Meine Wunsch-MOOCs

Abgelegt unter: Fachliches — JoWe um 22:22 am 02.05.2013

Derzeit läuft die öffentliche Abstimmungsphase beim Wettbewerb MOOC Production Fellowship. Mit dem Wettbewerb wollen Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und iversity die Entwicklung innovativer Konzepte für Massive Open Online Kurse anstoßen und die Umsetzung von zehn Kurskonzepten ermöglichen. Nach der Ankündigung wurde bereits heftig diskutiert, ob damit nicht nur xMOOCs eine Chance hätten. Man wird sehen; jedenfalls sind die ca. 250 Bewerbungen nun online und bis zum 23. Mai kann die allgemeine Öffentlichkeit auf der Wettbewerbs-Webseite für ihre Lieblingskurse abstimmen. So wird ermittelt, welche Kurskonzepte auf die größte Resonanz bei potentiellen Studierenden stoßen. Diese Resonanz soll ein Kriterium für die Ermittlung der Preisträger sein.

Ich verstehe das aber auch so, dass man mit seiner Abstimmung auch kund tut, welches Thema durch welche Veranstalter eine Chance zur Verwirklichung (durch die finanzielle Förderung) bekommen sollen. Das bedeutet für mich nicht, dass ich nur für MOOCs stimme, die ich gerade auch gern besuchen würde. Es ist erst einmal ein Wettbewerb der MOOC-Ideen und kein Werben um potentielle Teilnehmer, denn beim Stifterverband steht:  Es können alle Internetnutzer ihr Votum für die Kurse abgeben, die für sie besonders interessant und wegweisend sind.

So habe ich mit Interesse das Spektrum der Themen, der Veranstalter und auch der geplanten Vorgehensweisen gelesen. Ich gebe zu, bei meinen Votings bin ich nicht ganz unbeeinflusst von persönlicher Kenntnis einiger Einreicher, aber auch mir ganz neue Ideen und Personen habe ich gefunden. Ganz oben stehen bei mir zwei MOOCs aus meinen früheren beruflichen Schwerpunkten:

L3T’s MOOC – Der offene Online-Kurs über das Lernen und Lehren mit Technologien

… wäre ich noch aktiv, hätte ich da glatt mit eingereicht. Und dann Kerstin Mayrbergers Vorschlag:
Medienbildung und Mediendidaktik – Grundbegriffe und Praxis

Inhaltlich ist mir der folgende MOOC fern, aber unterstützenswert, weil Christian Spannagel einfach für Innovation steht:
Mathematische Denk- und Arbeitsweisen in Geometrie und Arithmetik

Obwohl ich dazu gerade einen MOOC absolviere (Complexity Explorer) vote ich aus inhaltlichem Interesse für
Komplexe Welt: Strukturen, Selbstorganisation und Chaos

Nachdem ich gerade mein Faible für Animationen geoutet habe, finde ich genau dazu eine Einreichung:
Animation - Beyond The Bouncing Ball

und auch eine zu Infografiken
Das Erklären erklären: Wie Infografik klärt, erklärt und Wissen vermittelt

Einen Solidaritätspunkt bekommt Monika König, die ihre MMC13-Erfahrung hier einbringt:
Die Kunst des Argumentierens

Ich habe noch Stimmen übrig. Ob ich sie vergebe ist offen. Bei vielen Themen frage ich mich, wie die Dunbar-Zahl erreicht werden soll und etliche Kursbeschreibungen klingen so traditionell, dass ich einen MOOC dazu nicht unterstützen will. Ich bin gespannt auf das Endergebnis der öffentlichen Abstimmung und noch mehr, inwieweit die Jury das in seine Auswahl einfliessen lassen wird.

Lernen mit Animationsfilmen

Abgelegt unter: Allgemein, Visualisierung — JoWe um 18:07 am 01.05.2013

Letzte Woche war in Stuttgart das 20. Internationale Trickfilm-Festival und wenigstens einen Tag konnte ich dort sein. Ich habe einige Wettbewerbsfilme gesehen, darunter im Internationalen Wettbewerb A Wind Egg, Gewinner des Lotte Reiniger Förderpreis, und Virtuos Virtuell von Stellmach & Oschmann. Diese dynamischen Tuschezeichnungen zur Ouvertüre der Oper „Der Alchymist“ von Louis Spohr zeigen eindrucksvoll, was im Animationsfilm alles möglich ist.

Filmausschnitt aus Virtuos Virtuell von Stellmach & Oschmann

Allein die verwendeten Techniken sind schon enorm vielfältig; vom klassischen Zeichentrick über Puppentrickfilme, Knetfigurenfilme bis hin zu 2D- bzw. 3D-Computeranimation. Schon gewusst? Es gibt sogar ein Deutsches Institut für Animationsfilm.

Animationsfilme gibt es auch schon lange im Lehr-/Lernkontext (nur als ein Beispiel sei die Veranschaulichung der Zellteilung, die Mitose, genannt, die es in zig Variationen gibt). Seit einigen Jahren sind neue, ganz bewusst einfache Formen hinzugekommen. Berühmt wurde dadurch Common Craft mit einer Serie Technology in Plain English, bei der sie mit einer Kombination einfacher Strichzeichnungen und der Legetechnik arbeiteten. Rein zeichnerisch arbeitet auch Dave Cormier bei seiner Erklärung What is a MOOC? Bei RSA Animate ist daraus eine eine Art Echtzeit-Zeichnen mit eigenem Reiz geworden. In unseren Kontext passt besonders Changing Educational Paradigms als Visualisierung des Vortrags von Ken Robinson. Für den COER13 hat Sandra einige Erklärvideos produziert, die eine gelungene Kombination von Legevideo und Echtzeit-Zeichnung darstellen.

Bei e-teaching.org hatten wir ein exemplarisches Legevideo zum Thema E-Lectures in klarem Deutsch produziert und dazu auch ein Making of … geschrieben.

Die Vielfalt der Animationstechniken findet sich also mit durchaus spezifischen Ausformungen im Lehr-/Lernkontext wieder. Nun weiß ich natürlich, dass Animationen als Unterrichtsmedien gezielt eingesetzt werden müssen, wenn sie wirklich lernförderlich sein sollen (sehr gute Vertiefungen dazu bieten die Reviews von Mayer & Moreno, 2002, bzw. Ainsworth, 2008). Dennoch wäre es reizvoll, einfach mal einen offenen Workshop zu organisieren, in dem die grundlegenden Techniken vermittelt und gängige (Open Source) Werkzeuge vorgestellt werden. Da könnten positive Beispiele entstehen. Und warum eigentlich keinen Wettbewerb für die besten Lernanimationen (oder gibt’s sowas vielleicht sogar schon irgendwo!)?

Update 3.5.: Am Ende seines Vortrags Stop Drawing Dead in dem Bret Victor für interaktive Simulationen als Animationsform plädiert, zeigt er eine interaktive Musikvisualisierung, die in Richtung der o.g. Virtuos Virtuell geht (im Video ab Min. 50). Sehenswert, aber besser verständlich, wenn vorher der Vortrag angehört wurde …

das Blog-Twitterstöckchen … wie ich Twitter nutze

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 10:57 am 27.04.2013

Aus gegebenem Anlass denke ich derzeit manchmal auch darüber nach, was ich warum in den sozialen Medien so mache. Da kommt das Zuwerfen eines Blog-Stöckchens zu Twitter fast passend (Start Ralph Scholze @webpixelkonsum,  dann Kristine Honig @kristinehonig, dann Monika @mons7 an mich, andere noch in der Pipeline). Dazu in gebotener Kürze:

1.) Wer bist Du auf Twitter? Seit wann bist Du auf Twitter? Nutzt Du Twitter vorwiegend privat und/ oder beruflich?
Bei Twitter findet man mich unter @jowede und das seit September 2009. Denn kurz vor der GMW-Jahrestagung 2009 in Berlin habe ich mich angemeldet (angeregt von Christian Spannagel, heute @dunkelmunkel), um vor Ort mitdiskutieren zu können. Es war dann jedenfalls so anregend, dass ich bis heute dabei geblieben bin.

2.) Zu welchen Themen veröffentlichst Du Deine Tweets?
Anfangs haben sich fast alle Tweets um meine beruflichen Themen gedreht, also digitale Medien im Lehr-/Lernkontext, zunehmend aber auch um die Hobbythemen Programmieren, Software-Museum, Visualisierung u.ä. Ganz Privates hat sich da recht selten eingeschlichen. Peaks gab es eindeutig durch meine MOOC-Teilnahmen (opco11, opco12, mmc13). Hier in meinem konzeptblog verlinke ich häufig auf vertiefende Seiten und so habe ich mir auch bei Twitter angewöhnt, Links zu interessanten Quellen zu teilen (kommt irgendwie doch immer noch der pädagogische Anspruch durch).

3.) Wie viel Zeit pro Woche nimmst Du Dir für Twitter?
Pro Tag geht da schon mal eine halbe Stunde drauf. Fahrzeiten in Bus und Zug lassen sich damit auch prima überbrücken …

4.) Auf welchen weiteren Social Media-Kanälen bist Du aktiv?
Mein konzeptblog ist mir am wichtigsten. Ganz selten bei Google+. Das hat irgendwie noch nicht seinen Platz gefunden, obwohl ich dort über die Communities zunehmend interessante Beiträge finde.

5.) Welche Position nimmt Twitter für Deine Kommunikation in all Deinen Social Media-Kanälen ein?
Twitter ist derzeit eindeutig die Nummer 1. Bin immer wieder positiv überrascht über die vielen nützlichen Infos, die ich darüber ausschließlich oder zumindest schneller als über meine anderen Kanäle erhalte.

6.) Organisierst Du Tweetups bzw. nimmst Du daran teil?
Nein, aber immerhin habe ich schon bei Live-Events Follower bzw. Followees getroffen. Und dann habe ich aus (meist lustigen) gesammelten Tweets bei der GMW-Tagung 2010 in Zürich und 2011 zur Bremer EduCamp-Party Twitterlesungen gemacht … müsste eigentlich mal wieder anfangen zu sammeln.

7.) Wofür verwendest Du Twitter vorwiegend?
Informationen erhalten bzw. meinerseits weiter geben; direkte und schnelle Kontakte mit Mitgliedern meiner Community; Befriedigung allgemeiner Neugier …

8.) Welche Gesamtnote von 1 – 6 würdest Du Twitter geben und wieso?
Wenig Abstriche. Eigentlich 1.

9.) Welche Tools nutzt Du mit welcher Hardware für Deine Aktivitäten auf Twitter?
Am Mac ist es TweetDeck, am iPhone/iPad die Twitter-App.

Tja, und an wen reiche ich nun das Stöckchen weiter? Gefragt sind jedenfalls Beat Döbeli @beatdoebeli, weil er nochmal das Beat-Loch erklären sollte, und Johannes @moskaliuk, weil er so eine schöne Mischung von Themenlinks und Bonmots hat.

Update 28.4.13: Beat hat das Stöckchen superschnell aufgenommen. Interessante  Positionierung. Seine Weiterreichung an Marc Pilloud @nextmeme hat dann noch als Kommentar zu superkurzer Stellungnahme geführt …

Tags - die Metadaten des kleinen Mannes

Abgelegt unter: Fachliches, MOOC — JoWe um 16:15 am 26.04.2013

In der letzten COER13-Sitzung zum Suchen und Finden von OER ging es vor allem um Metadaten. Mich hat gewundert, dass dies wohl immer noch relativ neu für viele ist, denn die Diskussion darüber und die Entwicklung entsprechender Standards gibt es schon sehr lange.Über die problematische Beziehung von E-Learning Standards und Learning Objects hat bereits 2003 meine damalige Kollegin Bettina Stumpp geschrieben (in Bett & Wedekind (Hg.). Lernplattformen in der Praxis. Waxmann, S. 137-156; leider elektronisch nicht verfügbar) und kritische Punkte für das magische Dreieck von Recherchierbarkeit, Austauschbarkeit und Wiederverwendbarkeit benannt:

  • Lernobjekte können nur ausgetauscht werden, wenn man sie (im weltweiten Datenmeer) findet
  • Austausch macht nur Sinn, wenn nicht alle gefundenen Ressourcen mühevoll für die eigenen Zwecke umformatiert werden müssen (wenn das von der Lizenz überhaupt erlaubt ist)
  • Wiederverwendbarkeit wird erhöht, je unabhängiger die Objekte vom didaktischen Kontext sind
  • Zur Rekontextualisierung von Lernobjekten ist eine didaktische Ontologie notwendig und dafür bei den Autoren exzellente Fachkenntnisse und mediendidaktische Kompetenz
  • Überlagert wird dies von technischen Aspekten, denn bis heute ist ein Wiederverwenden und Anpassen an diverse Ausgabeformate (webbasiert, E-Books o.ä.) technisch schwierig wegen häufiger Verquickung von Darstellung, Layout und Struktur der Lernobjekte

Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass Metadaten nach wie vor (jedenfalls nach meiner Kenntnis) nur in Projekten, die sich mit ganzen Kursangeboten und -Strukturen befassen, weiter verfolgt und verwendet werden. Die bei COER13 vorgestellten iCoper und MACE sind dafür Beispiele. Für AutorInnen kleinerer Module (z.B. einzelne Infografiken, Bilder, Arbeitsblätter u.ä.) ist das nochmals mit einem Mehraufwand verbunden der eher vermieden wird.

Aber es gibt eine Alternative, die das magische Dreieck über soziale Medien umsetzt: das Tagging. Mit edutags wird im COER13 ein entsprechendes Tool speziell für Bildungsmedien eingesetzt. Bereits 2008 organisierten wir bei e-teaching.org  einen Workshop Social Tagging in der Wissensorganisation, dessen Ergebnisse in einer Buchpublikation dokumentiert wurden (beim Waxmann Verlag kostenlos herunterladbar!). Grundlegendes dazu ist in Matthias Müller-Proves Beitrag zusammen gefasst: Modell und Anwendungs-perspektive des Social Tagging. Das o.g. Beispiel edutags zeigt schön, wie dabei aus der individuellen Wissensstrukturierung gleichzeitig auch eine kooperative Komponente der Zusammenarbeit entsteht. Natürlich gibt es bei der freien Verschlagwortung durch die Anwender auch Probleme, insbesondere die resultierenden Unschärfen bei der Recherche durch die Verwendung nicht normierter Schlagwörter (Verwendung von Hymonymen oder Synonymen). Die Einstiegshürde für die Anwender liegt dafür deutlich niedriger, die Umsetzung ist schneller und mindestens eine wünschenswerte Vorstufe der bibliothekarischen Sacherschließung.

Ich hoffe deshalb, dass edutags auch noch die nächsten Wochen bei COER13 eine Rolle spielen wird, damit ich damit mehr Erfahrung sammeln kann.

coer13: OER - eine Frage der Motivation

Abgelegt unter: Fachliches, MOOC — JoWe um 21:52 am 15.04.2013

Derzeit bin ich mehr als Lernender denn als Lehrender im Web unterwegs. Als Lernender haben mich dabei Fragen der OER eigentlich nicht tangiert. Ich habe zu meinen Interessengebieten tolle Materialien gefunden, angefangen bei frei zugänglichen Texten, über interaktive Webseiten bis hin zu offenen Kursen (MOOCs). Ich habe damit gelernt; eine Weiterverwendung in anderen Kontexten, also z.B. in Lehrangeboten, womöglich dann auch noch in modifizierter Form ist dabei (ok, zumindest zunächst) für mich irrelevant. Insofern ist das Web für mich erst einmal eine ideale Plattform für informelles, autodidaktisches Lernen.

Sehe ich es also richtig, dass wir dagegen im coer13 eigentlich die Lehrerbrille aufhaben? Dass OER-Probleme erst mit der Rolle als Lehrender beginnen? Denn erst dann wird ja relevant, ob ich Materialien an andere kostenfrei weiter geben kann, ob ich sie modifiziert weitergeben kann und was andere dann damit weiter machen können. Insofern rücken damit für mich die Lizenzbedingungen absolut in den Mittelpunkt.

Da ich derzeit aber auch als Autor von Lehrmaterial aktiv bin, interessieren mich die Lizenzbedingungen natürlich unter dem Aspekt, welche Nutzungsformen ich für meine Materialien eigentlich erlauben sollte/möchte/könnte. Mein aktuelles Projekt ist eine Einführung in das Programmieren interaktiver Grafiken. Dabei folge ich einer gewissen Logik bei der Einführung der notwendigen Programmierkonzepte und stelle entsprechende Beispiel-Prozeduren vor. Möchte ich wirklich, dass andere sich daraus nur bedienen, Teile verwenden, Teile modifizieren, andere Prozeduren entwickeln und einsetzen? Welche Form der Qualitätssicherung bleibt mir eigentlich bei den Derivaten? Welche Form der Autoren-/Quellennennung ist mir dann wichtig?

Ein bisschen hängt damit dann auch die Motivation zusammen, überhaupt OER zu erstellen. Warum eigentlich Zeit und Engagement in die Entwicklung stecken, wenn andere damit machen können, was sie wollen und am Ende nicht einmal die Reputation als Gratifikation übrig bleibt? Ich bin jedenfalls noch unschlüssig, wie offenhOERzig ich als Autor sein soll …

Computerkunst

Abgelegt unter: (Net)Logo, Visualisierung — JoWe um 14:48 am 12.04.2013

Im Rahmen des COER13 hatte ich angekündigt, dass ich an einer Einführung in die Programmierung interaktiver Grafiken mit Logo arbeite. Das könnte interessant sein für Hobbyisten aber eben auch für LehrerInnen, die Kinder an die Programmierung heran führen wollen. Ich möchte das dann als OER zur Verfügung stellen. In diesem Kontext habe ich u.a. versucht einige Werke der frühen Computerkunst nach zu programmieren (siehe dazu auch hier und hier, das Digital Art Museum sowie die von Frieder Nake konzipierte Datenbank compart) .

Eine grundlegende Einführung in die Thematik mit sehr vielen Bildbeispielen ist das Buch Digital Art von Wolf Lieser. Er datiert den Beginn der Computerkunst auf 1965 mit der Ausstellung Generative Computergrafik mit Werken von Georg Nees  in Stuttgart. Er war Schüler von Max Bense und es ist wenig verwunderlich, dass die frühen Computergrafiken in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern geschaffen wurden. Die ersten Werke waren fast ausnahmslos Plotterzeichnungen. Die werden ganz ähnlich angesteuert wie die Schildkrötengrafik in Logo. Es lag also nahe, die Werke damit nachzuvollziehen.

Es ist hier nicht der Raum, die Prozeduren einzeln zu dokumentieren, die zu den Bildern geführt haben. Die Algoristen haben natürlich immer ihre eigenen Algorithmen für die Produktion ihrer Bilder entwickelt, leider aber nicht dokumentiert (falls es die doch irgendwo gibt, wäre ich für jeden Hinweis dankbar!). So habe ich an einfachen Beispielen versucht, mit eigenen Algorithmen ähnliche Bilder zu erzeugen. Drei Beispiele:


Hommage à Nees           Hommage à Franke                 Hommage à Molnar

Soweit mein Beitrag zum Thema Programmieren für Alle: Mit insgesamt jeweils ca. 20 - 30 Codezeilen, verteilt auf 4 bis 6 Prozeduren erlaubte Logo (verwendet habe ich die Version ACSLogo für den Mac) die rasche Umsetzung. Da ich alle Eigenschaften über Parameter einstellen kann, konnte ich in kürzester Zeit viele Bildvarianten erzeugen - wozu die Algoristen mit Plottern sicher Stunden gebraucht haben. Bin ich damit eigentlich auch Algorist und Computerkünstler?

Meine MOOCographie

Abgelegt unter: Fachliches, MOOC — JoWe um 20:59 am 07.04.2013

Wieder mal habe ich mich bei einem MOOC angemeldet, diesmal beim COER13 (Online Course zu Open Educational Resources). Nun gehen mir meine bisherigen MOOCs durch den Kopf. Was haben sie mir eigentlich gebracht, was habe ich gelernt?

Mein erster MOOC war der inzwischen als Auslöser der MOOC-Bewegung geltende CCK08 (Connectivism and Connective Knowledge). Mich interessierte der Kurs inhaltlich, also das Konzept des Konnektivismus und Möglichkeiten seiner Anwendung als Rahmen für Lehren und Lernen. Das Kursformat war mir dabei anfangs ziemlich unklar und ich hatte einige Schwierigkeiten, damit klar zu kommen. Natürlich war auch die - wie fast immer - fehlende Zeit für eine intensive Auseinandersetzung dafür eine Ursache. Ich lernte daraus, dass für eine (subjektiv) erfolgreiche Teilnahme ein gutes Zeitmanagement unabdingbar ist.

Die Frage Kurs oder Community beschäftigte mich auch beim nächsten MOOC, dem opco11 (OpenCourse 2011 Zukunft des Lernens). Schon da war offen, ob das C nicht passender als Camp, Clique oder Conference zu interpretieren wäre. Das daraus Gelernte konnte ich dann in die Konzeption des opco12 (Trends im E-Teaching) einbringen, bei dem ich als Mitorganisator beteiligt war und versuchte, einige Strukturierungselemente einzuführen. Mein Fazit aus diesen Erfahrungen: Offenheit und Strukturierungshilfen müssen sich nicht widersprechen, sondern sie können die Adressatenorientierung verbessern.

Beim 35-wöchigen MOOC Change 11 hatte ich mich auch angemeldet. Aber ich muss gestehen, da mich nur einzelne Themen wirklich interessierten, habe ich letztendlich fast gar nichts mitbekommen. Eine Selbstverpflichtung für einen so langen Zeitraum war nicht zu machen und eine punktuelle Teilnahme war (für mich) unergiebig.

Es folgte der MMC13 (MOOC Maker Course), an dem ich als Teilnehmer (und in Woche 2 auch als Beitragender) dabei war. Der MMC13 war eine ungewöhnliche und wertvolle Lernerfahrung, weil diesmal wirklich eine Community lebhaft, kenntnisreich und ergiebig die Themen gemeinsam bearbeitete und fortentwickelte (siehe dazu das MOOC-Maker-Wiki). Mein Fazit: Die Größe des MOOC ist nicht unbedingt entscheidend (zumindest gilt das für die cMOOCs), viel mehr das Engagement der Beteiligten.

Momentan bin ich noch mitten in meinem ersten xMOOC (mit immerhin über 6.300 TN). Es ist der Kurs Introduction to Complexity von Melanie Mitchell, der eine ganze Reihe von Themen behandelt, die mich seit langem interessieren und beschäftigt haben (Dynamik und Chaos, Fraktale, genetische Algorithmen, zelluläre Automaten, Selbstorganisation u.a.). Es gibt die typischen Videovorlesungen und Interviews mit aktiven Forschern des jeweiligen Bereichs. Das ist alles ganz gut gemacht. Angereichert ist es mit Quizzes (allerdings fast nur simple Rechenaufgaben, keine Verständnisfragen; der Sinn der Aufgaben hat sich mir nicht unbedingt erschlossen) und Hausaufgaben. Die Community (im Forum) regt sich kaum; aber auf Fragen kommen dann schon Antworten. Hier werden die manchmal durchaus anspruchsvollen Inhalte wohl eher (xMOOC-typisch?) im Einzelkämpfertum beackert.

Ab jetzt also der COER13. Ich gehe diesmal mit ganz konkreten Erwar-tungen hinein. Ich arbeite an einer Einführung in die Programmierung interaktiver Grafiken mit Logo. Das könnte interessant sein für Hobbyisten aber eben auch für LehrerInnen, die Kinder an die Programmierung heran führen wollen. Ich möchte das dann als OER zur Verfügung stellen und dabei stellen sich mir einige offene Fragen: Welches Repositorium ist dafür der richtige Ort? Welche CC-Lizenz brauche und möchte ich? Welche Einsatzszenarien sind denkbar und wie kann ich sie vorbereiten? Ich bin gespannt, ob ich bis Juni darauf Antworten gefunden habe.

MOOCs - so und so gesehen

Abgelegt unter: Lesestoff, MOOC — JoWe um 23:17 am 14.03.2013

Wann kommt es schon vor, dass gleich innerhalb weniger Tage das eigene Interessengebiet es prominent in die Tages- bzw. Wochenpresse schafft? So geschehen beim Thema MOOC.

In der Frankfurter Allgemeinen schreibt Fridtjof Küchemann über die Globalisierung der Lehre. Immerhin 8 Zeilen widmet er den ersten MOOCs, den sog. cMOOCs, erwähnt Siemens und Downes, deren Kurs Connectivism and Connective Knowledge und weist auf das Versprechen gemeinsamen Lernens ohne Lernziele und Prüfungen hin. Der Rest des Artikels beschränkt sich dann aber auf die xMOOCs. Dass dabei etliche fragwürdige Aussagen herauskommen, liegt weniger am Autor als an den zitierten Meinungen der befragten Experten.

Für den Münchner LMU-Präsidenten Huber haben MOOCs ein ganz neues pädagogisches Konzept und führen zu einer Demokratisierung des Bildungsangebots. Na, da sehe er sich besser mal Schulmeisters Vortrag an. Aber Huber ergänzt dann ja auch, es sei erklärtes Ziel, damit die Münchner Uni weltweit bekannter und als Studienort interessanter zu machen. Ob es die Münchner schaffen, durch ihre MOOCs die Präsenzvorlesungen zu interaktiven Lehreinheiten umzuwandeln, im Sinne des flipped classroom, wie es der Informatiker Kleinsteuber mit seinem Coursera-Kurs Computer Vision möchte, wird sich erst später im Jahr herausstellen. Der BWL-Professor Kretschmer sieht die Online-Kurse als Herausforderung, denn “bei Coursera hören die Leute einfach auf, ich muss schon schauen, wie ich sie bei der Stange halte.” Aha, bei seiner Präsenz-Veranstaltung muss er das nicht? Das würde mich doch wundern.

Wundern muss ich mich auch, wenn Prof. Hoyer, Rektor der Fernuniversität Hagen mit der Aussage zitiert wird, dass alles, was wir bei den MOOCs sehen bei der FU Hagen schon Teil des Systems sei, dort dann mit Durchlässigkeit zu Zertifikaten und akademischen Abschlüssen. Offene Kurse (kostenfrei, rein online, global zugänglich, definiertes Zeitfenster) von dort sind mir aber nicht bekannt.

In der Summe ist der Artikel dennoch ganz informativ und frei von inhaltlichen Fehlern. Anders bei der ansonsten von mir geschätzten ZEIT (wieder einmal!). In ihrer Rubrik Wissen widmet sie gleich drei Seiten dem Thema Uni für alle (bisher leider nur in der Papierausgabe). Der Erfahrungsbericht einer indischen Schülerin mit Agarwals Kurs Circuits and Electronics ist ja erhellend (und zeigt durchaus Potenziale globaler Bildungsangebote); auch die Übersicht, wie die Online-Uni funktioniert, ist soweit ok. Aber der zweiseitige Hauptartikel “Harvard für alle Welt” von Drösser und Heuser ist dann doch grenzwertig.

“An den Universitäten von heute geht es zu wie vor 500 Jahren”. Das ist der Eingangssatz; klingt zwar gut, stimmt allerdings nicht. Aber jetzt wird es ja anders: “die besten Hochschulen der Welt stellen die besten Vorlesungen und Seminare ihrer besten Professoren ins Netz.” Fakt ist, dass es bisher einige wenige Hochschulen tun. Angefangen haben sowieso Einzelpersonen, erst dann sind die Hochschulen aufgesprungen. Ob immer alles vom Besten ist, bleibt fraglich (siehe o.g. Vortrag Schulmeisters), denn ein Qualitätsmanagement bei den großen Anbietern (Coursera, Udacity, EdX) kenne ich nicht bzw. ist nicht offen und transparent.

Einfach ärgerlich sind die falschen Informationen im Artikel. Wie inzwischen fast immer, werden die Ursprünge der MOOCs ignoriert, Siemens und Downes hier nicht einmal erwähnt. Salman Khan ist nun wirklich nicht der Auslöser der MOOC-Welle, selbst wenn er Thrun zu seinem ersten MOOC, Introduction to AI, eben einem xMOOC, inspiriert haben sollte. Khans Prinzip ist auch nicht das des flipped classroom, allenfalls werden seine Materialien von anderen in diesem Sinne genutzt. Und die MOOCs beruhen schon gleich gar nicht auf dem Prinzip, weil sie nicht blended sondern rein online ablaufen. Die Khan Academy bietet ja auch keine Kurse an, sondern ist ein Repository für Open Educational Resources - was ja nichts Schlechtes ist. Obwohl, vielleicht haben Drösser & Heuser da so ihre Zweifel, wenn sie schreiben “heute ist seine Akademie so etwas wie das Coca-Cola der Onlinebildung”.

So geht es weiter. Persönlichkeitsbildung und Erziehung zum kritischen Denken kann natürlich nur an den Elitehochschulen, aber nicht an den Massenhochschulen geleistet werden. Allerdings, auch unsere bundesdeutschen Exzellenzuniversitäten sind das wegen der Forschung und nicht, weil sie mit hervorragender Lehre geglänzt hätten.

Ach, was reg ich mich eigentlich auf; damit lande ich eh nicht auf den Seiten von FAZ oder ZEIT. Ich freue mich lieber auf meinen nächsten MOOC, den COER13

Update 21.3.: Der ZEIT-Artikel ist seit heute auch online verfügbar. Also selber lesen …

Der 4. Armuts- und Reichtumsbericht

Abgelegt unter: Allgemein, Visualisierung — JoWe um 22:10 am 06.03.2013

Nun streiten sie in Berlin um den Vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Ich bin nicht sicher, wer die 549 Seiten denn schon gelesen hat. Um die Lage zu kennen und beurteilen zu können, wäre für uns Nicht-Experten eine visuelle Aufbereitung vielleicht ganz hilfreich. Ein Vorbild könnte die folgende animierte Infografik zur ungleichen Vermögensverteilung in den USA dienen:

Nicht nur wegen des Inhalts ein - wie ich finde - sehr instruktiver Infografik-Film. Wer könnte denn sowas mal für die BRD anfertigen?

Kraftraum fürs Gehirn …

Abgelegt unter: (Net)Logo, Allgemein, OLPC — JoWe um 18:47 am 27.02.2013

Der Vorsitzende des baden-württembergischen Philologenverbandes, Bernd Saur, wurde von der Südwest Presse interviewt zum Thema Warum heute noch Latein. Den größten Vorteil für SchülerInnen sieht er darin, dass Latein die Muckibude fürs Gehirn (verlinkt trotz Leistungsschutzrecht) sei. Es kommen Begründungen, die ich immer wieder gehört habe: Latein fördere das analytische, strukturierte und kombinatorische Denken (gut bei allen komplexen Sachverhalten), trainiere Gedächtnis und Ausdauer … und wenn es einen zur Verzweiflung bringt, kann man die wichtige Eigenschaft der Frustrationstoleranz entwickeln. Lateinschüler würden systematischer lernen, Durchhaltevermögen und Anstrengungs-bereitschaft zeigen, gute rhetorische Fähigkeiten und einen weiten Horizont entwickeln. Wobei Letzteres wohl etwas im Gegensatz zu Saurs Einschätzung steht, gerade der in sich gekehrte Schülertyp dürfte mit Latein glücklicher werden.

Es wäre interessant zu erfahren, von welchen belastbaren empirischen Befunden diese Aussagen Saurs gestützt werden. Vermutlich werden die meisten Vertreter anderer Schülfächer vergleichbare Begründungen für die Relevanz ihres Faches anführen.
Ersetzen wir doch oben vor der Argumentationskette einfach mal Latein durch Programmieren bzw. Programmiersprache XY. Klingt dann immer noch genauso plausibel und passt bestens zu dem postulierten Stellenwert der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik; vgl. MINT-EC, den Verein mathematisch-naturwissen-schaftlicher Excellence-Center an Schulen e.V.).

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