hoffentlich konkrete Ergebnisse) erhalten. Einen frühzeitigen Zugang zu den Artikeln erhalten Sie, wenn Sie sich per E-Mail anmelden bei bei richard.heinen@uni-due.de. Ich hoffe, wir sehen uns in Dresden …

#opco11 - Lerntechnologien: IKT in den Schulen

Abgelegt unter: #opco11, Fachliches, OLPC — JoWe um 12:56 am 20.05.2011

Passend zum Thema Lerntechnologien bei opco11 und meinem Lieblingsthema 1:1-Ausstattung ist ein Beitrag von Steve Wheeler, den er Misplaced ICT nennt. Dabei bemängelt er, dass schulische Ausstattung sich meist an Computing als Fach orientiert (bei uns also Informatik, die es ja nur punktuell und fakultativ gibt), während er ICT (bei uns also IKT) als Werkzeugausstattung interpretiert, die Lernen ermöglichen bzw. unterstützen soll. Er zitiert dazu wiederum Craig Taylor über redesigning learning spaces:

  • Lose the ICT suite. This only serves to isolate technology from current learning activities as opposed to embedding it within them. It also stands empty for the majority of the time, which is a waste of space and resources. IT access could still be gained by …
  • … Provide netbooks/laptops to each learner attending events. These can be kept in purpose built storage/charging trolleys. Coupled with a WiFi connection this will allow learners to connect to the outside world as opposed to relying solely on the knowledge that is being shared amongst the facilitator/delegates, a great example of social constructivism. A modern approach to learning which fits with a modern building.

Steve greift das auf und ergänzt:

… the separation of ICT from all other learning spaces engenders a perception that ICT and learning are somehow separate. They should not be, of course. ICT should be embedded into all learning activities as is appropriate.

Genau der Meinung bin ich auch.

quo vadis #kbom ?

Abgelegt unter: Fachliches — JoWe um 22:18 am 27.03.2011

Im Vorfeld des Kongresses Keine Bildung ohne Medien! in Berlin hatte ich mich hinsichtlich seiner Erfolgschancen ja eher skeptisch geäussert. Trotzdem wurde ich von Kerstin Mayrberger ermuntert, mich an der AG Schule mit einem Statement zu beteiligen, was ich denn auch getan habe. Von anfänglich zehn Minuten (eigentlich schon zu kurz) musste ich mich vor Ort dann mit sieben Minuten beschränken, was definitv zu wenig war, um eine Initiative vorzustellen und zu begründen, die sich von den anderen Präsentationen und Forderungen deutlich unterschied mit meinem Plädoyer für eine 1:1-Ausstattung an Grundschulen: Digitale Medien für Alle von Anfang an. Ich habe es deshalb drüben auf meiner Website in der Langfassung abgelegt.

Unterstützung gab es dafür ebenso wenig wie inhaltliche Nachfragen, aber abwehrende Kommentare mit der Warnung vor der Ausstattung zuerst und dem Verweis auf das Schicksal der Sprachlabore und dass es in der AG ja um Bildung gehe. Ich hoffe, mein Text macht deutlich, dass ich tatsächlich ein ganzheitliches Konzept vorschlage, dass Medienintegration als Schulentwicklungsprozess interpretiert. Insofern fand ich dann die drei zentralen Forderungen der AG enttäuschend:

  1. Kein Jugendlicher darf Schule ohne grundlegende Medienbildung verlassen. Das verlangt die verbindliche Verankerung in Prüfungen und Lehr- und Rahmenplänen in allen Fächern.
  2. Keine Lehrperson darf ihre Ausbildung ohne Kompetenz zur Medienbildung abschließen; zugleich muss die Entwicklung der Kompetenz zur Medienbildung ein verbindlicher Bestandteil der Fort- und Weiterbildung sein. Das erfordert die Formulierung von akkreditierungsrelevanten Bildungsstandards durch die KMK und die Aufnahme in das System der Aus-, Fort- und Weiterbildungen.
  3. Jede Schule muss ein fächer- und jahrgangsübergreifendes Medienbildungskonzept als Teil des Schulprogramms entwickeln und umsetzen. Das bedeutet die Verankerung im länderspezifischen Qualitätsrahmen als eigene Dimension.

Dominik Petko hatte in der AG Schule zurecht darauf hingewiesen, dass die Forderungen “adressatengerecht”, also mit sehr konkreten Aussagen, formuliert werden müssen, wenn sie politisch wirksam werden sollen. Wer würde diesen Forderungen nicht zustimmen; aber welche konkreten Aktionen sollen daraus folgen? Insofern stimme ich mit der Einschätzung einer Gruppe überein, die am zweiten Kongresstag sich spontan zusammen fand, eigene Forderungen entwickelte und nun versucht mit den Kongressorganisatoren mit einem offenen Brief ins Gespräch zu kommen. Besonders mit diesem Punkt fühle ich mich mit meiner Einschätzung bestätigt:

Die politische Zielrichtung des Kongresses hat einen Schritt zu schnell gemacht. Es gibt bisher keine Einigkeit, wie die Medienpädagogik agieren soll. So wurde der Kongress zum Diskussionsort auf Kosten der politischen Schlagkraft. Es entstand der Eindruck einer Zustandsbeschreibung, in den Referaten wurden zu wenig neue Ideen wahrgenommen, gesellschaftliche Impulse waren kaum bzw. nicht zu spüren.

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