SoftwareMuseum: PowerPoint

Abgelegt unter: SoftwareMuseum — JoWe um 23:19 am 31.01.2010

1987 erschien PowerPoint 1.0 und hat seitdem die Gestaltung von Vorträgen so beeinflusst, dass auch von einer PowerPoint-Kultur gesprochen wird. Robert Gaskins entwickelte das Programm - zunächst mit dem Namen Presenter (dazu gibt es eine detaillierte Funktionsbeschreibung und eine aufschlussreiche Markt-analyse). Übrigens wurde das Programm zunächst auf dem und für den Apple Macintosh entwickelt; die Windows-Version folgte erst 1990, nachdem Microsoft noch 1987 PowerPoint mitsamt der Firma Forethought aufkaufte und in die Microsoft’s Graphics Business Unit überführte.

Gedacht war PowerPoint von Gaskins eigentlich als ein Tool, um Folien für Overheadprojektoren zu erstellen und auszudrucken:

Programs such as Presenter will make it possible for individual content-originators to produce their own material. Together, these innovations should give rise to an entirely new phenomenon - presentations with the informality of overhead transparencies, delivered in lighted business meetings, but using video generated directly from diskettes instead of actual overhead foils. … We should not fall into the mistake of believing that all presentations generated for electronic delivery will share the artistic and stylistic qualities of 35 mm slides. Presenter (…) will best fulfill the cluster of expectations surroundingoverheads - informal, for lighted rooms, for smaller groups, for working meetings where content is more important than form or fancy graphics, for situations where speed and personal control are important.

Wir wissen heute, dass PowerPoint diesen Rahmen schnell verlassen und eine Eigendynamik entfaltet hat, die spätestens 1992 mit der in PowerPoint 3.0 erstmals verfügbaren Funktion Bildschirm-präsentation und den gerade am Markt erhältlichen LCD-Video-projektoren begann. So ist heute eigentlich kaum einVortrag ohne PowerPoint mehr denkbar und den meisten Folien ist anzumerken, dass reger Gebrauch von den zahlreichen Vorschlagslisten gemacht wurde (Foliendesigns und Layouts, Übergänge, Diagramme, SmartArt-Grafiken und WordArt).

Trotz der flächendeckenden Etablierung von Slideware (so die allgemeine Bezeichnung für Präsentationsprogramme seit Tuftes berühmtem Wired Artikel PowerPoint Is Evil) gibt es erstaunlicherweise kaum Alternativprogramme zu PowerPoint. Impress, als Bestandteil von OpenOffice bietet ganz bewusst vergleichbare Funktionalität, ebenso Apples Keynote, auch wenn es eine andere (bessere) Integration in das Apple Betriebssystem OS X bietet. Erst mit Prezi gibt es ein neues Konzept: Arbeiten auf einer unbegrenzten Arbeitsfläche und die Präsentation entspricht dem Navigieren und Zoomen auf dieser Fläche. Daran hat man sich allerdings auch bald satt gesehen.

Kreative und beeindruckende Präsentationen entstehen vermutlich erst dann, wenn die Anwender sich von den vielfältigen Funktionen und Templates lösen und bewußt machen, dass ein Vortrag ein Vortrag bleibt, also mehr ist als das Durchklicken von Folienserien.

PowerPoint: Macht und Einfluss eines Präsentationsprogramms

Abgelegt unter: Lesestoff — JoWe um 23:19 am 31.01.2010

PowerPoint ist aus heutigen Vorträgen nicht mehr wegzudenken, auch nicht an Hochschulen. Selbst an Schulen wird schon die Verwendung von PowerPoint unterrichtet. Dabei ist seine Verwendung nicht unumstritten. Bekannt ist Tuftes Fundamentalkritik: PowerPoint Is Evil. Sie wird in einem aktuellen Buch an mehreren Stellen aufgegriffen. Es ist der von Coy & Pias herausgegebene Band PowerPoint: Macht und Einfluss eines Präsentationsprogramms. Er geht die Gesamtthematik aus Sicht der Informatik, Medien-, Kunst- und Kulturwissen-schaften an.

Das ist spannend weil manche Eigenheiten von PowerPoint und ihre Wirkung auf die konkrete Werkzeugnutzung herausgearbeitet werden (Beiträge von Pias bzw. Müller-Prove). Von Bieber wird die unter-schiedliche öffentliche Debatte in USA und Deutschland über den Wert von PowerPoint zusammen gefasst (da kommt Tufte wieder ins Spiel). Für mich war Pflügers Beitrag zur Rhetorik der Präsentation besonders instruktiv. Wohl auch deswegen, weil er mir bekannte Beispiele einbaut, an denen er die innovative Nutzung der visuellen Elemente im geeigneten inhaltlichen Kontext illustriert. Nake kommt in seiner anekdotischen Darstellung zu dem abschließenden ketzerischen Gedanken “… die Befreiung des Netzes von all den unsäglichen PowerPoint-Präsentationen, die dort herumlungern, als wären sie dafür entstanden, nicht für die Rede”.

Meine Leseempfehlung möchte ich abschließen mit den Links zu einigen der Beispiele mit “gegen den Strich” verwendetem PowerPoint:

Update 8.2.10: Die ZEIT entdeckt Prezi; darin ein nettes Zitat: Die schönste Umschreibung für Powerpoint-Präsentationen habe ich neulich von einem Kommunikationswissenschaftler gehört: »Gedanken in Brühwürfeln«.

    warum bei uns nicht?

    Abgelegt unter: Fachliches — JoWe um 18:30 am 29.01.2010

    Manchmal frage ich mich, gibt es bei uns einfach zu viele Akteure, um sie unter einem Dach zu vereinen? Ab und an besuche ich die Seiten des schweizerischen eduhub bzw. des österreichischen Forum Neue Medien in der Lehre. Was ich dort finde und aktuelle Infos aus Gesprächen mit den dortigen KollegInnen vermitteln mir den Eindruck, dass es ziemlich gut funktionierende Hochschul-Communities gibt. Beide Gruppierungen sind aus den jeweiligen (inzwischen abgelaufenen) nationalen Förderprogrammen zu Neuen Medien in der Hochschullehre hervorgegangen (also Swiss Virtual Campus bzw. Neue Medien in der Lehre an Universitäten und FH). Beide veranstalten regelmäßige Treffen, die sehr gut besucht werden. Deren Charakter ist mit den Fachtagungen nicht vergleichbar (wie GMW oder DeLFI ; aber vielleicht entwickelt sich die Campus Innovation in diese Richtung). In Großbritannien gibt es als Dach JISC (Joint Information Systems Committee), unter dem Initiativen zu “Innovation in the use of ICT for education and research” versammelt sind (200 Projekte, 49 Services) und ich bin immer wieder angetan von der Fülle und Qualität der Materialien.

    Bei meiner Arbeit für e-teaching.org bräuchte ich immer wieder mal vergleichbare zentrale Informationsquellen. Eine nationale Anlaufstelle, die dann eben auch Kristallisationspunkt für neue Ideen, Initiativen und nachhaltige Entwicklungen sein könnte, gibt es nach dem Ende der BMBF-Förderprogramme und mit der Länderverantwortlichkeit nach der Föderalismusreform nicht mehr. Auch die DINI konnte diese Rolle bisher nicht übernehmen (man vergleiche mal deren Angebot mit dem von JISC). Aber vielleicht könnte zukünftig deren Arbeitsgruppe E-Learning mit ihren fünf Teams darauf hinarbeiten?

    Die Geschichte des Macintosh …

    Abgelegt unter: SoftwareMuseum — JoWe um 12:55 am 19.01.2010

    Jetzt, wo alle Welt wieder mal auf eine Innovation von Apple wartet (Come see our latest creation), sind diese Videos, die ein Mac-Nutzer (wieder) gefunden hat, doch ganz nett:

    I found this VHS cassette while cleaning my office this week. This “Found Footage” comes from a video tape I received from Apple back in 1984 when the original 128K Mac was introduced. It was part of the authorized dealer training videos given to each store to help them become familiar with the Macintosh. You will see a very young Burrell Smith, Andy Hertzfeld, Phil Gibbons, Mitch Kapor, Bill Gates and Steve Jobs. You really get a good feel for how proud and excited these people were for the creation of something special. Little did they know how much they were about to change the world…


    herzlichen Dank für das Gespräch!

    Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 16:10 am 13.01.2010

    Angefangen hat Anja Assion (ist schon zwei Monate her) mit einem Interview mit einer “Digital Native” und dann haben sich ein paar gedacht, das kann man per Selbstgespräch eigentlich fortführen, so Felix, DonDahlmann, Sven, Tim, Christian und vor kurzem auch Helge. Die Fragen haben sich dabei z.T. leicht geändert, und so dachte ich, als Silver Surfer mach ich das jetzt einfach auch mal …

    Joachim, zur Generation der Digital Natives kannst du dich schwerlich zählen. Sagt dir der Begriff trotzdem etwas?

    Generationszuordnungen finde ich prinzipiell problematisch. Ich bin ja auch kein Alt-68er, nur weil ich damals studiert habe. Ich fand Prensky’s Begriff von Anfang an daneben, vor allem seine Behauptung, dass intensive Erfahrungen mit digitalen Medien zu unterschiedlichen Hirnstrukturen führen sollen. Rolf Schulmeister hat das (inzwischen in der 3. Version) alles sauber zerpflückt und deutlich gemacht, dass dadurch nur Diversität zugekleistert wird und wir damit einer Mehrheit von Schülern und Studierenden nicht gerecht werden.

    Du bist 63 Jahre alt und hast natürlich auch einen eigenen Computer. Seit wann besitzt du ihn und musst nicht mehr den Familien-PC benutzen?

    Also bei uns war mein privater Rechner immer auch der Familien-PC. Den ersten habe ich 1980 gekauft. Das war der KISS, ein CP/M-Rechner, Vorläufer des Alphatronic PC von Triumph-Adler; dafür gab es eine bereits erstaunlich leistungsfähige Textverarbeitung. So alle zwei bis drei Jahre verkaufte ich den Rechner und ersetzte ihn durch ein neueres Modell, bis ich 1994 meinen ersten privaten Mac hatte, der dann Grundstock für mein kleines Museum mit inzwischen 12 Apple-Rechnern bildete.  So habe ich alle Phasen und Varianten der PC- und Internet-Entwicklung hautnah miterlebt. Entsprechend viele unterschiedliche Betriebssystem (Versionen) - manche parallel im Betrieb - erschwerten den Alltag. So viele nutzlos gewordene Technikkenntnisse und Fertigkeiten! Jede Tastatur war ja anders ausgelegt, aber das hielt uns flexibel. Das Programmieren - noch heute ein Hobby von mir - hatte ich übrigens auf Großrechnern (der Telefunken TR 440) und Minicomputern (der legendären PDP-11) gelernt. So viele Programme, die nirgends mehr zum Laufen zu bringen sind …

    Wo bewegst du dich denn im Internet? Hast du eine eigene Homepage bzw. einen Blog?

    Seltsame Frage. Im ultimativen Hypermedium, wie es das Web darstellt, bewege ich mich ja nicht in abgegrenzten Räumen. Klar gibt es interessenbedingt erste Anlaufstellen, aber ich freue mich nach wie vor, wenn es mich über etliche Verlinkungen wieder mal zu überraschend spannenden neuen Informationsquellen verschlägt.

    Eine eigene Homepage hatte ich anfangs über das Institut, an dem ich arbeite; seit einigen Jahren auch eine private.  Als ich Anfang der 90er meine erste Webseite mit Passbildchen dekorierte kam der Kollegenkommentar “wie kann man sich nur so exhibitionieren …”. Was die damaligen KollegInnen wohl heute zu Blog und Twitter-Tweets von mir sagen würden? Aber wer sich wie ich beruflich mit E-Teaching und E-Learning beschäftigt, muss mit den Tools und Arbeitsweisen einfach auch persönliche Erfahrungen sammeln und sich in entsprechenden Communities bewegen. Ich wundere mich eher, wie wenige meiner KollegInnen das auch machen.

    Und wie schaut bei dir ein normaler Tag – in Bezug auf das Internet – aus?

    Am Arbeitsplatz ist der Rechner den ganzen Tag an. Morgens werden erstmal die E-Mails gecheckt, die RSS-Feeds (ein Segen!) überflogen und auch in Twitter rein geschaut. Ansonsten versuche ich das auf zwei, drei Mal am Tag zu beschränken, denn zugegebenermaßen hat das einen gewissen Ablenkungscharakter. Während konzentriertem Lesen und Schreiben ist der Rechner deshalb immer im Ruhezustand.

    Welche Rolle spielt das Internet bei der Arbeit?

    Ohne läuft nix, denn wie gesagt ich befasse mich damit ja auch beruflich.

    Beaufsichtigst du deine Kinder, wenn sie im Internet sind? Und hast du deine Kinder über „richtiges Verhalten” im Internet geredet?

    Meine sind volljährig und verhalten sich - soweit ich das beurteilen kann - ziemlich vernünftig im Internet. Liegt sicher mit daran, dass auch sie beruflich bzw. studienbedingt intensiv damit zu tun haben. Sie sind in einem Haushalt aufgewachsen, in dem der Zugang zu Rechnern und Internet von Anfang an selbstverständlich war. Wir haben das nicht speziell gefördert und Medienkompetenz nicht zum Erziehungsziel erklärt, wohl aber so etwas wie “Lebenskompetenz”.

    Was verstehst du persönlich - unabhängig von der Meinung deiner Kollegen, Freunde oder anderen - unter „richtigem Verhalten” im Netz?

    Warum sollte ich mich im Netz anders verhalten als im “richtigen” Leben? Ich vermute, diejenigen, die in der relativen Anonymität des Netzes ignorieren, dass am anderen Ende der Leitung zu respektierende Menschen sitzen, sind meist auch real Dumpfbacken.

    Sollte man deiner Meinung nach alles, was im Internet verfügbar ist, auch frei nutzen dürfen? Oder kannst du auch die Urheber verstehen, die das nicht möchten?

    Natürlich kann ich den Wunsch verstehen, nicht alles frei verfügbar zu machen. Wer von seinen Werken leben will und muss, soll das können. Ich kaufe also CDs und DVDs, die ich besitzen möchte. Das Argument “für den Schrott bezahle ich doch nix”, ihn dann aber zu saugen, entlarvt sich selbst.

    Allerdings bin ich Anhänger von Open Access und Open Content. Dass Steuergelder mehrfach eingesetzt werden müssen, bis Forschungsergebnisse allgemein verfügbar sind, darf nicht sein. Neue Geschäftsmodelle (z.B. die Hybridpublikationen des Waxmann-Verlags, die online kostenlos verfügbar sind aber auch in gebundener Form erworben werden können) und auch neue Review-Formen, die Online-Publikationen befördern, unterstütze ich sehr. Da ich nicht mehr meine Publikationsliste aus Karrieregründen pflegen muss, stelle ich persönlich alles, was ich noch so schreibe, auf meiner Webseite zur Verfügung und wähle die mir geeignet erscheinende Creative Commons-Lizenz.

    Wahrscheinlich hast du auch schon Leute übers Internet kennengelernt. Wie kam es zu den Kontakten und habt ihr euch auch in der „realen Welt” schon einmal getroffen?

    Übers Bloggen, Twittern, Foren und Communities kommt es natürlich zu vielen Kontakten, die anders nicht ohne weiteres entstanden wären. Der Umgangston im Netz ist dabei locker. Bei realen Treffen sind dann manche - wenn sie sich nicht über mich vorinformiert haben - überrascht einem grauhaarigen älteren Herrn gegenüber zu stehen. Ich finde das lustig, sie meistens auch …

    Ein bekannter Wissenschaftler hat einmal gesagt: „Das Internet vergisst nie.” Was meinst du, hat er damit gemeint?

    Das was er gesagt hat. Aber er hat unrecht. Meine frühen Seiten sind in der WayBackMachine des Internet Archivs nicht mehr auffindbar. Als Nostalgiker finde ich das schade.

    Joachim, danke für die Zeit, die du dir genommen hast!

    OLPC - quo vadis?

    Abgelegt unter: OLPC — JoWe um 16:09 am 11.01.2010

    Ich sympathisiere sehr mit dem OLPC-Projekt. Aber gilt noch die in der Vision aufgestellte These It’s not a laptop project. It’s an education project? Jedenfalls sind sie (wieder mal) eher mit ihren Hardware-Entwürfen in den Schlagzeilen. Derzeit macht der XO-3 (Abb. rechts) die Runde. Wenn ich es recht sehe, ist das eher eine Design-Studie denn ein konkret zu erwartendes Gerät (und wenn, dann hieße es wirklich warten, nämlich bis 2012). Schon der XO-2 (Abb. links) war so eine (inzwischen schon wieder eingestampfte) Studie vom Mai 2008 (Bildquelle: http://wiki.laptop.org/).

    Ob der XO-3 mit den bisher benannten Spezifikationen ein geeigneter Nachfolger für die mittlerweile ca. 1,4 Mio. ausgelieferten Geräte der ersten Generation darstellt, ist für mich offen. Jedenfalls bildet sich eine Arbeitsteilung heraus mit der OLPC-Organisation als Hardware-Innovator und Sugar Labs als Software-Entwickler. Bei den Unterrichtsmaterialien wird auf die Bereitstellung offener Bildungsresourcen (OER) gesetzt. Ob das klappen kann? Denn dahinter liegt kein durchgängiges Organisationskonzept sondern eine nicht ganz konfliktfreie Entwicklung zum Status Quo. Die Interessen der Beteiligten laufen m.E. eher auseinander.

    Ich würde mir deshalb wünschen, OLPC würde mehr Schlagzeilen produzieren mit überzeugenden Unterrichtskonzepten aus den Projekten in verschiedenen Ländern. Nach wie vor fehlen halbwegs seriöse Evaluationen aus denen wir etwas lernen könnten über die Umgestaltung schulischer Praxis durch digitale Medien. Durch die einschlägigen Foren geistern immer noch so simple Behauptungen wie: Children learn the most while reading, watching videos and browsing the web. Das liegt sicher mit daran, dass seitens OLPC keine theoretisch begründeten und praktisch belegten Konzepte zu Grunde gelegt wurden, sondern nur der platte Verweis auf Paperts Konstruktionismus (wer dazu Vertiefung sucht, wird in die Weiten des Netzes entlassen: More on this topic can be found by exploring Google using keywords such as “constructionism”, “education”, “philosophy”).

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir im Jahr 2010 einen entscheidenden Schritt erleben werden hin zu einer neuen Geräteklasse, die sich noch einmal deutlich unterscheidet von den Netbooks, für die der XO-Laptop Auslöser war. Es werden vermutlich Tablet-Geräte sein (siehe z.B. das Referenzdesign von Freescale, ähnliche Geräte von Google oder Apple sind im Gespräch), nicht zuletzt angeregt vom iPhone, dass wie kaum ein anderes Smartphone dafür steht, immer und überall im Netz zu sein und mit einer Unzahl von Applikationen nützliche Dinge erledigen zu können. OLPC ist also in diesem Sektor wahrlich nicht der alleinige Innovator. Und zur Begründung einer 1:1-Ausstattung von Grundschulen mit solchen Geräten werde ich dann gegenüber Eltern und Schulträgern lieber auf das iPhone-Projekt in Goldau zurückgreifen.

    Besser präsentieren …

    Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 22:01 am 05.01.2010

    Die Präsentationen des Apple-Chefs Steve Jobs sind Legende. Die Vorstellung des ersten Mac im Jahr 1984 zählt dazu (eine nach Jahren gefundene und restaurierte Aufzeichnung hat unter Macianern Kultstatus). Die Vorstellung des iPhone im Jahr 2007 gilt als seine beste Präsentation. Kein Wunder, dass sich Kommunikationstrainer dieses Phänomens angenommen haben. So auch Carmine Gallo in seinem Buch The Presentation Secrets of Steve Jobs: How to Be Insanely Great in Front of Any Audience. Will man die zentralen Aussagen Gallos kennen lernen, kann man aber erstmal seine Folien ansehen:

    Das meiste ist eigentlich nicht neu. Jobs “hat etwas zu sagen”, erzählt eine Geschichte, verzichtet auf “bullet points” und verwendet einfache Vergleiche und Visualisierungen. Eine Textanalyse im Vergleich zu Keynotes von Bill Gates 2007 bzw. 2008 unterstreicht das.

    Ich bin skeptisch, ob wir für eigene Präsentationen daraus wirklich etwas lernen können. Jobs ist schwerlich nachzumachen … und wer hat schon Macs, iPods und iPhones zu präsentieren. Jobs hat eine Form gefunden, die zu ihm passt und die er überzeugend umsetzen kann. Eine solche Form zu finden, daran sollte man selbst auch arbeiten; das Ergebnis wird dann sicher ganz anders aussehen.

    hallo, wo gehts lang?

    Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 11:41 am 17.12.2009

    Diese Regierung ist ein einziges Schweigekartell:

    • will Steuersenkungen machen und sagt nicht wie zu finanzieren
    • will Schulden abbauen und sagt nicht wie
    • will Bildungsausgaben erhöhen und sagt nicht wofür, wie und wann
    • will das Gesundheitssystem reformieren und sagt nicht wie
    • will Afghanistan befrieden und sagt nicht wie
    • will das Klima retten und sagt nicht wie

    Die Liste ließe sich fortsetzen. Frau Merkel sprach schon mal von “Durchregieren”. Nicht, dass ich das positiv fände, aber a bissle Richtlinienkompetenz im derzeitigen Chaos wahrnehmen, das müsste sie wohl schon. Ein Gipfel jagt den anderen (letzte Woche IT-Gipfel, diese Woche Bildungsgipfel, nicht zu vergessen der Klimagipfel) und trotzdem wandert die Regierung im Tal der Ahnungslosigkeit … eigentlich dürfte nur Minister werden, wer erfolgreich einen Kurs im Lösen komplexer Probleme absolviert hat (vgl. D. Dörner: Die Logik des Misslingens)!

    2 Tage Parallelwelt

    Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 16:05 am 10.12.2009

    Anfang der Woche hatte ich Gelegenheit am 4. nationalen IT-Gipfel und der diesem Gipfel vorausgehenden OpenSpace Konferenz Vom Bildungssystem von heute zur lernenden Organisation von morgen teilzunehmen. Beide haben bei mir zwiespältige Gefühle hinterlassen.

    Der Open Space des IT-Gipfels sollte IT-Nachwuchskräfte mit Entscheidern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen bringen (wir von e-teaching.org wurden wohl als Vertreter der letzten Gruppe benannt). Im Vorfeld wurden Impulsfragen eingebracht, zu denen bei DNAdigital ein Online-JAM stattfand (allerdings finden sich dort ganze 12 Kommentare zu 7 Fragen; die Fragen spielten beim Open Space eigentlich auch gar keine Rolle mehr. ). Vor Ort wurde der Open Space dann in drei Stunden durchgezogen (routiniert moderiert von Willms Buhse). Einen Eindruck von der Teilnehmerrunde habe ich nicht wirklich bekommen, weil sich das Kennenlernen auf ein Partnerinterview beschränkte und auch später die Hintergründe der Beteiligten eigentlich nur in direkten Gesprächen herauszufinden waren. Eine gezielte Durchmischung der Gruppen (mit Nachwuchs und Entscheidern) wurde so nicht erreicht. Die Themen wurden von den Teilnehmenden spontan vorgeschlagen - ich glaube wirklich ziemlich spontan, denn die Einführungen und Diskussionen an den Packpapier-Wänden liefen nach meinem Eindruck doch sehr ad hoc ab. “Mit den Füssen abstimmend” kann ich das so natürlich nur für die drei Themen behaupten, denen ich mich jeweils etwas länger zuordnete. Dort wurde rege und engagiert diskutiert, nach meinem Dafürhalten allerdings ziemlich geprägt von individuellen Erfahrungen, kaum mit Bezügen zu vorliegenden Erkenntnissen, aber mit phantasievollen Vorschlägen für notwendig erachteter Maßnahmen, allerdings ohne Operationaliserung, wie man die denn umsetzen könne. Aber wie die Abschlussrunde zeigte, hat es allen Spaß gemacht; immerhin wurde sachte nachgefragt, was denn nun aus den Ideen werden könne. Naja, einen Tag später beim IT-Gipfel waren einige Diskutanten wieder mit dabei (Auswahlkriterium dafür war mir wiederum nicht ersichtlich) - und Frau Merkel wurde ein DNAdigital-Pulli überreicht.

    Ich nehme die Erfahrung mit diesem Open Space besser mal nicht als prototypisch für BarCamps, die ja wohl ähnliche Organisationsform haben (plane fest ein, beim EduCamp in Hamburg dabei zu sein). Der angestrebte “ungefilterte Austausch” mag zustande gekommen sein, aber ich hege meine Zweifel, ob die Teilnehmenden wirklich echte Anregungen mitgenommen haben. Für mich wurde in diesem konkreten Fall die Offenheit des Formats mit Beliebigkeit verwechselt.

    Unsere Rolle beim nationalen IT-Gipfel am nächsten Tag hat sich mir auch nicht wirklich erschlossen (e-teaching.org war in der Nachwuchslounge mit einem Stand vertreten). Die präsentierten Ergebnisse des Gipfels sind alle im Vorfeld erarbeitet worden; das ist ja auch verständlich. Der Gipfel selber also eine reine PR-Veranstaltung (immerhin war mir nun die Einordnung von DNAdigital klarer: es ist eine Initiative des 3. Nationalen IT Gipfels mit Unterstützung des BMWi). Aber Standbesucher waren Mangelware und damit ist es kaum zu einem weiteren fachlichen Austausch gekommen. So bleiben die Vorträge der Politiker und Wirtschaftsvertreter im Gedächtnis haften (immerhin Brüderle live, Merkel live) mit gleichbleibend hohem Gehalt an Allgemeinplätzen, Eigenlob, Schulterklopfen und Buzzwords. Stellt sich die Frage, ob das nicht mit weniger Aufwand erreicht werden könnte (es gab ein prima Mittagsbuffet!) und wie tatsächlich mehr Partizipation der jungen Generation ermöglicht wird, ohne dass es aussieht wie eine verkappte Form der Rekrutierung neuer MitarbeiterInnen.

    wie weiter?

    Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 12:30 am 30.11.2009

    Wieder mal war Bildung Thema bei Anne Will;  immerhin ein weiteres Indiz für die Resonanz des Bildungsstreiks in der öffentlichen Wahrnehmung. Allerdings machen die Reaktionen derjenigen, die selber Entscheidungsträger sind oder ihnen nahestehen, wenig Hoffnung auf ein deutliches Umsteuern in der Bildungspolitik.

    Letzte Woche konnten die Streikenden sich gar nicht retten vor ungewollten Vereinnahmungen. Absurder Höhepunkt die Statements von Müller-Böling in einem ZDF-Interview, in dem er die Proteste der Studierenden begrüßt, sich sogar mehr davon wünscht, um dann ungerührt all die Dinge zu verteidigen, gegen die der Protest sich richtet.  Oder wenn HRK-Präsidentin Wintermantel Mängel bei der Umsetzung des Bologna-Reformprozesses an den deutschen Hochschulen einräumt, aber im gleichen Atemzug den dagegen protestierenden Studierenden zu wenig konkrete Forderungen, mangelnde Umgangsformen und zu große Ungeduld vorwirft (Bericht darüber z.B. hier). Dabei kann die Ungeduld der Versuchkaninchen dieser Reformeritis gar nicht groß genug sein!

    Dazu passt dann eben die Runde bei Anne Will, in der Frau Schavan bei gutem Willen als einzige Fachfrau bezeichnet werden könnte - neben sonstigen “Zufallsgästen” - und sie folgerichtig nahezu unwidersprochen alle Ungereimtheiten ihrer Politik absondern darf.

    Stellt sich die Frage, wie wir (als Bildungswissenschaftler, aber auch als direkt Betroffene) uns in diese Prozesse einklinken können. Mit ein Grund für die Misere (an den Hochschulen) ist sicher, dass sich viele Hochschulangehörige aus dem bisherigen Reformprozess vornehm heraus gehalten haben und nun vor vollendeten Tatsachen stehen. Der mangelnde Stellenwert der Lehre äußert sich ganz konkret in dieser Abstinenz! Nur wenn das sich ändert, d.h. mit entsprechendem (zeitlichen und transparenten) Engagement der Hochschullehrenden wenigstens die Reform der Reform betrieben wird, kann mit verbessertem Einfluss auf diese Prozesse gerechnet werden.

    Gabi z.B. hat ihre Überlegungen zu einem idealen Studiengang zusammen gestellt. Entsprechende konstruktive Beiträge zu weiteren Problemfeldern sind erwünscht. Natürlich bleibt dann die Frage, wie diese in die bildungspolitische Diskusssion eingebracht werden könnten. Eigentlich dürfte es keine Tagung zu Bildungsthemen mehr geben ohne die konstruktive Diskussion themenrelevanter Aspekte und die Zusammenfassung der Ergebnisse in Resolutionen an die Verantwortlichen.

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