meine LiebLinks (KW 31)

Heute stelle ich nur einen Link vor, hinter dem sich aber eine ganze Serie interessanter Beiträge verbirgt:

Im Mai hat Steve damit angefangen, in knappen Beiträgen die wichtigsten Theorien für das Themenfeld Lehren und Lernen vorzustellen. Er arbeitet sich dabei durch das Alphabet der Psychologen und Theoretiker, deren jeweilige Theorie er knapp skizziert und aufzeigt, wie sie im Bildungsbereich Anwendung findet. Begonnen hat er mit Anderson und der ACT-R-Theorie. Inzwischen ist er bei Nummer 24 angekommen, nämlich bei Jean Lave und der Theorie des situierten Lernens. Es sind also noch einige Beiträge zu erwarten.

Steve verdeutlicht (mal wieder), dass auch in Bildungstechnologie und Mediendidaktik der übliche Verweis auf Behaviorismus, Kognitivismus und Kosntruktivismus (bei manchen heute auch noch Konnektivismus) der Vielfalt menschlichen Lernens nicht gerecht wird. Wer also Lernumgebungen konzipiert und gestaltet, sollte eher die von Steve vorgeführte Vielfalt im Hinterkopf haben.

20 Jahre Web-Präsenz

Die Neukonzeption meiner Webseiten hat mich daran erinnert, dass ich mittlerweile knapp 20 Jahre im Web präsent bin. Begonnen hat es 1994 mit meiner ersten persönlichen Darstellung auf den Mitarbeiterseiten des DIFF ( Deutsches Institut für Fernstudenforschung), meiner damaligen Arbeitsstätte. Notwendig war es, weil wir in einem internationalen Fernstudienprojekt namens STIMULATE (schönes Akronym ;-) Staff Training In Media Use for Learning And TEaching) mit Online-Komponenten arbeiteten und deshalb auch selbst im Web präsent sein wollten. Das fand 2001 seine Fortsetzung am damals neugegründeten IWM, auf dessen Seiten ich bis heute – nun als Ehemaliger – zu finden bin.
JW-DIFFJW-IWM-1konzeptblog2006               DIFF 1994/1995                     IWM 2001               konzeptblog 2006

Meine eigene Webpräsenz mit eigener Domain habe ich ab 2006 aufgebaut, zunächst nur als Blogger mit dem konzeptblog, stilgerecht im Layout mit Konzeptpapier. Als ich 2008 erstmals das Layout änderte, kam auch eine Website mit meinen Projekten, Produkten und Publikationen hinzu.

JWWebsite2008konzeptblog2008JW-IWM-2           Website 2008                konzeptblog 2008              IWM 2012

Das hatte bis April 2014 Bestand, als ich nach kurzzeitigen Ausstiegsüberlegungen den Neustart wagte, einschließlich der Ausdifferenzierung in Website (als Startseite) konzeptblog, Museum und Programmieren für Alle:

JWWebsite2014 konzeptblog2014PrgBlog2014                     Website 2014            konzeptblog 2014       Blog Programmieren 2014

Ich selber hatte versäumt (und auch keinen Anlass gesehen), die alten Webseiten zu dokumentieren. Aber durch die Way Back Machine des Internet Archivs konnte ich die Phasen meiner Webpräsenzen rekonstruieren, d.h. auch die unterschiedlichen Layout- und Präsentationsformen. Nachdem ich anfangs beim Blog-Layout bewusst ein Konzeptpapier nachempfunden hatte, bin ich inzwischen bei einem luftigeren, heute gleichzeitig auch Responsive Design gelandet. Insofern repräsentiert die Evolution meiner Webpräsenz ein wenig die Geschichte des Webdesign.

Nachtrag: Natürlich waren die alten Beiträge nicht ganz verschwunden, sondern in der einen oder anderen Form auf meiner Festplatte gelandet. Einiges davon werde ich im Rahmen dieser neuen Seiten rekonstruieren, den Rest in Form elektronischer Archive (als PDF bzw. E-Book) sukzessive hier einbauen. Die ehemaligen Links bleiben dabei leider nicht erhalten …

meine LiebLinks (KW 27)

Für die Kategorie LiebLink diesmal drei Links – z.T. schon ältere Beiträge, auf die ich erst jetzt gestossen bin, die trotzdem für mich diese Woche besonders lesenswert btw. ansehenswert waren.

  1. The Hidden History of Ed-Tech – Folien und Vortragsnotizen der Keynote zur cetis 14 von Audrey Watters (dessen Blog hackeducation insgesamt zu empfehlen ist). Er beklagt die unhistorische Sicht vieler Akteure im unterrichtstechnologischen Feld und analysiert Gründe dafür. This is really the crux of my message: there’s a fascinating and important history of education technology that is largely forgotten, that is largely hidden — it’s overlooked for a number of reasons, some of which is wrapped up in the ideologies I’ve already alluded to.
  2. Visualizing Algorithms – hier erläutert Mike Bostock nicht nur, warum die Visualisierung von Algorithmen das Verständnis komplizierter Zusammenhänge unterstützen kann (use vision to think) sondern hat etliche animierte Beispiele beigefügt (z.B. Sortieralgorithmen), die das überzeugende belegen. Inhalltich keine leichte Kost, aber inspirierend.
  3. Motion Mountain – Das Abenteuer der Physik – Vom Motion Mountain Projekt wird ein sechsbändiges, frei zugänglichesBuch zur Physik als Wissenschaft der Bewegung veröffentlicht (englisch, bisher nur Auszüge auf deutsch). Dahinter steckt Dr. Christoph Schiller, der seit zwei Jahrzehnten daran arbeitet. Es richtet sich an Schüler, Studenten, Lehrende und alle an Physik Interessierten.

 

GML² 2013 Tagungsband ist online

Mit ein wenig Verspätung von mir der Hinweis, dass der Tagungsband (genauer jeweils ein Videomitschnitt der Vorträge plus Abstract) der GML² 2013 inzwischen online gestellt ist. Unter der Überschrift Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens – Renaissance des E-Learning? ging es im Wesentlichen (explizit in 7 von 10 Vorträgen) um MOOCs. Neben konkreten Beispielen und der europäischen Perspektive (von xMOOCs) hatte ich Gelegenheit, das Fähnchen der cMOOCs hochzuhalten.

Präsentiert habe ich meine Einordnung der cMOOCs (als Repräsentanten des Konnektionismus) als alternatives Lehr-/Lernkonzept. Dabei bin ich auch auf Stolpersteine eingegangen, die sowohl auf Seiten der Lehrenden als auch der Lernenden liegen. Meine Aussagen dazu gelten auch heute noch, etliche cMOOCs später. Erfreulicherweise wurden nicht nur die Vorträge selbst, sondern auch die Diskussionen mitgeschnitten und online gestellt. Mein Vortrag findet sich hier: GML13-JW

meine LiebLinks (KW 26)

Für die Kategorie LiebLink diesmal drei Links und danach noch einer, der sich als Flop herausgestellt hat.

  1. Hamburger E-Learning-Patterns – Als Freund von Entwurfsmustern hat mich gefreut, dass das E-Learning-Piortal der Uni Hamburg eine Auswahl an erprobten didaktischen Mustern zur Verfügung stellt. Zu den Patterns finden sich kurze Beschreibungen von Lehrveranstaltungen an der Universität Hamburg, die das jeweilige Pattern erfolgreich umgesetzt haben.
  2. 10 Prinzipien guten Designs – Dieter Rams ist ein vielfach international ausgezeichneter deutscher Industriedesigner. Mitte der 80er formulierte er 10 Prinzipien guten Designs, die hier von Jordan Koschei nach und nach vorgestellt, erläutert und illustriert werden (derzeit bei Prinzip 7 angelangt) [gefunden nach Anregung durch Helge Städtler]
  3. The First Six Books of The Elements of Euclid (1847) – Ein frühes Beispiel für gelungenes Informationsdesign ist das Buch von Oliver Byrne mit der bildlichen Erläuterung der ersten sechs Bücher des Euklid. Wer sich keine Faksimile-Ausgabe in den Schrank stellen will (die es vom Taschen-Verlag relativ erschwinglich gibt), kann eine digitalisierte Fassung im Internet-Archiv durchblättern.

Und hier der Flop: Programmieren kann Jeder – Nach der Auftaktveranstaltung, dem Kick-off am 10.6.2014 mitsamt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Berlin hat sich auf der Website der Initiative “Jeder kann programmieren” absolut nichts getan trotz der vollmundigen Ankündigung: Gemeinsam mit bekannten Botschaftern und einer Vielzahl unterschiedlichster Partner will die Initiative eine offene und dynamische Plattform schaffen, die interaktive Lerninhalte im Web bereitstellt, Workshopmaterialien anbietet und Initiativen zum kreativen Austausch über Technologie bündelt. Dieses Projekt wird dabei durch eine Vielzahl von erfolgreichen, weltweit bestehenden, Initiativen, Open-Source Projekten und jahrelanger Erfahrung im Vermitteln von Wissen inspiriert und unterstützt.

Didaktik: Digital – analog – hybrid?

Mit schöner Regelmäßigkeit wird der Didaktik-Begriff im Kontext des Lehrens und Lernens mit digitalen Medien thematisiert. Ich selber habe mich zuletzt vor gut einem Jahr im Rahmen der Themenwoche MOOC-Didaktik des MMC13 damit befasst. Nun hat also Jöran Muuß-Merholz etliche Protagonisten einer digitalen Didaktik gefunden, darunter auch den geschätzten Herrn Larbig. Im Februar gab es sogar einen Kongress Digitale Didaktik an Deutschlands modernster Schule (bei der das erste digitale Abitur Deutschlands stattgefunden hat; naja, papierlos wäre wohl angemessener), wobei die Kongressbeiträge sich dann aber doch darauf beschränkten, Einzelbeispiele für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht zu präsentieren.

hybriduhrAls Mediendidaktiker akzeptiere ich eine Ausdifferenzierung der Didaktik (u.a. mit den Fachdidaktiken oder der Hochschuldidaktik), sehe aber wenig Sinn in solchen zusätzlichen Attribuierungen (Gleiches gilt für mich auch bei dem Begriff Bildung; dort gibt es inzwischen eine Community Digitale Bildung). Denn wovon soll mit der Neuschöpfung abgegrenzt werden? Bisher wurde ja auch nicht von analoger Didaktik oder hybrider Didaktik gesprochen (vgl. auch den Kommentar von Lars Kilian). Jens Haugen und Stefan Holmann haben bereits 2004 gezeigt, wie die allgemeine Didaktik auch die digitalen Medien umfassen kann.

Auf dem Feld der Didaktik kann man schnell des Guten zu viel tun
(so beginnt Ewald Terhart sein Bändchen Didaktik: Eine Einführung)

In den Kommentaren zu Jörans Beitrag wird allerdings deutlich, dass von einigen das Konzept von Didaktik insgesamt in Frage gestellt wird. Bereits im MMC13 meinte Lisa Rosa: Da wir in Zeiten des Internets und des LLL [Lebenslanges Lernen] erleben, dass Lernen nicht an Unterricht und Lehre gebunden ist, ist Didaktik unpassend. Es sei denn, es handelte sich um Autodidaktik und das Erlernen derselben. Auch Martin Lindner argumentiert in diese Richtung. Seine Position (als Kontra) findet sich kompakt lesbar in der Diskussion mit Jasmin Hamadeh (Pro) im Band Der vhsMOOC 2013 (S. 35-40). Jasmin: Die einen sehen in der Didaktik eine bevormundende Struktur mit der Rollenverteilung: Lerner = hilfsbedürftig, entmündigt, Lehrender: autoritär, von oben herab. Die anderen sehen in ihr die Brücke von dem, wie die Dinge funktionieren, zu dem, wie man begreifen kann, wie sie funktionieren – denn: Mit […] Hilfestellungen wäre ein Lerner, der nicht nur Wissen sucht, ernst genommen in seinen Anforderungen und seinen Herausforderungen an Lernen im Allgemeinen und an Lernen mithilfe des Internets im Besonderen. Martin: Das Lernen im Web [bietet ]eine besondere Chance, die Überbetonung der Didaktik, die fast alle Bildungsprozesse prägt, zurückzuführen […] Jeder ist hier immer nur einen Klick entfernt vom gesammelten Wissen der Welt, von den Stimmen der Fachleute oder anderer Lerner, von der Google-Antwort auf eine beliebige Suchanfrage. Damit ist eine ursprüngliche Situation des Lernens wieder hergestellt, die keine Erlaubnis von Autoritäten und Lehrenden braucht. Damit ordnet sich aber das ganze Verhältnis von Lehre und Lernen neu.

Auch wenn Lernprozesse sich zunehmend außerhalb etablierter Lehr-Lern-Institutionen entwickeln, bedeutet das m.E. nicht, dass alle Formen angeleiteten, betreuten oder begleiteten Lernens durch solches Selbstlernen oder Hilfe zur Selbsthilfe ersetzt werden kann. Häufig reicht es eben nicht, eigenständig Wissen zu recherchieren, wenn dessen Rekonstruktion und Aneignung auf der Basis des Gefundenen einem aber nicht gelingt. Wozu haben sich eigentlich Generationen von Fachdidaktikern Gedanken darüber gemacht, wie bestimmte Sachverhalte aufzubereiten, darzustellen, zu visualisieren sind, wenn es doch reichen soll, schlicht die entsprechenden Informationen aus dem Netz zu holen?

Mir ging es u.a. selber so, als ich das Problem der Umrechnung von Polarkoordinaten zu kartesischen Koordinaten in einem Simulationsprogramm hatte. Die Informationen in Wikipedia waren mir als Nicht-Mathematiker schwer verständlich. Reine Umrechnungsrezepte förderten mein Verständnis auch nicht gerade. Fündig wurde ich schließlich in einem alten Physikbuch. Inzwischen hat sich übrigens Helge Städtler dieses Problems aus Programmierersicht angenommen ;-)

meine LiebLinks (KW 25)

Für die Kategorie LiebLink diesmal drei Links (einen davon hatte ich schon in eigenem Beitrag gewürdigt!), die für mich diese Woche besonders lesenswert btw. ansehenswert waren.

  1. Konstruktionismus für Erwachsene – der Ansatz von Seymour Papert wird fast immer mit dem Lernen von Kindern verbunden. Mark Guzdial weist darauf hin, dass er auch für Erwachsene funktionieren kann, dann allerdings mit Besonderheiten behaftet ist.
  2. Icons für GUIs – habe ich schon Beitrag für mein SoftwareMuseum Papierkorb, Bombe und Co. beschrieben. Ein sehenswertes Video, in dem Susan Kare, die die Icons für den ersten Apple Macinstosh (und für etlcihe andere GUIs) entworfen hat, humorvoll von den Anfängen ihrer Arbeit erzählt. Die berühmten Icons für den Macintosh hatten 32*32 Pixel; ihre Arbeiten für andere IT-Firmen hatten witzigerweise dann zunächst immer mehr Pixel, aber in den letzten Jahren wieder weniger Pixel …
  3. Zeichne dein Videospiel – Nicht Programmieren, aber immerhin eigene Jump’n’Run-Spiele grafisch entwerfen kann man mit Pixel Press Floors. Auf einer Vorlage lassen sich mit Bleistift eigene Spiel-Level zeichnen, die mit dem iPad abzufotografieren sind und die sich dann vom Programm anhand von Vorlagen für Hintergründe und Spielelemente in ein eigenes Mini-Spiel umwandeln lassen. Derzeit kostenlos und ein ausbaufähiger Ansatz.

SoftwareMuseum: Papierkorb, Bombe und Co. – die Icons der Susan Kare

FontChicago

Systemschrift Chicago

Als der Apple Macintosh 1984 auf den Markt kam, war das Erscheinungsbild der grafischen Oberfläche des Betriebssystems und der Anwendungsprogramme von den Icons und der Systemschrift Chicago geprägt. Verantwortlich dafür war Susan Kare, die als Grafikdesignerin Mitglied des ursprünglichen Macintosh-Entwicklerteams war. Mit der Schrift Chicago und den schwarz-weißen Icons hatten die Apple-Rechner der Macintosh-Reihe jahrelang (von 1984 bis 1997) ein gleichbleibendes, charakteristisches Erscheinungsbild. Zwar wurden Icons für die Gestaltung der grafischen Benutzeroberfläche schon mit dem Xerox Star eingeführt, aber erst beim Macintosh erhielten sie ihre typische – an ein 30*30-Gitter gebundenes – Aussehen.

IconsKareViele ihrer Icons sind bis heute – nun mit höherer Auflösung und Farbe – in Gebrauch. Alle nachfolgenden GUIs (wie z. GEM, Atari TOS und natürlich Windows) haben mit vergleichbaren Icons gearbeitet; insofern war Susan Kare durchaus stilbildend für die Interaktion mit Rechnern der letzten 30 Jahre.

In einem Vortrag bei der EG-Conference (Entertainment Gathering) hat Susan Kare die Anfänge ihrer Arbeit bei Apple und darauf folgende Aktivitäten geschildert und mit Originaldokumenten illustriert, geprägt von einem subtilen Humor, der sich auch in manchen ihrer Icons wieder findet …

Ihr legendäres Skizzenbuch enthält deutlich mehr, als was in die GUIs Eingang gefunden hat, denn, wie sie in einem Interview anmerkte: For each icon that ends up in a program, she said, two or three others are rejected. “I always have many more images than actually ship,” she added. “The image graveyard is littered with things that might have been.”