Nachlese Didacta 2014

Dieses Jahr war die didacta wieder mal in Stuttgart zu Gast, d.h. quasi bei mir vor der Haustür. Also bin ich mal hingefahren und habe mir ein paar Produkte angeschaut, relativ gezielt, denn alle Hallen an einem Tag abzuarbeiten ist eh ein Unding.

In der Eingangshalle ein von früheren didactas vertrautes Bild: Man kommt sich fast vor wie im Flughafenterminal gegenüber (die Abflughallen des Stuttgarter Flughafens sind nur ein paar hundert Meter entfernt), wenn die Hälfte der Besucher mit Rollkoffern in die Hallen strömen. Wieviel Altpapier wird da wohl nach Hause gekarrt?

Ich habe in der Halle 8 begonnen, die den Schwerpunkt Neue Technologien abdeckte. Gemessen an den dort vertretenen Ausstellern und den gezeigten Produkten könnte man meinen, die flächendeckende Einführung interaktiver Tafeln (Whiteboards) stehe bevor. Wobei der Vorwurf, diese zementierten doch nur lehrerzentrierten Frontalunterricht, schwer zu entkräften ist. Jedenfalls waren die Vorführungen an den Ständen fast durchgängig so geprägt. Zwar wird inzwischen das Übertragen von Schülerbildschirmen – sei es von Smartphone, Tablet oder Computer – und das (selektive) Freigeben überall unterstützt. Allerdings stehen dabei Überwachung der Schülerbildschirme, Kontrolle und Lenkung im Vordergrund. Immerhin, bei SMART habe ich die Software XC Collaboration entdeckt und mir die vielfältigen Funktionen zum kollaborativen Arbeiten zeigen lassen. Davon war ich beeindruckt. Ich empfehle mal, die Funktionen von XC Collaboration näher anzusehen!

nao

NAO-Roboter

Mein Interesse an Robotern konnten nur zwei Anbieter abdecken. Viel Aufmerksamkeit fand NAO, ein autonom agierender humanoider Roboter, der sich über eine grafische Programmieroberfläche Choreographie relativ einfach steuern lässt. Lustig, wenn das Gerät sich aus Liegeposition erhebt und herumläuft. Adressaten dafür werden von der Grundschule bis hin zur Forschung gesehen. Mit vielen Sensoren, 25 Motoren, 2 Kameras, 4 Mikrofonen können NAO unzählige Verhaltensweisen beigebracht werden. So haben Schüler einer Berufsschulklasse mehreren NAOs das Boxen beigebracht. Ich finde allerdings Baukästen interessanter, mit denen eigene Roboter gebaut werden können. Dafür gibt es LEGO MINDSTORMS Education EV3, Nachfolger des Mindstorms Robotics Invention System bzw. Mindstorms NXT. Das Set ist nicht ganz billig (Basis-Set + Software ca. 500,-€), aber damit könnte ich vielleicht sogar eine kybernetische Schildkröte (die klassische Logo-Turtle) zum Laufen bringen.

Dann gab es bereits die ersten Anbieter von 3D-Druckern für den schulischen Einsatz. Das Komplettgerät von Fabmaker wird für die MINT-Fächer, Musik und Kunst beworben und es gibt immerhin schon ein Lehrbuch, Tutorials und Unterrichtsmaterialien. Von Christiani gibt es den Fabbster, sowohl als Komplettgerät als auch als kostengünstigen Bausatz.

Natürlich bin dann auch durch die anderen Hallen gegangen. In Halle 4 konzentrierten sich die Ministerien und Organisationen. Fand ich für mich recht ergiebig mit Informationen zu Spezialthemen wie Umwelt und Naturschutz. Viele Organisationen bieten inzwischen Ratgeber für LehrerInnen und Eltern an, die Kinder und Jugendliche an die Neuen Medien heranführen bzw. begleiten wollen (Titel wie „Medien – aber sicher“, „Spielregeln im Internet“, „Wie surfen unsere Kinder sicher mobil“ usw. usw.). Neue Medien sind dabei fast ausschließlich soziale Medien, eine Einschränkung, die m.E. wichtige und interessante Nutzungsformen vernachlässigt.

Die Schulbuchverlage konzentrierten sich in Halle 1. Auch dort auffällig, wie oft die digitalen Produkte der Verlage an interaktiven Tafeln präsentiert wurden. Was natürlich heißt, dass digitale Produkte inzwischen selbstverständlich zum Portfolio gehören. Unübersehbar der große Stand für scook, der neuen Plattform von Cornelsen. Inwiefern dies eine Konkurrenz/Ergänzug zur Plattform Digitale Schulbücher darstellt, kann ich nicht beurteilen. Als Gesamteindruck nehme ich jedenfalls von dieser didacta mit, dass Bücher bis auf Weiteres den Schulalltag bestimmen werden.

Sowieso zeigt die didacta als Europas größte Bildungsmesse, dass der Wandel in Schule und anderen Bildungsinstitutionen langsam und evolutionär erfolg, auch wenn sich Protagonisten der Bildungstechnologie sich da meist mehr Tempo und Flächendeckung wünschen würden.

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