Die fünfte Disziplin

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 22:49 am 22.02.2009

Der Stellenwert des E-Learning/E-Teaching an den Hochschulen ist deutlich geringer, als wir Mediendidaktiker es in unserem eigenen Alltag (Forschung & Entwicklung, Lehre) erleben. Ich trage gerade mit meiner Kollegin Daten zur Nachhaltigkeit der Förderaktivitäten im Hochschulbereich zusammen und das Ergebnis ist gelinde gesagt ernüchternd. Ohne hier auf die Daten näher eingehen zu können, ist es schon erstaunlich, wie wenig Spuren die vielen Projekte hinterlassen haben.

Die Hochschullehrenden, Hauptakteure bei den Förderprogrammen der letzten zehn Jahre, möchte ich bei der Suche nach den Gründen gleich ein wenig aus der Schusslinie nehmen, denn diese Situation ist meines Erachtens nicht auf deren Reformunwilligkeit zurück zu führen. Wenn es nämlich einen gesellschaftlichen Bereich gibt, der in den letzten Jahren umgestaltet wurde, dann die angeblich so reformunwilligen Hochschulen. Allerdings sind es gleich mehrere Felder, auf denen die Hochschullehrenden gefordert sind; deswegen spreche ich vom Modernen Fünfkampf:

Dazu zählt der Bologna-Prozess, der durch die Umgestaltung der Studiengänge natürlich auch die Lehre elementar betrifft. Dazu zählt die Exzellenz-Initiative, die eine neue Hierarchie der Hochschulen nach sich ziehen kann. Der Globalisierungsprozess tangiert den einzelnen Hochschullehrer ebenso wie neu geordnete Hochschulfinanzen. Und erst danach, gewissermaßen als fünfte Disziplin, kommt dann auch noch E-Learning/E-Teaching.

Deshalb hilft es uns bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien weiter, wenn wir akzeptieren, dass die im Fach agierenden Hochschullehrer einen sehr pragmatischen Zugang bzw. Einschätzung von  E-Learning/E-Teaching haben. Es könnte also eher kontraproduktiv sein, dessen Einführung und Ausweitung mit weiter reichenden Zielen zu überfrachten - was häufig genug geschehen ist, z.B. als Vehikel für strukturelle Reformen oder als Einstieg in neue Geschäftsmodelle. Ein dauerhafter Zugang wird vielleicht eher erreicht, wenn die Potenziale der digitalen Medien schlicht als sinnvolle Erweiterungen des Methodeninventars plausibel gemacht werden können.

5 Kommentare »

Kommentar von Hajo

23. Februar 2009 @ 11:07

Hallo,

Eine Korrektur:
Dazu zählt die Exzellenz-Initiative, die eine neue Hierarchie der Hochschulen nach sich ziehen “kann”. Es sollte heissen “wird”.

Elearning auf die Höhe des Bolognaprozesses zu ziehen ist etwas “hochgegriffen”. Es ist “schlicht eine Erweiterung des Methodeninventars”, dessen Potential von den meisten Lehrenden nicht erkannt wird.

Wichtiger: Es hat sich bei den heutigen Studenten ein selbstverständlicher Umgang mit den Netzwerkmedien bei der Informationsbeschaffung und Organisation des sozialen Umfeldes entwickelt, der vom etablierten Lehrbetrieb bestenfalls ignoriert wird. Dabei hat sich unter den jungen Studenten eine parallele Kommunikations- und Interaktionswelt zur uns bekannten Universität (incl. Lehre und Forschung) entwickelt.

Und mal beziehungslos und sinnfrei in den Raum gestellt:

http://www.youtube.com/watch?v=e50YBu14j3U&eurl

http://www.youtube.com/watch?v=F3nHvkJSNFg&eurl

http://www.youtube.com/watch?v=dGCJ46vyR9o&eurl

Gruss Hajo

Kommentar von Gabi Reinmann

25. Februar 2009 @ 08:42

Danke für die interessanten Links.

Trotzdem: Wie wäre es mit einem deutschen Beipsiel - ganz ohne Marketing-Budget ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=B5R6cjMHjAU

Gabi

Kommentar von JoWe

25. Februar 2009 @ 10:50

>hajo: ob “kann” oder “wird” sehen wir dann mal, wenn die zweite Runde läuft (wenn es die denn geben wird).

Ich hatte für E-Learning ja auch schon eine realistische Einordnung angemahnt. Aber wie immer, sind die Dinge kompliziert und in raschem Wandel. Vermutlich wird ja mittelfristig wirklich kaum jemand um die Integration der digitalen Medien in die Lehre herum kommen. Aber ein “urwüchsiger” Bedeutungszuwachs führt ja nicht zwangsläufig zu didaktisch sinnvollen Nutzungsformen. Insofern siedle ich die Bedeutung schon recht hoch an (manche sprachen ja auch schon von E-Bologna, weil der Umstellungsprozess anders nicht zu bewältigen sei).

>Gabi: Wenn man eure vielfältigen Aktivitäten in Augsburg sieht; alle Achtung, ein Leuchtturm in der deutschen E-Learning/E-Teaching-Szene. Ich hoffe mal, das registriert eure Hochschulleitung langsam auch so … oder wie ist das mit dem Propheten im eigenen Land?

Kommentar von Gabi Reinmann

25. Februar 2009 @ 11:30

Es ist so, wie es schon immer war … mit dem Propheten ;-)

Gabi

Kommentar von Hajo

25. Februar 2009 @ 12:51

Hallo,

und genau da sehe ich den Unterschied zu den o.g. Links. Zumindest in einigen Gegenden dieser Welt wird von den Entscheidungsträgern erkannt, dass sich die Realität weiterentwickelt hat.

Stichwort Augmented Reality ;-)

http://www.mobilizy.com/wikitude.php

Aber lamentieren führt zu nichts. Ich wünsche den Kollegen in Augsburg viel Erfolg bei der Überzeugungsarbeit.

Hajo

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