Lernen mit Animationsfilmen

Abgelegt unter: Allgemein, Visualisierung — JoWe um 18:07 am 01.05.2013

Letzte Woche war in Stuttgart das 20. Internationale Trickfilm-Festival und wenigstens einen Tag konnte ich dort sein. Ich habe einige Wettbewerbsfilme gesehen, darunter im Internationalen Wettbewerb A Wind Egg, Gewinner des Lotte Reiniger Förderpreis, und Virtuos Virtuell von Stellmach & Oschmann. Diese dynamischen Tuschezeichnungen zur Ouvertüre der Oper „Der Alchymist“ von Louis Spohr zeigen eindrucksvoll, was im Animationsfilm alles möglich ist.

Filmausschnitt aus Virtuos Virtuell von Stellmach & Oschmann

Allein die verwendeten Techniken sind schon enorm vielfältig; vom klassischen Zeichentrick über Puppentrickfilme, Knetfigurenfilme bis hin zu 2D- bzw. 3D-Computeranimation. Schon gewusst? Es gibt sogar ein Deutsches Institut für Animationsfilm.

Animationsfilme gibt es auch schon lange im Lehr-/Lernkontext (nur als ein Beispiel sei die Veranschaulichung der Zellteilung, die Mitose, genannt, die es in zig Variationen gibt). Seit einigen Jahren sind neue, ganz bewusst einfache Formen hinzugekommen. Berühmt wurde dadurch Common Craft mit einer Serie Technology in Plain English, bei der sie mit einer Kombination einfacher Strichzeichnungen und der Legetechnik arbeiteten. Rein zeichnerisch arbeitet auch Dave Cormier bei seiner Erklärung What is a MOOC? Bei RSA Animate ist daraus eine eine Art Echtzeit-Zeichnen mit eigenem Reiz geworden. In unseren Kontext passt besonders Changing Educational Paradigms als Visualisierung des Vortrags von Ken Robinson. Für den COER13 hat Sandra einige Erklärvideos produziert, die eine gelungene Kombination von Legevideo und Echtzeit-Zeichnung darstellen.

Bei e-teaching.org hatten wir ein exemplarisches Legevideo zum Thema E-Lectures in klarem Deutsch produziert und dazu auch ein Making of … geschrieben.

Die Vielfalt der Animationstechniken findet sich also mit durchaus spezifischen Ausformungen im Lehr-/Lernkontext wieder. Nun weiß ich natürlich, dass Animationen als Unterrichtsmedien gezielt eingesetzt werden müssen, wenn sie wirklich lernförderlich sein sollen (sehr gute Vertiefungen dazu bieten die Reviews von Mayer & Moreno, 2002, bzw. Ainsworth, 2008). Dennoch wäre es reizvoll, einfach mal einen offenen Workshop zu organisieren, in dem die grundlegenden Techniken vermittelt und gängige (Open Source) Werkzeuge vorgestellt werden. Da könnten positive Beispiele entstehen. Und warum eigentlich keinen Wettbewerb für die besten Lernanimationen (oder gibt’s sowas vielleicht sogar schon irgendwo!)?

Update 3.5.: Am Ende seines Vortrags Stop Drawing Dead in dem Bret Victor für interaktive Simulationen als Animationsform plädiert, zeigt er eine interaktive Musikvisualisierung, die in Richtung der o.g. Virtuos Virtuell geht (im Video ab Min. 50). Sehenswert, aber besser verständlich, wenn vorher der Vortrag angehört wurde …

das Blog-Twitterstöckchen … wie ich Twitter nutze

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 10:57 am 27.04.2013

Aus gegebenem Anlass denke ich derzeit manchmal auch darüber nach, was ich warum in den sozialen Medien so mache. Da kommt das Zuwerfen eines Blog-Stöckchens zu Twitter fast passend (Start Ralph Scholze @webpixelkonsum,  dann Kristine Honig @kristinehonig, dann Monika @mons7 an mich, andere noch in der Pipeline). Dazu in gebotener Kürze:

1.) Wer bist Du auf Twitter? Seit wann bist Du auf Twitter? Nutzt Du Twitter vorwiegend privat und/ oder beruflich?
Bei Twitter findet man mich unter @jowede und das seit September 2009. Denn kurz vor der GMW-Jahrestagung 2009 in Berlin habe ich mich angemeldet (angeregt von Christian Spannagel, heute @dunkelmunkel), um vor Ort mitdiskutieren zu können. Es war dann jedenfalls so anregend, dass ich bis heute dabei geblieben bin.

2.) Zu welchen Themen veröffentlichst Du Deine Tweets?
Anfangs haben sich fast alle Tweets um meine beruflichen Themen gedreht, also digitale Medien im Lehr-/Lernkontext, zunehmend aber auch um die Hobbythemen Programmieren, Software-Museum, Visualisierung u.ä. Ganz Privates hat sich da recht selten eingeschlichen. Peaks gab es eindeutig durch meine MOOC-Teilnahmen (opco11, opco12, mmc13). Hier in meinem konzeptblog verlinke ich häufig auf vertiefende Seiten und so habe ich mir auch bei Twitter angewöhnt, Links zu interessanten Quellen zu teilen (kommt irgendwie doch immer noch der pädagogische Anspruch durch).

3.) Wie viel Zeit pro Woche nimmst Du Dir für Twitter?
Pro Tag geht da schon mal eine halbe Stunde drauf. Fahrzeiten in Bus und Zug lassen sich damit auch prima überbrücken …

4.) Auf welchen weiteren Social Media-Kanälen bist Du aktiv?
Mein konzeptblog ist mir am wichtigsten. Ganz selten bei Google+. Das hat irgendwie noch nicht seinen Platz gefunden, obwohl ich dort über die Communities zunehmend interessante Beiträge finde.

5.) Welche Position nimmt Twitter für Deine Kommunikation in all Deinen Social Media-Kanälen ein?
Twitter ist derzeit eindeutig die Nummer 1. Bin immer wieder positiv überrascht über die vielen nützlichen Infos, die ich darüber ausschließlich oder zumindest schneller als über meine anderen Kanäle erhalte.

6.) Organisierst Du Tweetups bzw. nimmst Du daran teil?
Nein, aber immerhin habe ich schon bei Live-Events Follower bzw. Followees getroffen. Und dann habe ich aus (meist lustigen) gesammelten Tweets bei der GMW-Tagung 2010 in Zürich und 2011 zur Bremer EduCamp-Party Twitterlesungen gemacht … müsste eigentlich mal wieder anfangen zu sammeln.

7.) Wofür verwendest Du Twitter vorwiegend?
Informationen erhalten bzw. meinerseits weiter geben; direkte und schnelle Kontakte mit Mitgliedern meiner Community; Befriedigung allgemeiner Neugier …

8.) Welche Gesamtnote von 1 – 6 würdest Du Twitter geben und wieso?
Wenig Abstriche. Eigentlich 1.

9.) Welche Tools nutzt Du mit welcher Hardware für Deine Aktivitäten auf Twitter?
Am Mac ist es TweetDeck, am iPhone/iPad die Twitter-App.

Tja, und an wen reiche ich nun das Stöckchen weiter? Gefragt sind jedenfalls Beat Döbeli @beatdoebeli, weil er nochmal das Beat-Loch erklären sollte, und Johannes @moskaliuk, weil er so eine schöne Mischung von Themenlinks und Bonmots hat.

Update 28.4.13: Beat hat das Stöckchen superschnell aufgenommen. Interessante  Positionierung. Seine Weiterreichung an Marc Pilloud @nextmeme hat dann noch als Kommentar zu superkurzer Stellungnahme geführt …

Der 4. Armuts- und Reichtumsbericht

Abgelegt unter: Allgemein, Visualisierung — JoWe um 22:10 am 06.03.2013

Nun streiten sie in Berlin um den Vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Ich bin nicht sicher, wer die 549 Seiten denn schon gelesen hat. Um die Lage zu kennen und beurteilen zu können, wäre für uns Nicht-Experten eine visuelle Aufbereitung vielleicht ganz hilfreich. Ein Vorbild könnte die folgende animierte Infografik zur ungleichen Vermögensverteilung in den USA dienen:

Nicht nur wegen des Inhalts ein - wie ich finde - sehr instruktiver Infografik-Film. Wer könnte denn sowas mal für die BRD anfertigen?

Kraftraum fürs Gehirn …

Abgelegt unter: (Net)Logo, Allgemein, OLPC — JoWe um 18:47 am 27.02.2013

Der Vorsitzende des baden-württembergischen Philologenverbandes, Bernd Saur, wurde von der Südwest Presse interviewt zum Thema Warum heute noch Latein. Den größten Vorteil für SchülerInnen sieht er darin, dass Latein die Muckibude fürs Gehirn (verlinkt trotz Leistungsschutzrecht) sei. Es kommen Begründungen, die ich immer wieder gehört habe: Latein fördere das analytische, strukturierte und kombinatorische Denken (gut bei allen komplexen Sachverhalten), trainiere Gedächtnis und Ausdauer … und wenn es einen zur Verzweiflung bringt, kann man die wichtige Eigenschaft der Frustrationstoleranz entwickeln. Lateinschüler würden systematischer lernen, Durchhaltevermögen und Anstrengungs-bereitschaft zeigen, gute rhetorische Fähigkeiten und einen weiten Horizont entwickeln. Wobei Letzteres wohl etwas im Gegensatz zu Saurs Einschätzung steht, gerade der in sich gekehrte Schülertyp dürfte mit Latein glücklicher werden.

Es wäre interessant zu erfahren, von welchen belastbaren empirischen Befunden diese Aussagen Saurs gestützt werden. Vermutlich werden die meisten Vertreter anderer Schülfächer vergleichbare Begründungen für die Relevanz ihres Faches anführen.
Ersetzen wir doch oben vor der Argumentationskette einfach mal Latein durch Programmieren bzw. Programmiersprache XY. Klingt dann immer noch genauso plausibel und passt bestens zu dem postulierten Stellenwert der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik; vgl. MINT-EC, den Verein mathematisch-naturwissen-schaftlicher Excellence-Center an Schulen e.V.).

#MMC13: Zwiespalt im Zwiegespräch

Abgelegt unter: Allgemein, MOOC — JoWe um 20:13 am 13.02.2013

Nach 4 Wochen MMC13 frage ich mich, wie die vielen aktiven TN es eigentlich geschafft haben dabei zu bleiben, hatte ich doch schon als Ruheständler Mühe, meine (für mich selbst überraschend hohe) Zeitinvestition abzuzwacken. Am Ende komme ich allerdings trotzdem zu einer zwiespältigen Beurteilung. Ich versuche das mal im Dialog des Blogautors JoWe (JW) mit meinem Alter Ego Oh Weh (OW) zu verdeutlichen.

JW: Ich bin echt beeindruckt, wie es drei (Privat) Personen geschafft haben, zu einem hochaktuellen Thema eine aktive TN-schaft zu gewinnen, die dann gemeinsam bis zum Ende ein inspirierendes Lernklima geschaffen hat.

OW: Naja, trotzdem scheint auch in diesem Kurs das Ungleichgewicht der Partizipation (nach Nielsen) gegolten zu haben.

JW: Einspruch. Mindestens nach den ersten 2 Wochen gilt doch eher die Wahlmöglichkeit der Partizipation (nach BBC Online Briefing). Ich habe jedenfalls eine Reihe nachdenkenswerter, weiterführender Beiträge gefunden.

OW: Dazu habe ich aber viel Text durchscannen müssen. Die LdL-Kultur (hier: Lehren durch Loben) hat erstmal jeden Beitrag positiv begrüsst und mir keine Vorfilterung ermöglicht. Habe ich die Threads mit Widerspruch und Kritik übersehen?

JW: Dieser MOOC ist (wie übrigens alle anderen bisher ja auch) erstmal ein Experiment. Ich habe dabei einige neue Tools kennen gelernt, auch gute methodische Initiativen, wie die kollaborativen Aufgaben (die MOOC-Matrix, den MOOC Tool-Check) und die Form der Ergebnissicherung.

OW: Nicht alles davon hat geklappt, aber ok, es ist ja ein Experiment. Problematischer scheint mir aber, dass die inhaltliche Offenheit dazu geführt hat, dass die zentralen Themen nicht wirklich auf den Punkt gebracht werden konnten. Oder weisst du jetzt, was ein MOOC ist?

JW: Ich unterscheide für mich xMOOC, cMOOC, bMOOC. Obwohl ich nach wie vor meine, dass für den MMC13 COOL oder POOC besser passen würde.

OW: Beim Thema Didaktik kannst du aber mit der Erklärung der cMOOCs zur didaktikfreien Zone nicht einverstanden sein?

JW: Natürlich nicht. Aber das blieb ja auch nicht unwidersprochen und Claudia hat das gleich sehr konkret in einer kleinen Serie aufgearbeitet (Didaktik, How to MOOC I, II und III). Und klar ist es da anfangs wichtig zu wissen, welchen MOOC-Typ man anbieten will.

OW: Das meinte ich mit auf den Punkt bringen. Bei Offenheit war es noch deutlicher. Das pendelte von Plattformen über OERs bis Zugangsoptionen und Organisationsrahmen. Mein Vorschlag, die Dinge analytisch zu trennen, lief ins Leere, weil halt ahmaz (alles hängt mit allem zusammen) gelten würde. Wie aber sagte Tucholsky: Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein.

JW: Wie nützlich Offenheit in diesem Kontext aber ist, zeigte die Geschäftsmodell-Woche. Auch wenn das meiste im Hochschulkontext wohl anders aussieht, so wurden gerade in dieser Woche etliche interessante Modelle vorgestellt. Soweit ich es überblicke wurde dazu leider weniger diskutiert, als in den vorherigen Wochen. Vielleicht, weil nicht gar so viele konkret einen eigenen MOOC (und dann noch außerhalb der Hochschule) planen.

OW: Für dich war der MMC13 also insgesamt mehr als schön, dass wir drüber geMOOCed haben?

JW: Auf jeden Fall. Wenn ich nochmal einen MOOC planen sollte, ist für mich klar, dass es COOL oder POOC werden soll, aber dass ich trotzdem ein sorgfältiges didaktisches Design ausarbeiten muss. Inhaltlich aber auch organisatorisch könnte und werde ich nicht beliebig offen sein … und ein Geschäftsmodell brauche ich nicht. Also mir hat der MMC13 dazu genügend Denkanstöße geliefert und in manchen Punkten zu Klarheit verholfen. Danke @Dörte, @Monika und @Heinz!

#MMC13: MOOC-Didaktik (II)

Abgelegt unter: #opco12, Allgemein, MOOC — JoWe um 23:12 am 30.01.2013

Nun ist die Didaktik-Woche des MMC13 auch schon wieder vorbei; der Wochenrückblick liegt schon vor. Nach der Live-Session, an der ich als (Ex-)Experte mitwirken durfte, hatte ich nach Lektüre der vielen Tweets, Blogbeiträge und Kommentare einiges zum Nachdenken. Unmöglich alle Punkte anzusprechen, die sich ergeben hatten. Ich werde mich auf zwei konzentrieren.

[eine treffende Zusammenfassung der Live-Session hat Jutta Pauschenwein unmittelbar nach der Veranstaltung geposted]

Die 1. Woche hat m.E. nicht unbedingt zur Klärung des MOOC-Begriffs beigetragen. Da kam ja eine Einschätzung von Anja Lorenz, die mich nachdenklich machte: Können Teilnehmer eines MOOCs an einem MOOC teilnehmen, und dann erst diskutieren, was ein MOOC überhaupt ist? …klingt beknackt, war aber so. Für mich ist inzwischen allerdings klar und wichtig, dass wir bei allen Diskussionen deutlich zwischen  verschiedenen MOOC-Varianten unterscheiden müssen, weil die dahinter stehenden Konzepte und theoretischen Bezüge sich konkret auf die Gestaltung und Organisation entsprechender MOOCs auswirkt (s.u.). Derzeit unterscheide ich daher zwischen

  • xMOOC (vgl.bar Vorlesungen)
  • cMOOC (vgl.bar Seminaren oder Projekten)
  • bMOOC (vgl.bar Seminaren)
  • smOOC (vgl.bar Seminaren oder Projekten mit kleinen TN-Zahlen)

Der MMC13 ist also ein cMOOC und kann nicht mit den xMOOCs direkt verglichen werden. Grübeln musste ich bei der Frage, was denn das entscheidend neue Merkmal von MOOCs sei. Die von mir sehr geschätzte Kollegin Diana Laurillard hat sich dazu wohl ziemlich drastisch geäußert (Kontext des Zitats aus der ALT Mailingliste fehlt mir leider): Everyone in the field knows there’s nothing new in MOOCs. Das stimmt sicher für die einzelnen Komponenten M, O, O und C. Aber ganz entscheidend ist ein Aspekt, den Bertolt Brecht in anderem Kontext bereits 1932 ansprach, in einer Rede über die Funktion des Rundfunks:

Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur zu hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen.

Wenn Brecht damit die Menschen von Medienkonsumenten zu -Produzenten emanzipiert sehen möchte, dann können wir für unseren Bereich feststellen, dass uns heute ein Pool webbasierter Werkzeuge zur Verfügung steht, der es Personen auch ohne institutionelle Anbindung und Infrastruktur erlaubt, (weltweit) offene Lehr-/Lernangebote zu realisieren.

Zwischenfazit: Der MMC13 ist ein cMOOC, den die GastgeberInnen als Privatinitiative organisiert haben und mit offenen Ressourcen umgesetzen konnten.

Womit wir beim zweiten Begriff, der Didaktik, wären. Nun hat mein Ex-Kollege Felix Friedrich zwar mal gesagt (die auf Literaturstudien beruhende Argumentationskette kann ich hier nicht ausführen): Der Mensch lernt unter allen Bedingungen; Lernumgebungen können gar nicht so schlecht sein, dass man nix darin lernt. Also auch in MOOCs und so könnten wir uns jede Didaktik sparen. Lisa Rosa findet sie jedenfalls unpassend: Da wir in Zeiten des Internets u des LLL erleben, dass Lernen nicht an Unterricht u Lehre gebunden ist, ist Didaktik unpassend. (Tweet 2). In Tweet 4 und 5 nimmt sie das m.E. gleich wieder zurück, wenn sie fragt: Wie kann ich Materialangebot u Beteiligungsstruktur so gestalten, (4) dass die Lernenden weitestgehend nach ihrem persönlichen Sinn und selbstorganisiert lernen können?” Moderieren u Coachen (5). Genau damit befasst sich auch die (gestaltungsorientierte) Mediendidaktik (vgl. Kerres).

Auch Claudia Bremer stellt klar, dass ein MOOC Didaktik braucht.  Sie benennt dabei zu klärende Fragen (Ziele, Inhalte, Betreuung, Medienwahl), die z.B. auch zentral bei der lerntheoretischen Didaktik sind. Dort wurde u.a. vom Implikationszusammenhang inhaltlicher und methodischer Entscheidungen gesprochen.

Fazit: MOOCs sind für mich kein didaktikfreier Raum. Sie können didaktsch-methodisch geplant und gestaltet werden. Das bedeutet nicht, dass wir nur nachzulesen bräuchten und Rezepte für alle Umsetzungspläne finden würden. Neue Rahmenbedingungen, Lernintentionen und Werkzeuge erfordern die Erprobung kreativer Lösungsansätze. Das ist aber kein Grund für Didaktikphobie, sondern bietet die Chance manches Bewährte sinnvoll weiter zu entwickeln.

PS: Ein Gedanke, der mir noch so durch den Kopf geht: Sollen eigentlich die Fachdidaktiken plötzlich obsolet geworden sein?

PPS: Wie würden eigentlich LehrerInnen reagieren, wenn Lehrerfortbildungen als cMOOCs angeboten würden?

Zitate:
Brecht, B. (1967): Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. In: Bertold Brecht: Gesammelte Werke, Bd. 18. Schriften zur Literatur und Kunst, Bd. 1.Frankfurt/Main. S. 127ff.
M. Kerres (2012). Mediendidaktik. Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote. München: Oldenbourg.

Meine Communities

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 15:10 am 04.12.2012

In letzter Zeit hatte ich eine Menge Follower bei Twitter zu entfolgen, die mir offensichtlich nur folgten, weil sie mich beim Social Media Marketing unterstützen wollen, damit ich die Zahl meiner Follower deutlich steigern könnte. Hilfreicher sind für mich dabei aber eher die Twittertipps von Herrn Larbig (sinnvoll ergänzt von mons7), weil sie sich auf die Qualität der Inhalte und die notwendige selbstkritische Haltung beziehen (Herrn Larbigs Hinweis auf @Pontifex - die Zahl der Follower ist am 4.12.12 bereits > 350.000 - ist ein markantes Gegenbeispiel!).

Natürlich ist auch mir daran gelegen, LeserInnen meiner Tweets und Blogbeiträge zu finden; denn ehrlich: Nur für sich selber schreibt doch keiner im Web, dafür würde das klassische Tagebuch reichen (nochmal mon7: Schreiben als Grundbedürfnis). Insofern bin ich mit der langsam aber stetig steigenden Zahl der LeserInnen meines Blogs und der Follower bei Twitter ganz zufrieden (mein Twimpact ist derzeit 6.2). Umgekehrt wäre ich ohne die Beiträge der vielen Edu-Blogger nicht mehr so auf dem Laufenden und auch die entsprechenden Tweets meiner Followees sind inhaltlich wichtig und häufig einfach lustig (Hinweis an mich: sollte mal wieder was für eine Twitterlesung sammeln).

Eine eher witzige Beobachtung am Rande: Die Verknüpfung virtueller und realer Communities ist wohl nicht immer leicht. Nachdem mir inzwischen mehrere Personen zum GMW-Fellow gratuliert hatten, ich aber von der GMW bisher keine entsprechende Nachricht erhalten habe (die Wiener Jahrestagung habe ich ja nicht besucht), konnte ich mir nicht verkneifen, mal auf der GMW-Website nachzuschauen. Dort ist aber nur ein Klaus (?) Wedekind gelistet ohne Link. Falls ich wirklich gemeint bin, sollte der Webmaster vielleicht einfach mal in den GMW-Blog gucken. Dort bin ich nämlich mit korrektem Namen und Link in der Blogroll

Update 1 h später: Na, das ging ja jetzt schnell. Dank Sandra ist die Seite schon mal korrigiert …

benutzergerechte Gestaltung der Mensch-Computer-Interaktion

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 15:14 am 16.10.2012

Wir leben in einer Welt schneller Veränderungen. Besonders im IT-Bereich wird nach ständiger Innovation gerufen - und prompt bemängelt, wenn z.B. das iPhone 5 nur Evolution statt Revolution bietet. Zugleich wird angeblich die Hardware immer unwichtiger und bereits das Ende der PC-Ära ausgerufen und das Aussterben der Maus als Eingabemedium. Insofern sind aktuelle Entwicklungen daraufhin abzuklopfen, wie sie sich in kommenden Produkten niederschlagen werden. Anregungen bietet das ACM Symposium on User Interface Software and Technology (Zusammenfassung bei technology review).

Was die Interaktion mit digitalen Geräten (hier gemeint: Computer, Tablets, Smartphones) betrifft, sehe ich allerdings kaum Anzeichen für einen erneuten raschen Wandel. Nicht zuletzt, weil bei den beim genannten Symposium gezeigten Entwicklungen die Intuitivität der aktuellen Standards (Maus bzw. Touchscreen) m.E. zumindest teilweise schon wieder verloren geht.

Ideen und Prototypen hat es schon viele gegeben, dennoch hat sich WIMP seit 1984 mit der Popularisierung durch die Mac-Einführung als dominierende Benutzerschnittstelle gehalten. Erst seit der Vorstellung des iPad 2010 hat sie durch die gestenbasierte Bedienung von Touchscreens ernsthafte Konkurrenz bekommen. Deren Möglichkeiten sind allerdings derzeit weder ausgeschöpft noch flächendeckend in Apps realisiert. Ich erwarte deshalb erstmal eher eine Konsolidierung dieses Interaktionsparadigmas; und ich erhoffe mir, dass die Entwickler dazu kommen, damit innovative Anwendungen umzusetzen.

Übrigens, gemessen an den Best Paper/Best Demo Awards des ACM Symposium spielt die Musik in diesem Bereich gerade bei Microsoft Research (!), Carnegie Mellon University, MIT Media Lab und Disney Research … es lohnt sich, dort rumzustöbern!

Immer App to date

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 13:56 am 05.10.2012

Auf iPhone/iPad habe ich derzeit ca. 340 Apps. Einige davon nutze ich sehr regelmäßig (etwa 15), ab und zu spiele ich und der große Rest dient der Information, was es so alles gibt, speziell was Lernanwendungen bieten und welche Interaktionsformen eingesetzt werden. Kostenpflichtige Apps bilden dabei bei mir eine kleine Minderheit.

Umso erstaunlicher, dass ich fast täglich Hinweise auf Updates erhalte, die bisher für alle Apps kostenlos waren. Die App- Entwickler sind damit deutlich aktiver als die Entwickler von Mac-Programmen (andere Plattformen kann ich nicht wirklich beurteilen, vermute aber mal, dass es dort ähnlich ist). Das mag dem anderen Charakter der meisten meiner Mac-Programme geschuldet sein - überwiegend die wichtigen Werkzeuge (Office, Grafik,Programmierung) mit verständlicherweise (und glücklicher-weise) längeren Update-Zyklen - und andererseits der doch immer noch neuen Tablet-Umgebung, wo viel experimentiert wird. Während es bei Mac-Programmen lange dauert, bis ich mal in ein neues Programm investiere, verleitet die (überwiegend) Niedrig-preispolitik der App-Anbieter doch häufiger dazu, kostenpflichtige Apps zu erwerben.

Im Übrigen nutze ich iPad/iPhone zunehmend und regelmäßig; die PC-Ära ist für mich deshalb aber noch nicht rum. Es bleiben eine Reihe computergestützter Arbeiten, bei denen eine richtige Tastatur, komfortabler Großbildschirm und auch Computerpower nicht entbehrlich sind. Also doch nicht nur ein Gerät, sondern, um Beat zu zitieren: Abstand [nehmen] von der Idee des für alle [Arbeiten] optimalen Gerätes

Dialog über Deutschlands Zukunft (II): Digitale Kompetenzen

Abgelegt unter: Allgemein — JoWe um 22:36 am 07.09.2012

In meinem ersten Beitrag zum Zukunftsdialog habe ich meine Probleme mit dem Prozess geschildert. Heute nun Anmerkungen zur inhaltlichen Arbeit in der AG “Digitale Kompetenzen” (mit einem etwas unglücklichen Namen, schließlich sind ja nicht die Kompetenzen digital, sondern es geht um Kompetenzen beim Umgang mit/bei der Nutzung von digitalen Medien), zu der ich gehörte. Diese AG hat schließlich vier Hauptvorschläge und insgesamt 17 Einzelvorschläge erarbeitet (zum leichteren Verständnis des Folgenden empfehle ich die Seiten 438-463 der Langfassung des Ergebnisberichts):

Grundidee der Vorschläge unserer Arbeitsgruppe ist die nachhaltige Verankerung von Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien in der Gesellschaft. Es geht vor allem um die Definition von Medienkompetenzen, die nachhaltige institutionelle Etablierung des Themas, die Schaffung eines dauerhaften Rahmens für die kontinuierliche Umsetzung und darin eingebettete konkrete Einzelvorschläge.

1. Kompetenz-Standards im Umgang mit digitalen Medien
2. Rat für Digitale Medien und Medienkompetenz
3. Der Medienbildungspakt
4. Gemeinsame Infrastrukturen

Probleme: Meines Erachtens geht es beim Thema “Wie wollen wir lernen” doch darum, wie Lernende (aller Altersgruppen) sich zukünftige Formen des Lernens vorstellen und damit in der AG um die Frage, wie dies mit digitalen Medien aussehen kann und wird. Die Konzentration auf eine eher klassische Medienbildung und Definition der Medienkompetenz scheint mir einseitig und an aktuellen Entwicklungen vorbei zu gehen. Bei den Haupt-vorschlägen der AG frage ich mich, welche Maßnahmen daraus folgen sollen und mit welchem Zeithorizont. Ganz konkret: Wie groß, wie international soll der Rat  für Digitale Medien und Medienkompetenz denn werden? Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass in zeitnahem Abstand ein solches Gremium eingerichtet werden kann, von ihm kurzfristig ein strategisches Gesamtkonzept vorgelegt wird und dieses dann von den betroffenen/angesprochenen Einrichtungen und Personen zügig umgesetzt wird.

Der Medienbildungspakt klingt konkreter. Allerdings wird auch damit zunächst nur ein weiterer Organisationsrahmen geschaffen, der vermutlich ebenfalls erst mit längerem Zeithorizont zu konkreten Ergebnissen kommen kann. Dazu sollen “alle relevanten Akteure ins Boot geholt werden: Bund, Länder und Kommunen, die Bildungsbereiche, die Wissenschaft, die Politik, Fachverbände und Facheinrichtungen, Medienanstalten und Medienwirtschaft, Industrie- und Handelskammern, Arbeitsagenturen, die Gewerkschaften, die Kirchen etc. Auch gilt es, sich mit Aktivitäten und Programmen der Europäischen Kommission zu vernetzen”. Das sind die etablierten Akteure, von denen natürlich niemand vergrätzt werden soll; aber ob ein solches Monstergremium konkrete Maßnahmen anschieben kann, scheint mir mehr als fraglich.

Mir sind die Vorschläge insgesamt zu sehr Top-Down ausgefallen: Die Definition, Sammlung und Fortschreibung von Standards der Medienkompetenz soll vom Rat für Digitale Medien und Medienkompetenz geleistet werden; Medienbildung soll nachhaltig institutionell etabliert werden, vor allem über die verbindliche Verankerung der Medienbildung in der Lehrerbildung. Das Andocken an Initiativen offener Bildungsressourcen (dazu zähle ich die, die sich mit Open Access/Open Content, Lernmitteldatenbanken und Portalen befassen) fällt dagegen stiefmütterlich aus.

Ist das, wie wir lernen wollen? Orientiert an Standards des Rats für Digitale Medien, betreut von “nachhaltig qualizierten pädagogischen Fachkräften”, das Ganze gefördert von einer Bundesstiftung Medienbildung, umgesetzt von einer Bundesakademie für Zukunftsfähigkeit?  Für mich stehen dagegen eher neue Formen orts- und zeitunabhängigen, aber auch zertifikatsunabhängigen Lernens im Vordergrund. Ermöglicht wird dies durch aktuelle Entwicklungen: Im technischen Bereich (Verfügbarkeit von Tablets, Smartphones usw. für mobiles Lernen), durch sich verändernde Publikationsstrategien (Open Access, Open Science) und neue offene Bildungsangebote (Open Content, MOOCs usw.). Einige Vorschläge im Bürgerdialog gingen übrigens durchaus in diese Richtung.

So bleibt der Bericht weitgehend stehen bei der Bündelung und Fortschreibung des Vorhandenen, bei der Etablierung neuer Strukturen (Rat, Pakt, Akademie) und der Konzentration auf die etablierte Medienbildung. Es fehlen die mutigen, unkonventionellen, der digitalen Welt angemessenen Schritte zu neuen Formen des Lernens und Lehrens. Ich fürchte, in ein, zwei Jahren werden die wenigsten Vorschläge weiter verfolgt oder gar umgesetzt sein und wir werden weiter darauf warten, dass die Bildungspolitik adäquat auf die fortdauernden Veränderungen in der digitalen Medienlandschaft reagieren wird.

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