Bücher, eBooks, iBooks …
Es war schon mal erstaunlich, wie gleichlautend die etablierten Zeitschriften-Portale das Apple-Event letzten Donnerstag angekündigt hatten, als “Apple will/kann/wird das Schulbuch/den Schulbuchmarkt revolutionieren/neu erfinden” (zeit.de, stern.de, spiegel.de usw.). Nun hat Apple also drei neue Produkte vorgestellt: iBooks 2, iBooks Author und iTunes U, d.h. die Version 2 der iPad-App iBook mit lernspezifischen Erweiterungen, eine (kostenlose) Entwicklungsumgebung zur Erstellung digitaler Bücher und iTunes U als App mit dem Zugriff auf (kostenlose) Kurse vieler Bildungseinrichtungen. Hat sich mit Apples Produktvorstellungen tatsächlich etwas verändert?
Apps oder iBooks? Ich hatte schon zwei schöne eBooks auf dem iPad, nämlich Die Elemente von T. Gray und Our Choice von Al Gore, nur dass es sich dabei eigentlich nicht um eBooks handelt, sondern um Apps, also Programme, die mit entsprechenden Entwicklungstools erstellt wurden. Für iBooks 2 gibt es gratis Life on Earth von E.O. Wilson, um damit die Funktionalitäten zu demonstrieren, die mit den neuen eBook möglich werden, wie Bildergalerien, interaktive Diagramme, Notizen (übertragbar in Lernkarten). Die eBooks sind damit den o.g. Apps mindestens ebenbürtig, eher noch flexibler in der Nutzung.
Mit iBooks Author hat Apple zudem ein Entwicklungswerkzeug vorgestellt, das nach meinem ersten Eindruck den Autoren das Erstellen von eBooks deutlich erleichtert; es erinnert stark an das Layout-Programm Pages (ausführlich testen konnte ich iBooks Autor noch nicht; bin froh, es überhaupt auf meinem alten Rechner mit OS X 10.6.8 dank einer hilfreichen Anleitung zum Laufen gebracht zu haben). Das wird vermutlich ein echter Fortschritt gegenüber den bisherigen Werkzeugen sein - unsere eigenen Gehversuche u.a. mit Calibre, Sigel und InDesign waren doch eher mühsam. Soweit, so gut.
Interaktivität: eBooks sind immer noch Bücher. Ihre Interaktivität beschränkt sich nach wie vor auf die ersten drei Stufen der Interaktivität (nach Schulmeister, 2005), also Objekte betrachten und rezipieren, multiple Darstellungen betrachten und rezipieren sowie die Repräsentationsform variieren. Den Inhalt der Komponente beeinflussen, Objekte bzw. den Inhalt der Repräsentation konstruieren und Prozesse generieren sowie konstruktive und manipulierende Handlungen mit situationsabhängigen Rückmeldungen sind damit nicht möglich, was sich auf die realisierbaren Lehrformen auswirkt. Die iBooks unterstützen damit im Wesentlichen expositorische und erarbeitende Lernaktivitäten. Explorative und expressive (artikulative) Aktivitäten (nach Mellar et al., 1994). sind damit nicht möglich.
Fazit: Sicherlich sind iBooks eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber klassischen Lehrbüchern, aber dennoch perpetuieren sie klassische Vermittlungsformen und nutzen noch nicht das Potenzial handelnder Erfahrungen in realitätsnahen Lernumgebungen. Es bleibt also spannend, wie Lehrmittelverlage auf Apples Angebot reagieren, aber auch wie Lehrkräfte dessen neue Möglichkeiten nutzen. Ich warte aber mindestens so gespannt auf die ersten Ergebnisse des Projekts Technology Enhanced Textbook, bei dem die von mir genannten Mängel der iBooks im Fokus von Neuentwicklungen stehen.







