Die fünfte Disziplin
Der Stellenwert des E-Learning/E-Teaching an den Hochschulen ist deutlich geringer, als wir Mediendidaktiker es in unserem eigenen Alltag (Forschung & Entwicklung, Lehre) erleben. Ich trage gerade mit meiner Kollegin Daten zur Nachhaltigkeit der Förderaktivitäten im Hochschulbereich zusammen und das Ergebnis ist gelinde gesagt ernüchternd. Ohne hier auf die Daten näher eingehen zu können, ist es schon erstaunlich, wie wenig Spuren die vielen Projekte hinterlassen haben.
Die Hochschullehrenden, Hauptakteure bei den Förderprogrammen der letzten zehn Jahre, möchte ich bei der Suche nach den Gründen gleich ein wenig aus der Schusslinie nehmen, denn diese Situation ist meines Erachtens nicht auf deren Reformunwilligkeit zurück zu führen. Wenn es nämlich einen gesellschaftlichen Bereich gibt, der in den letzten Jahren umgestaltet wurde, dann die angeblich so reformunwilligen Hochschulen. Allerdings sind es gleich mehrere Felder, auf denen die Hochschullehrenden gefordert sind; deswegen spreche ich vom Modernen Fünfkampf:
Dazu zählt der Bologna-Prozess, der durch die Umgestaltung der Studiengänge natürlich auch die Lehre elementar betrifft. Dazu zählt die Exzellenz-Initiative, die eine neue Hierarchie der Hochschulen nach sich ziehen kann. Der Globalisierungsprozess tangiert den einzelnen Hochschullehrer ebenso wie neu geordnete Hochschulfinanzen. Und erst danach, gewissermaßen als fünfte Disziplin, kommt dann auch noch E-Learning/E-Teaching.
Deshalb hilft es uns bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien weiter, wenn wir akzeptieren, dass die im Fach agierenden Hochschullehrer einen sehr pragmatischen Zugang bzw. Einschätzung von E-Learning/E-Teaching haben. Es könnte also eher kontraproduktiv sein, dessen Einführung und Ausweitung mit weiter reichenden Zielen zu überfrachten - was häufig genug geschehen ist, z.B. als Vehikel für strukturelle Reformen oder als Einstieg in neue Geschäftsmodelle. Ein dauerhafter Zugang wird vielleicht eher erreicht, wenn die Potenziale der digitalen Medien schlicht als sinnvolle Erweiterungen des Methodeninventars plausibel gemacht werden können.